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SENDETERMIN Mo, 12.6.2006 | 21:45 Uhr | Das Erste

Holocaust-Leugner Iran Liefern deutsche Neonazis dem Regime die Argumente?

Ist die Erde eine Scheibe? Sind Menschen auf dem Mond gelandet? Hat es den Holocaust gegeben? Absurde Fragen.


Einer, der sich nicht zu schade ist Fragen dieser Art öffentlich zu stellen, ist der iranische Präsident Ahmadineschad. Und das, aber nicht nur das, verbindet ihn mit deutschen Rechtsextremisten. Ein Zufall? Keineswegs.


Ulrich Neumann und Fritz Schmaldienst können ein funktionierendes Netzwerk nachweisen, zwischen der einen und der anderen Seite.

Das sind willkommene Gäste in Deutschland - die iranische Nationalmannschaft bei ihrem WM-Auftakt in Nürnberg. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ für die Mannschaft gilt das Motto.


Anders für den Fußball begeisterten iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadineschad. Er ist in Deutschland nicht willkommen, denn er provoziert ständig den Westen, unter anderem mit Hasstiraden auf Israel. Er leugnet sogar den millionenfachen Mord an Juden. Der Holocaust sei nichts anderes als ein Vorwand für die Gründung des Staates Israel gewesen und die Unterdrückung des palästinensischen Volkes. Deshalb will er Israel von der Landkarte tilgen.


O-Ton, Mahmud Ahmadineschad, Staatspräsident Iran:


»Sechzig Jahre nach Ende des Weltkrieges zahlt das palästinensische Volk noch immer für einen Krieg, an dem es nicht teilgenommen hat.«


Im Spiegel-Interview vor kurzem stellt er die provozierende Frage:


„Hat sich der Holocaust wirklich ereignet?“


O-Ton, Prof. Wolfgang Benz, Antisemitismusforscher TU Berlin:


»Die Holocaust - Leugnung ist auf jeden Fall, das haben die Iraner erkannt, das beste Provokationsmittel, das es überhaupt gibt. Er hat da das mächtigste Totschlagargument in der Hand, und das wird mit Lust und Freude jetzt gegen den gesamten Westen, gegen die gesamte zivilisierte Welt angewendet.«


Ein Bruder im Geiste von Ahmadineschad - Ernst Zündel. Er muss sich gegenwärtig vor dem Mannheimer Landgericht wegen Holocaust - Leugnung verantworten. Er und sein Gesinnungsgenosse Horst Mahler wie auch andere Holocaust - Leugner werden im Iran gern zitiert, so der Experte für arabische Medien:


O-Ton, Dr. Jochen Müller, Medienforschungsinstitut für den Mittleren Osten (MEMRI):


»Hier werden westliche Autoren, westliche vermeintliche Wissenschaftler, als Kronzeugen benutzt, oder dienen als Kronzeugen um die These, dass der Holocaust niemals stattgefunden hat, oder wenn, dann lange nicht in diesem Ausmaß stattgefunden hat, zu untermauern.«


Teheran vergangene Woche. Hier residiert eine Denkschmiede für die angebliche Holocaust - Lüge unter der harmlosen Bezeichnung: Organisation für die Verteidigung der Menschenrechte von Muslimen.


Deren Chef ist Mohammad Ali Ramin. Er ist langjähriger Weggefährte und Gesinnungsgenosse des Holocaust - Leugners Ahmadineschad. Ramin hat 17 Jahre in Deutschland gelebt. Die angebliche Holocaust - Lüge ist schon immer sein Thema. Darüber plant er jetzt eine große Konferenz und ist der Vordenker dieser Propagandaveranstaltung.


O-Ton, Mohammad Ali Ramin, Präsidentenberater:


»Als unser Staatspräsident, Herr Ahmadineschad, diesen Ausdruck gebraucht hat, dass der Holocaust eventuell ein Märchen wäre, ein Mythos wäre, habe ich dann vorgeschlagen, dass unsere Regierung der Weltöffentlichkeit, besonders den westlichen Ländern, westlichen Regierungen, vorschlägt, eine Wahrheitsfindungskommission dafür zu erstellen, zu gründen.«


Was hier unter Wahrheit verstanden wird, ist klar. Denn seit Bildung des Mullah-Regimes 1979 ist die Holocaust - Leugnung Staatsideologie. Das Ergebnis einer solchen Konferenz dürfte also jetzt schon feststehen.


O-Ton, Mohammad Ali Ramin, Präsidentenberater:


»Dieser Holocaust ist ein Vorwand für die Besetzung von Palästina geworden. Aber auch ein Vorwand für die weitere Besetzung dieses Landes. Und die Besatzer werden durch diesen Vorwand von den ganzen westlichen Ländern unterstützt, um diese Juden zu motivieren, aufzufordern, die Muslime zu bekämpfen, zu ermorden.«


Fassen wir zusammen: Mord an Muslimen im Auftrag des Westens unter dem Vorwand des Holocausts. Diese Ungeheuerlichkeit wird verbreitet offensichtlich im Auftrag der iranischen Regierung. Und dabei hat sie Helfer, deutsche Helfer:


Zum Beispiel den mit internationalem Haftbefehl gesuchten Gerhard Ittner. Der Bayer, ein fanatischer Hitlerverehrer, ist kurz vor seiner Verurteilung wegen Volksverhetzung untergetaucht. Jetzt hat er sich zu Wort gemeldet, mit einem 22-seitigen Pamphlet. Titel: Gerhard Ittner im politischen Exil im Iran.


Für ihn sind Politiker, Juristen und Journalisten so genannte BRD-Schergen und gehören an den Galgen. Außerdem schreibt der Neonazi, dass auch er an der Holocaustkonferenz mitarbeitet.


Hier in Teheran vergangene Woche erhärtet sich der Verdacht, dass Ittner im Iran ist. In vertraulichen Gesprächen wird das nicht dementiert. Der Iran, ein Zufluchtsort für straffällige Neonazis?


Diese Befürchtung ist gestern auch in Nürnberg auf dieser Protestkundgebung gegen Ahmadineschad geäußert worden. Schlimmer noch, zum ersten Mal nach Ende der Nazidiktatur übernimmt eine Staatsregierung die strafbaren Holocaust - Lügen deutscher Neonazis und unterstützt sie damit.


O-Ton, Günther Beckstein, CSU, Innenminister Bayern:


»Es ist ganz genauso deutlich, dass die Neonazis nicht nur sich gestärkt fühlen, das ist offensichtlich, sondern auch offensichtlich gestärkt sind, und zwar dadurch, dass eine Regierung, noch dazu übrigens eine Regierung, die wegen des Ölreichtums des Iran auch erhebliche finanzielle Ressourcen hat, den die Rechtsextremismus hier sozusagen mit unterstützt und mit den Stichworten versieht, die man dann auch öffentlich überall hören kann.«


Fazit: Der Schulterschluss zwischen dem Mullah-Regime und den Neonazis ist vollzogen. Jüngstes Zeugnis dafür ist auch dieses Szenevideo. Holocaustleugner feiern sich selbst und erheben Ahmadineschad zur Ikone.


„Eins: Hier kommt die Sonne. Zwei: Hier kommt die Sonne.“

aus der Sendung vom

Mo, 12.6.2006 | 21:45 Uhr

Das Erste

Bericht

Autoren:Ulrich Neumann
Fritz Schmaldienst
Anton Maegerle
Red. Mitarbeit:Martin Ebbing
Kamera:Ullrich Vollert
Oliver Wills
Schnitt:Jörg Hommer