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SENDETERMIN Mo, 7.5.2007 | 21:45 Uhr | Das Erste

Internetspiele Tummelplatz für Kinderpornografie

Moderation Fritz Frey:

Guten Abend. Second Life, also zweites Leben, so heißt sie, die schöne neue Welt im Internet. In der auch Sie und ich Bürger werden können.

Heute sind schon weltweit über sechs Millionen Bewohner registriert und täglich werden es mehr. Besonders beliebt ist Second Life bei uns Deutschen. Endlich das Leben leben zu können, wie es für uns in der realen Welt nicht möglich ist. Faszinierend. Natürlich haben große Unternehmen Second Life schnell für sich entdeckt, und auch ein Arbeitsamt gibt es, das wurde von Deutschen gebaut.

Doch Second Life zieht auch das Böse an. Es gibt Waffen, Mobbing und, wie Thomas Dauser und Nick Schader herausgefunden haben, Kinderpornografie. Und dies in einem Ausmaß, dass es selbst hartgesottenen Staatsanwälten schon mal die Sprache verschlägt.


Bericht:

Nur ein paar Mausklicks sind nötig und die eigene Spielfigur ist erschaffen. Dann ist alles möglich, im zweiten, im virtuellen Leben. Urlaub am Meer, Nachtleben in der Stadt, einkaufen in Nobelshops. Und jeder will dabei sein, in der schönen neuen Welt. Selbst das Land Baden-Württemberg hat hier jüngst eine Vertretung eingerichtet.

Second Liefe, eine bessere Welt? Wir gehen hinein in das virtuelle zweite Leben. Ein Kinderspielplatz in Second Life. Ein Mann geht auf ein kleines Mädchen zu, spricht es an.

Der Mann gibt dem Kind Geld, umgerechnet ein paar Euro, nimmt es mit. Was dann passiert, ist schockierend. REPORT MAINZ dokumentiert erstmals, dass sich Spieler in Second Life treffen, um dort Kinder virtuell zu missbrauchen.

Traumatherapeut Lutz-Ulrich Besser betreut seit Jahren sexuell misshandelte Kinder. Wir zeigen ihm die Szenen aus Second Life.

O-Ton, Lutz-Ulrich Besser, Zentrum für Traumatherapie, Niedersachsen:

»Es ist einfach nur erschütternd. Es ist einfach nur erschütternd, und wenn man sich dann vorstellt, dass dort, hinter diesen Spielfiguren reale Menschen stehen, die sozusagen diese Figuren und die Befehle, und das, was dort an sexueller Ausbeutung und Erniedrigung passiert, auch noch steuern, dann sind das wirklich Anleitungen zu sexueller Ausbeutung, zu sexuellen Verbrechen an Kindern.«

Es gibt Orte in Second Life, die gespickt sind mit Fetischen der Kinderpornoszene. Ein Kinderzimmer, ein Mädchen mit weißem Kleid, mit Schleife. Pädokriminelle spielen hier den Missbrauch von Kindern. Womöglich Hunderte Male hintereinander. Dabei belegen wissenschaftliche Studien, solche Spielszenen brennen sich regelrecht ein ins Gehirn. Die Hemmschwelle bei Pädokriminellen sinkt, im Spiel, aber eben auch im echten Leben.

O-Ton, Lutz-Ulrich Besser, Zentrum für Traumatherapie, Niedersachsen:

»Ihnen wird damit auch Tor und Riegel geöffnet, um jetzt auch noch, sozusagen, versteckt, hinter einer virtuellen Person in diesen Chatrooms oder in diesen Second Life virtuellen Welten tatsächlich handlungs-leitende Muster einzuüben. Und dadurch immer leichter Opfer zu finden. Das heißt, es ist sozusagen eine spielerische Vorbereitung ein Opfer zu sein. Und eine spielerische Vorbereitung ein Täter zu werden.«

Die Pädoszene ist längst informiert. Ein Internetforum, deutsche Pädophile tauschen sich hier aus, auch über Second Life. Einer schreibt:

Zitat:
»Ein Porno, den man selber mitbestimmen kann. Das wäre doch mal was.«

In Second Life sieht das dann so aus. In einem Haus beobachten wir, wie ein 13-jähriges Mädchen mehrfach hintereinander vergewaltigt wird. Andere Spieler schauen zu.

Oberstaatsanwalt Peter Vogt ist einer der erfolgreichsten Strafverfolger in Sachen Kinderpornografie. Erstmals sieht er die Aufnahmen aus Second Life von REPORT MAINZ.

O-Ton, Peter Vogt, Oberstaatsanwalt Halle:

»Mir fehlen einfach die Worte. Und diese Deutlichkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein fiktives Geschehen ist oder ein reales Geschehen. Es muss auf jeden Fall objektiv der Tatbestand eines Kindesmissbrauchs erfüllt sein. Dieses Angebot ist ein kinderpornografisches Angebot nach Paragraph 184 b, Absatz 1.«

Mittlerweile hat Oberstaatsanwalt Vogt das Bundeskriminalamt eingeschaltet. Er will an den Betreiber von Second Life ran.

Hier wird sie programmiert, die angeblich heile Welt von Second Life. San Francisco, Linden Lab. Es gab bereits Hinweise auf Kinderpornografie, gibt die Vizechefin zu.

O-Ton, Robin Harper, Second Life – Betreiberfirma Linden Lab:

»Das ist passiert, ein paar Mal in den vergangenen vier Jahren.«







Einzelne Spieler hat Linden Lab deswegen gesperrt. Friedemann Schindler gibt sich damit nicht zufrieden. Er leitet die Jugendschutzbehörde fürs Internet und sagt: Es wäre problemlos möglich, Kinderpornografie in der virtuellen Welt zu verhindern.

O-Ton, Friedemann Schindler, jugendschutz.net:

»Früher haben sich die Betreiber solcher virtuellen Welten auch Götter genannt. Weil sie wie Götter halt Regeln setzen können und ihre Wünsche im Programm halt umsetzen können. Linden Lab hätte ganz einfache Möglichkeiten den sexuellen Missbrauch zu verhindern, indem sie einfach ihre Welt so programmieren, dass zum Beispiel der sexuelle Kontakt zwischen Kindern und Erwachsenen nicht möglich ist.«

Statt dessen haben sich in Second Life unzählige Pädokriminelle eingerichtet. Während unserer Recherchen spricht uns ein Mitspieler aus Deutschland an. Er schickt uns Bilder, entsetzliche Bilder. REPORT MAINZ zeigt sie der Second Life Betreiberfirma.

O-Ton, Robin Harper, Second Life – Betreiberfirma Linden Lab:

»Das sind echte Kinder. Das sind gar keine Spielfiguren.«

Mädchen, misshandelt und missbraucht. Fotos in Second Life, für jedermann zugänglich. Und die Betreiber? Anscheinend ahnungslos.

O-Ton, Robin Harper, Second Life – Betreiberfirma Linden Lab:

»Ich hoffe, wer auch immer diese Bilder gefunden hat, gibt uns mehr Informationen darüber. Wir werden herausfinden, wer dahinter steckt und dann die Polizei informieren.«

Auf Grund der Recherchen von REPORT MAINZ leitet Oberstaatsanwalt Vogt sofort ein Ermittlungsverfahren ein.

O-Ton, Peter Vogt, Oberstaatsanwalt Halle:

»Wir werden versuchen diese Person namhaft zu machen. Sollte uns das gelingen, hat die Person mit einem Strafverfahren wegen Drittbesitzverschaffung von Kinderpornografie zu rechnen, und dieser Straftatbestand wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren geahndet.«

Erstmals wird strafrechtlich ermittelt in Sachen Kinderpornografie und Second Life. Doch die virtuelle Welt wächst weiter, Tag für Tag. Inzwischen hat Second Life über sechs Millionen Mitspieler.


Abmoderation Fritz Frey:

Wenn die Betreiberfirma von Second Life das Problem nicht schleunigst in den Griff bekommt, ist der Untergang dieser schönen neuen Welt vorgezeichnet. Die Ankündigung, man wolle Kindern und Jugendlichen nun bestimmte Bereiche nicht mehr zugänglich machen, die reicht bei weitem nicht aus.

aus der Sendung vom

Mo, 7.5.2007 | 21:45 Uhr

Das Erste

Bericht

Autor:Thomas Dauser,
Nick Schader
Kamera:Olaf Kreis,
Uwe Müller,
Kolja Niber
Schnitt:Jonathan Schaider