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Vierte Gewalt, seit 40 Jahren

Ohne REPORT MAINZ wäre der Alltag eines Intendanten manchmal ruhiger. Jedenfalls an Dienstagen nach einer REPORT-Sendung, wenn zum Beispiel erboste Zuschauer fordern, den Machern dieser Sendung „endlich“ das Handwerk zu legen. Kaum eine andere Sendung des SWR ruft so viele und so heftige Reaktionen hervor. Bisweilen wird die Empörung über einen REPORT-Beitrag von interessierter Seite sogar professionell organisiert, und dann füllen die Beschwerden Aktenordner. Natürlich, das ist noch kein Beweis für die Qualität der Sendung. Den liefert die Redaktion alle drei Wochen durch profunde Recherchen. Unserer Branche wird manchmal vorgeworfen, sie sei in den vergangenen Jahren kurzatmiger und oberflächlicher geworden. Selbstverständlich hat sich REPORT in den vierzig Jahren seines Bestehens gewandelt, doch eine Tugend ist geblieben: Sie wird heute mit dem Modewort „Nachhaltigkeit“ bezeichnet. Einfacher klingt dieser Imperativ in der Fußballersprache: „Dranbleiben !“. Unsere Reporter hüpfen nicht von „Hype“ zu „Hype“, sondern bleiben dran an den richtig wichtigen
Themen. Lange bevor das journalistische Rudel in das Revier eingefallen ist, ist der Fuchs schon auf der Spur – und bei Bedarf auch dann noch, wenn andere die Jagd längst wieder entnervt abgeblasen haben. Ohne diese Beharrlichkeit wäre REPORT wohl kaum vierzig Jahre alt geworden. Ohne einen anderen Charakterzug wäre die Sendung mit vierzig nicht so frisch: Sie ist im guten Sinne unberechenbar. Die Recherchen sind zuverlässig (seit Bestehen des SWR hat es in REPORT MAINZ keine Gegendarstellung gegeben), die Ergebnisse bisweilen überraschend. Die Redaktion macht kein Gesinnungsfernsehen, das die einen entspannt einschalten, um zu sehen, wie die anderen abgewatscht werden. Es kann jeden treffen, der es – fast immer – auch so verdient. Die Zuschauer sind erwachsen, sie vertragen diese Unberechenbarkeit. Und der Intendant ist stolz auf eine Sendung, die ihm in so schöner Regelmäßigkeit die Chance bietet, sich für sie zu streiten. Ich freue mich auf viele weitere Dienstage nach REPORT-Sendungen, und ich bin mir sicher, dass auch in Zukunft für die Zuschauer der Sendung dieselbe Devise gelten wird wie für die Redakteure bei ihrer Arbeit: „Dranbleiben!“
Prof. Peter Voß, Intendant des Südwestrundfunks

Er ist kein Tag wie alle anderen: Montag ist Sendetag. Montag ist REPORT-MAINZ-Tag. Montag heißt für die Redaktion:
Stress, Hektik, Nervenflattern. Wochenlange Recherchen, zahllose Telefonate, Treffen mit Informanten, Reisen quer durch die Republik, Interviews mit O-Ton-Gebern – alles nur für diesen Tag. Morgens wird gemeinsam mit dem Justitiariat noch um Formulierungen gerungen, mittags werden Versuche von außen abgewendet, kritische Berichte zu stoppen.
Nachmittags gehen die Vorabmeldungen raus, während der Moderator noch an seinen Sätzen feilt. Dann jagen die ersten Agenturmeldungen über den Ticker. Abends, 21.45 Uhr, pirscht der Fuchs über den Bildschirm. Und Millionen Zuschauer schalten ein, wenn das seit 40 Jahren erfolgreiche ARD-Magazin auf Sendung geht. Wenn REPORT Baden-Baden in den 60er-Jahren ein Thema aufgriff, war es in aller Munde. Heute verbreitet REPORT MAINZ seine Nachrichten über alle Kanäle des digitalen Zeitalters.
Seine publizistische Kraft hat das Politmagazin nicht eingebüßt. Doch fast alles andere hat sich seit den Tagen von Günter Gaus, Peter von Zahn und Franz Alt verändert. Der Markt ist unübersichtlicher, das Geschäft schneller und härter geworden, die ARD-Magazine sind keine journalistischen
Monopolisten und die Moderatoren keine Missionare mehr. Schluss mit dem zuweilen oberlehrerhaften Duktus, mit Texten in Leitartikel-Länge und berechenbarem Journalismus für das jeweils eigene politische Lager. Kompressionen statt Kolumnen sind gefragt, Informationen statt Ideologien. REPORT MAINZ, für das ich als Chefredakteur und Anchorman gestanden habe und auf das ich heute als Fernsehdirektor stolz bin, ist anders, moderner als viele Magazine. Es setzt auf politische Unabhängigkeit und darauf, das Publikum immer wieder zu überraschen. Denn wer von niemandem abhängig ist, kann – wenn es sein muss – in alle Richtungen austeilen. REPORT MAINZ nimmt 2006 nicht weniger als 1966 das Wächteramt wahr, das den Medien als der faktischen „Vierten Gewalt“ im Staat z ugewiesen ist – aber es kann auch ganz andere, leichtere Themen transportieren. 40 Jahre REPORT MAINZ und REPORT Baden- Baden, das sind 40 Jahre Fernsehgeschichte, zwei Standorte, sieben Moderatoren, viele engagierte Redakteure, Millionen Zuschauer, zahllose aufgedeckte Skandale und sogar der Rücktritt eines Ministers. Vor allem aber eines: Qualitätsjournalismus, erste Bundesliga. Der Südwestrundfunk ist stolz, dass er mit REPORT MAINZ ein Politmagazin für investigative Recherche und hintergründige Berichterstattung anbietet, das längst eine Instanz des deutschen Fernsehjournalismus’ geworden ist. So soll es bleiben. Tradition verpflichtet für die Gegenwart – an jedem aufregenden Montag.
Bernhard Nellessen, SWR-Fernsehdirektor
Letzte Änderung am: 17.04.2006, 12.54 Uhr