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In der Psychiatrie zum Schweigen gebracht

Ein Mann wird weggesperrt, weil er dunkle Geschäfte einer Bank aufgedeckt hat

In der Psychiatrie zum Schweigen gebracht: Ein Mann wird weggesperrt, weil er dunkle Geschäfte einer Bank aufgedeckt hat

Moderation Fritz Frey:

Treue REPORT Zuschauer kennen diesen Mann. Über Gustl Mollath haben wir vor knapp einem Jahr berichtet. Die Umstände die dazu führten, dass er seit Jahren in der Psychiatrie einsitzen muss, sie erschienen uns zumindest dubios. Was war geschehen?

Im Verlauf einer schmutzigen Scheidung belastete Mollath den damaligen Arbeitgeber seiner Frau: Die HypoVereinsbank. Sein Vorwurf: Illegale Geldgeschäfte.

Quatsch erklärte das zuständige Landgericht. Mollaths Anschuldigungen seien Ergebnis eines, Zitat: Paranoiden Gedankensystems. Wirklich?

Heute liegt uns dieser, seit Jahren unter Verschluss gehaltene, interne Prüfbericht der HypoVereinsbank vor. Und dieser Bericht bringt jetzt in Bayern einige in Erklärungsnot. Die HypoVereinsbank und auch die zuständige Justizministerin. Monika Anthes und Eric Beres mit der Geschichte, die in der Bezirksklinik Bayreuth beginnt.

Bericht:

Eingesperrt in der geschlossenen Psychiatrie. Hier sitzt Gustl Mollath seit mehr als sechs Jahren. Für die bayerische Justizministerin Beate Merk absolut zu recht.

O-Ton:

»Er sitzt in der Psychiatrie, weil er gefährlich ist.«

Doch Gustl Mollath beschwört bis heute, dass er unschuldig ist.

O-Ton, Gustl Mollath:

»Ich hatte nicht mal Punkte in Flensburg gehabt. Gar nichts. Plötzlich sind sie der schwerkrimineller Wahnsinnige – von null auf hundert.«

Er ist davon überzeugt, dass er in der Psychiatrie sitzt, weil er einen riesigen Schwarzgeldskandal öffentlich machen wollte. Ist das möglich?

Rückblick. Im Jahr 2003 zeigt Gustl Mollath seine frühere Ehefrau und andere Bankmitarbeiter wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche an. Er behauptet, von der Filiale der HypoVereinsbank in Nürnberg sei systematisch Schwarzgeld reicher Kunden in die Schweiz verschoben worden.

Er nennt Zeugen und Täter, Namen von Kunden. Legt umfangreiche Dokumente vor. Überweisungsaufträge für Konten in der Schweiz mit dubiosen Namen wie „Seligstadt“ oder „DVD 6006“.

Doch die Staatsanwaltschaft in Nürnberg lehnt es ab, in der Schwarzgeldsache zu ermitteln. Stattdessen landet Gust Mollath in der geschlossenen Psychiatrie. Begründung:

Die von Ihm angezeigten „Schwarzgeldverschiebungen“ seien Teil eines „paranoiden Gedankensystems“.

Warum wurden die Aussagen Mollaths nie überprüft? Warum hat die Staatsanwaltschaft nicht ermittelt?

Merkwürdig: Die HypoVereinsbank hat seine Angaben sehr wohl ernst genommen. Bereits 2003 wurden interne Ermittlungen durchgeführt. Daraufhin Mollaths Ex-Frau und weitere Mitarbeiter entlassen.

Die genauen Ergebnisse dieser geheimen Untersuchung liegen der Staatsanwaltschaft und auch der Justizministerin vor. Wir treffen Beate Merk vergangenen Freitag, fragen noch einmal, welche Hinweise der bankinterne Bericht für den Fall Mollath liefert.

Frage: Bestätigen die Untersuchungen der HypoVereinbank die Aussagen von Herrn Mollath?

O-Ton, Beate Merk, CSU, Justizministerin Bayern:

»Soweit Sachverhalte oder Vorwürfe noch verfolgbar waren, bestätigt das die Vorwürfe nicht.«

Tatsächlich? Was genau in dem Bericht steht war bisher geheim. Jetzt liegt Report Mainz dieser vertrauliche Sonderrevisionsbericht vor. Darin finden wir überraschende Ermittlungsergebnisse.

Detailliert werden „Abwicklungsmodalitäten des Vermögenstransfers“ beschrieben. Über einen „Direktversand per Wertpost von Nürnberg nach Zürich“ oder ein „Verrechnungsdepot bei der HYPO München2 seien Gelder von Kunden in die Schweiz übertragen worden.

Es werden Millionenbeträgen auf Schweizer Konten angesprochen. Überwiegend Gelder von Kunden aus dem Raum Nürnberg. Außerdem stellten die Prüfer einen Verstoß gegen das „GWG“ also Geldwäschegesetz fest.

„Schwarzgeld“ sei „künstlich aufgesplittet“ worden. Das Geld stamme von einer allgemein bekannten Persönlichkeit.
Wir legen den Bericht dem angesehenen Rechtsanwalt Johannes Fiala vor. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit illegalen Steuerstransfers durch Banken.

O-Ton, Johannes Fiala, Rechtsanwalt:

Der Bericht enthält zwei komplexe illegaler Handlungen. Einerseits Steuerhinterziehungen und andererseits verbotene Bankgeschäfte. Die Brisanz rührt natürlich daher, dass es um Millionenbeträge geht, eine Vielzahl von Tätern oder Gehilfen, die daran beteiligt sind und insofern hat es der Bericht richtig in sich.«

Außerdem zeigen wir ihn Frank Wehrheim. Er war Chef einer Spezial-Steuerfahndereinheit in Frankfurt. Hat Schwarzgelgeschäfte großer Banken, wie der Commerzbank, aufgedeckt.

O-Ton, Frank Wehrheim, Ehemaliger Steuerfahnder:

»Das ist illegal, das ist Beihilfe zur Steuerhinterziehung und darüber hinaus sind auch noch Straftaten wie Untreue und Geldwäsche durchaus auch noch mit im Raum, von Mitarbeitern der HVB.«

Was bedeuten diese Erkenntnisse für Gustl Mollath? Die Bank bestätigt praktisch alle seine Aussagen. Die Schwarzgeldverschiebungen sind kein Wahn, sondern schlicht die Wahrheit.

Im Bericht steht unter dem Punkt „Zusammenfassendes Ergebnis“: „Alle Nachprüfbaren Behauptungen haben sich als zutreffend herausgestellt.“
All dies verschweigt die Ministerin dem Parlament und auch der Öffentlichkeit.

Sie behauptet noch am 30. Oktober 2012. „Die bankinternen Untersuchungen (hätten) die Vorwürfe Mollaths gerade nicht bestätigt. Wie kann das sein? Im Bericht steht: „Alle Nachprüfbaren Behauptungen haben sich als zutreffend herausgestellt.“

Hat die Ministerin das Parlament und die Öffentlichkeit belogen?

Erklärungsversuche.

Fragen: „Sie sagen das bestätigt das nicht. Wir haben den internen Revisionsbericht der HypoVereinsbank vorliegen. Den kennen Sie? Und hier steht in der Zusammenfassung: Herr Mollath hat Insiderwissen. Alle nachprüfbaren Behauptungen haben sich als zutreffend herausgestellt.“

O-Ton, Beate Merk, CSU, Bayerische Justizministerin:

»Soweit Sie verfolgbar waren, haben Sie sich nicht als zutreffend herausgestellt.«

Frage: Alle nachprüfbaren Behauptungen haben sich als zutreffend herausgestellt.

O-Ton, Beate Merk, CSU, Bayerische Justizministerin:

»Soweit Sie verfolgbar waren, haben Sie sich als nicht zutreffend herausgestellt.«

Frage: Das heißt?

O-Ton, Beate Merk, CSU, Bayerische Justizministerin:

»Das sie, soweit sie verfolgbar waren, nicht zutrafen.«

O-Ton, Frank Wehrheim, Ehemaliger Steuerfahnder:

»Das ist gelogen. Schlichtweg. Das ist schlichtweg die Unwahrheit und ich bin überzeugt, dass Sie als promovierte Juristin weiß, dass das falsch ist. Das ist eine gewollte Falschaussage, hier wird die Öffentlichkeit falsch informiert.«

Auch die Opposition fühlt sich hinters Licht geführt. Florian Streibl, rechtspolitischer Sprecher der Freien Wähler:

O-Ton, Florian Streibl, rechtspolitischer Sprecher Freie Wähler:

»Also wir fühlen uns von der Ministerin schlicht und ergreifend belogen. Sie hat die Unwahrheit gesagt und hat nicht die vollen Tatsachen vorgelegt. Und die Konsequenz ist, dass eine solche Justizministerin für Bayern nicht tragbar ist und letztlich, wenn Sie Anstand hätte müsste Sie jetzt Ihren Hut nehmen.«

Ob Beate Merk Konsequenzen daraus zieht, dass hätten wir Sie gern noch gefragt, doch dazu war Sie nicht mehr bereit.

Frage: Dann noch eine letzte allgemein Frage. Ja?

O-Ton:

»Nein, ich bin jetzt mit meinen Dingen am Ende. Es tut mir leid.«

Abmoderation Fritz Frey:

Übrigens heute behauptet die Ministerin der Revisionsbericht habe ihr überhaupt nicht vorgelegen, als sie den Rechtsausschuss des Landtags informierte. Dafür hat sie aber sehr detailliert daraus berichtet.

Auf reportmainz.de können Sie sich selbst ein Bild machen. Dort finden Sie das Protokoll der Sitzung, den kompletten Revisionsbericht und das Interview mit der Ministerin in voller Länge. Es lohnt sich.

Stand: 03.07.2012, 14.32 Uhr