aus der Sendung vom Montag, 15.5.2006 | 21.44 Uhr | Das Erste

Ein politisches Magazin zu moderieren, kann auch bedeuten, sich geheimnisvolle Notizen zu machen, wo es nun wahrlich nichts zu notieren gibt. Ja, und dann macht es plötzlich Rumms.
1989. Die DDR sagte Tschüssikowski, wir alle waren überrascht. Aber auch das ein Ergebnis von mehr als 20 Jahren Wandel durch Annäherung. Auch und gerade in REPORT MAINZ. Begleiten Sie uns auf einer sentimentalen Reise in schwarz-weiß mit Thomas Dauser.
1966. REPORT mit Günter Gaus.
O-Ton, REPORT BADEN-BADEN, 25.04.1966:
»Berichte zu Nachrichten von gestern und morgen.«
Nachrichten über Deutschland im Jahre fünf nach dem Mauerbau. Die Deutschlandpolitik das Thema in REPORT. Die Nation zerschnitten in zwei Welten. Die Deutschen werden sich fremd.
O-Ton:
»Manches ist hierzulande eben doch einfacher.«
Gaus sendet in REPORT gegen die Entfremdung an. Klaus Bölling war damals selbst Journalist. Später wird er Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in Ost-Berlin.
O-Ton, Klaus Bölling, ehem. Regierungssprecher:

»Für Günter Gaus war das Verhältnis Bundesrepublik-DDR sein Lebensthema. Und damit hat er sich ganz und gar identifiziert, zwischen den beiden deutschen Staaten einen manierlichen Umgang zu ermöglichen.«
Gaus schickt seine Reporter mitten im Kalten Krieg in die DDR. Sie dürfen erstmals ungehindert von drüben berichten. REPORT zeigt nicht die im Westfernsehen üblichen DDR-Klischees von wehenden SED-Fahnen. REPORT zeigt Szenen aus dem Alltag der DDR-Bürger.
O-Ton:
»Die Lebensbedingungen sind besser geworden. Im Landwarenhaus ist alles zu haben, was man für den täglichen Bedarf benötigt.«
Neue Einsichten statt alter Feindbilder. Gaus treibt die Deutschlandpolitik voran. Sein Vorteil: Er hat beste Kontakte zur SPD und zu Willy Brandt. Der verkündet sein neues Deutschland-Credo in REPORT.
O-Ton, REPORT BADEN-BADEN, 25.04.1966:
»Unser Ringen ist primär ein Ringen um die Freiheit für unsere Landsleute im anderen Teil Deutschlands.«
Die DDR anerkennen und so menschliche Erleichterungen erkaufen? In Bonn löst Brandt ein politisches Erdbeben aus. Kanzler Erhard will nicht reden mit den Kommunisten. REPORT schon.
Gaus schreibt eilig an die DDR-Führung, holt mit Staatssekretär Herrmann erstmals einen ranghohen SEDler ins Westfernsehen, verhandelt Deutschlandpolitik.
O-Ton, REPORT BADEN-BADEN, 23.05.1966:
»Es gibt nun einmal die Realität, dass zwei Staaten existieren.«
REPORT spricht unangenehme Wahrheiten aus, macht aber damit Brandts Wandel durch Annäherung erst salonfähig. Anfang der 70er erkennt die Bundesrepublik in den Ostverträgen die DDR faktisch an, was die Mauer durchlässiger macht. 20 Jahre später dann die Wiedervereinigung.
Letzte Änderung am: 07.05.2006, 03.16 Uhr