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SENDETERMIN Mo, 20.7.2009 | 21:45 Uhr | Das Erste

Krise? Welche Krise? Frankfurts Investmentbanker sind wieder in Partylaune

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Guten Abend zu REPORT MAINZ. Hatten wir uns da verhört? Milliardengewinne unter anderem bei Goldman Sachs, der amerikanischen Investmentbank. Und auch die Großbank J.P. Morgan erzielt überraschend hohe Gewinne.

Findet jetzt die Rückkehr zum so genannten Kasino-Kapitalismus statt? Es wäre ein Treppenwitz der Wirtschaftsgeschichte, wenn ausgerechnet die Investmentbanken zu den Gewinnern der Krise werden, während gleichzeitig die Zahl der Firmeninsolvenzen und der Arbeitslosen steigt.

Amerika und seine Banken sind weit weg. Und so haben wir uns hier umgeschaut und gefragt, wie es eigentlich am deutschen Bankenstandort Frankfurt zugeht. Und siehe da, von Krisenstimmung keine Spur.

Achim Reinhardt und Thomas Reutter sind mit ihren Kameras losgezogen.

Bericht:

Das Finanzviertel in Frankfurt. Hier feiern die Banker. Das Top-Event ist immer dienstags: die „Bankers & Brokers After Work Party“. Viele kommen direkt aus der Bank.

Frage: Wo ist denn eigentlich die Krise hier in Frankfurt? Wir suchen die Krise?

O-Ton:

»Hahaha!«

O-Ton:

»Die Krise? Das ist eine gute Frage!«

O-Ton:

»Hier, leere Gläser. Das ist die Krise!«

O-Ton:

»Die Krise muss woanders sein.«

Direkt neben der Deutschen Bank besuchen wir das Restaurant „Ivory Club“, „Der Elfenbein Klub“. Getränke kosten hier zwischen 100 und 6.000 Euro die Flasche. Demnächst wird ausgebaut, die Fläche wird verdreifacht. 80 Prozent der Gäste sind Banker, schätzt der Geschäftsführer

O-Ton, Feres Ladjimi, Geschäftsführer:

»Deutsche Bank, Morgan Stanley, Goldman Sachs etc. sind auch unsere Stammgäste.«








Frage: Jetzt mal Hand aufs Herz. Haben Sie überhaupt irgendwas gespürt von Finanzkrise?

O-Ton, Feres Ladjimi, Geschäftsführer:

»Ganz ehrlich nichts.«

Die Krise trifft die anderen: Firmen entlassen Mitarbeiter. Doch die maroden Banken sind gerettet, mit Steuergeldern. Inzwischen machen Finanzjongleure wieder gute Geschäfte. Und die Banker freuen sich über großzügige Bonus-Zahlungen.

Wir treffen Sven Friske, stellvertretender Direktor in einer großen Privatbank. Gute Banker, sagt er, suchen längst wieder nach jeder Lücke, mit der man legal Geld machen kann.

O-Ton, Sven Friske, Banker:

»Der Aktienmarkt ist nach oben gegangen. Immer wenn der Aktienmarkt steigt, sind die Anleger einfach... ja, freuen sich. Der Risikoappetit nimmt zu, und das entspannt natürlich auch die Banker hier in Frankfurt. Ganz klar.«




Für ihn sind die umstrittenen Bonus-Zahlungen selbstverständlich, nach wie vor.

O-Ton, Sven Friske, Banker:

»Boni wird immer eine wichtige Rolle spielen, weil Sie nur über eine adäquate Bezahlung die Qualität der Mitarbeiter bekommen, die Sie suchen.«

Es gibt sie also wieder, die Extra-Ausschüttungen für die Banker.

Frage: Und Sie persönlich haben ja auch kein schlechtes Gewissen, wenn Sie Geld ausgeben oder?

O-Ton, Sven Friske, Banker:

»Wenn ich Geld ausgebe? Um Gottes Willen, dann habe ich sogar ein gutes Gewissen, ja, weil dann helfe ich ja der Wirtschaft.«

Auch hier finden wir Banker, die gerne Geld ausgeben: auf dem obersten Deck des Börsenparkhauses zwischen den Hochhäusern der Banken. Der Club veranstaltet Events wie die – laut Eigenwerbung – größte private Yacht-Party mit 130 Luxusyachten für 2.000 Auserwählte. Ganze Bankerteams feiern hier.

Die Gäste wünschen Diskretion. Interviews sind nicht erlaubt. Und in der Mittagspause kann man schnell mal bei Rolex vorbeischauen. Neulich ging eine Uhr weg, für eine halbe Million Euro, es gibt aber auch günstigere – zum Beispiel für 60.000 Euro. Der Laden läuft gut. Bald wird eine neue große Filiale eröffnet. Und Rolex wirbt mit dem Slogan: Mut zum Luxus.

O-Ton, Piroz Khajehamid, Juwelier:

»Also die Banker sind immer selbstbewusst. Das ist das, was ich einfach an den Bankern ja mag. Das ist auch der Grund, warum ich Frankfurt auch sehr, sehr mag, weil die Banker ein gewisses Selbstbewusstsein haben und das strahlen die auch aus, und so soll es ja auch sein.«


Nach Büroschluss geht’s dann in die Banker-Bar „Beyond“. Wer mittags mal eine Anlegermillion verzockt hat, kommt abends noch zum Chill-Out vorbei, hören wir an der Theke. Es kursieren auch Witze über Anleger. Zum Beispiel der: Ihr Geld ist weg? Ach was. Das ist nicht weg. Das gehört jetzt nur anderen. Die Banker nehmen die Krise mit Humor und starken Drinks.

O-Ton:

»Was hier schön ist, dass wenn wir mittags ab und zu mal, wenn’s Richtung Wochenende geht, Freitag oder so und es ist halb vier, vier, dann wird hier schon mal angerufen, da wird auch mal ein Getränk nach oben gebracht.«

Frage: Und was zum Beispiel?

O-Ton:

»Ach, die haben hier solche Shots und auch mal vielleicht ein Äppler.«

Shots ins Büro: B 52 und hochprozentiger Rum.


O-Ton, Barkeeper:

»Und dann wird das geliefert oder sie kommen selbst mit Tablett und nehmen es mit und bei Büroschluss kommen sie zurück mit den leeren Gläsern und trinken dann noch ein, zwei Getränke dann bei uns.«





Frage: Also hier wird trotz Krise auch noch gefeiert?

O-Ton, Barkeeper:

»Selbstverständlich. Selbstverständlich. Also muss man ja.«

Zurück zu den Banktürmen. Doch der einzige, der dort mit uns spricht, ist ein externer Unternehmensberater.

Frage: Reden die Leute über Ethik, Gewissen, Moral? Kommt so was vor?

O-Ton:

»Nee. Intern in einer Bank nicht. Nee. Bank ist für das Geld da, und man redet von Geld.«

Banker ohne Reue. Die große Party geht weiter.

aus der Sendung vom

Mo, 20.7.2009 | 21:45 Uhr

Das Erste

Bericht

Autoren:
Achim Reinhardt
Thomas Reutter
Kamera:
Achim Reinhardt
Thomas Reutter
Schnitt:
Achim Reinhardt
Thomas Reutter