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SENDETERMIN Mo, 18.2.2008 | 21:45 Uhr | Das Erste

Fragwürdige Zusammenarbeit US-Privatarmee Blackwater schießt mit deutschen Waffen

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Söldner gab es wohl schon immer. Bereits in der Antike kämpften Soldaten für Geld. Im Irak ist vor allem die amerikanische Söldnerfirma Blackwater Worldwide tätig. Laut Eigenwerbung ein militärischer Dienstleister. Das ist purer Zynismus.

Immer wieder gerät die Truppe in die Schlagzeilen, weil die Blackwater-Leute, mal nüchtern, mal im Suff, auch Zivilisten erschießen. Was hat das mit Deutschland zu tun? Eine Menge, sage ich Ihnen. Thomas Reutter und Ashwin Raman haben sich mal angesehen, welche Waffen hier zum Einsatz kommen, und, deutsche Wertarbeit wohin man schaut.


Bericht:

Die US-Sicherheitsfirma Blackwater. Eine Privattruppe für Spezialeinsätze. Blackwater erhält Aufträge von der US-Regierung, die sie dem eigenen Militär nicht geben will. Im Wert von einer Milliarde Dollar. Vor allem im Irak. Blackwater genießt keinen guten Ruf.

Ein Videobericht der New York Times, Blackwater-Männer töteten im September 2007 17 irakische Zivilisten. Ein Augenzeuge berichtet:


O-Ton:

»Sie schossen 20 Minuten lang. Ohne jede Gegenwehr.«


O-Ton Tagesschau-Sprecher:

»Die Firma war durch rabiate Einsätze in die Schlagzeilen geraten, bei denen Zivilisten erschossen wurden.«


O-Ton Tagesthemen-Moderator:

»Und der Kongress fordert jetzt auch Rechenschaft von Blackwater, denn dessen Kämpfern werden schlimme Übergriffe und die Tötung von irakischen Zivilisten vorgeworfen.«


Der Kongress untersuchte fast 200 Schießereien in den vergangenen zwei Jahren, in die Blackwater verwickelt war. Das Ergebnis: In 163 Fällen, also in 84 Prozent der Schießereien, eröffnete Blackwater-Personal das Feuer. Und Blackwater hat einen Geschäftspartner in Deutschland.

Einen oberschwäbischen Traditionsbetrieb. Die Waffenfabrik Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar. Ein renommiertes Unternehmen, weltweit bekannt für Wertarbeit aus Deutschland. Blackwater und die Heckler & Koch GmbH kooperieren seit Jahren. 2006 vermeldet das deutsche Unternehmen auf seiner Homepage eine „einzigartige und strategische Zusammenarbeit mit Blackwater“. Und weiter: „Eine Spezialanfertigung von Heckler & Koch und Blackwater-Waffen wird entwickelt“. Und Heckler & Koch bietet gemeinsam mit Blackwater Lehrgänge an. Schießen mit Kriegswaffen von Heckler & Koch.

Wie Blackwater im Irak tatsächlich schießt, zeigt dieses Video, das auch den US-Kongress beschäftigte. Blackwater-Männer auf einem Dach in Nadschaf. Ein Scharfschütze schießt auf Menschen in 800 Meter Entfernung, als ob sie Tontauben wären.

O-Ton:

»Das ist wie Truthahnschießen.«


O-Ton, Hans-Christian Ströbele, B´90/Grüne, stellv. Fraktionsvorsitzender:

»Es ist skandalös. Und nicht hinnehmbar, dass eine deutsche Waffenfirma mit einer solchen Söldnertruppe der Gesetzlosen zusammenarbeitet. Ganz offensichtlich eine Partnerschaft gegründet hat, weitere Waffen entwickeln will, obwohl sie wissen muss, dass diese Firma im Irak an der illegalen Tötung von Menschen beteiligt ist.«


Bei einer Vorführung präsentiert Blackwater 2006 die neuesten Heckler&Koch-Waffen. Und Blackwater trägt solche Waffen auch im Einsatz im Irak: Ein G36, eine MP5. Ein Blackwater-Söldner in Afghanistan mit einem G36K. Aber darf Heckler & Koch an Blackwater Kriegswaffen überhaupt verkaufen?

Für die Entscheidung, ob deutsche Waffen geliefert werden dürfen oder nicht, gibt es klare Richtlinien: Die politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen. Deren Ziel ist die „Sicherung des Friedens, der Gewaltprävention, der Menschenrechte.“

Wie kamen die Waffen dann trotzdem zu Blackwater? Heckler & Koch schweigt sich darüber aus. Eine Lieferung aus Deutschland hatte die Bundesregierung laut Wirtschaftsministerium nie genehmigt. Ein Hinweis, wie der Waffendeal gelaufen sein könnte, ergibt sich aus der Homepage von Heckler & Koch.

Theoretisch hätte die Firma in Oberndorf nur an Heckler & Koch USA liefern müssen. Von dort könnte dann direkt an Blackwater verkauft werden. Ohne deutsche Genehmigung. So einfach lassen sich die Grundsätze der Bundesregierung umgehen.


O-Ton, Werner Hoyer, FDP, stellv. Fraktionsvorsitzender:

»Da haben wir eine Lücke, und die muss geschlossen werden. Und weil wir sehen, dass da ein Problem entsteht, und das Problem größer wird, und deswegen brauchen wir auf diesem Gebiet mehr Transparenz und präzise Rechtsgrundlagen.«



Frage: Also da muss sich noch einiges bewegen?


O-Ton, Werner Hoyer, FDP, stellv. Fraktionsvorsitzender:

»Da muss sich viel bewegen, mir macht das Thema große Sorgen.«


Heckler & Koch lehnt ein Interview ab. Schriftlich bestätigt uns die Firma die Zusammenarbeit mit Blackwater, bestreitet aber Waffen für Blackwater entwickelt zu haben. Die Heckler&Koch-Tochterfirma in den USA habe Waffen nur zu Schulungszwecken an Blackwater geliefert, schreibt die Firma und: „Auf Grund der uns bekannten Medienberichte über Blackwater, haben wir diesen Geschäftspartner besonders in unser Blickfeld und unter Beobachtung genommen.“

17 Zivilisten hatte Blackwater alleine im September letzten Jahres auf diesem Platz in Bagdad getötet. Offenbar willkürlich. Was muss noch geschehen, damit Heckler & Koch die Zusammenarbeit mit Blackwater beendet?


Abmoderation Fritz Frey:

Ja, und unmittelbar vor unserer Sendung hat uns diese Nachricht von Heckler & Koch erreicht. Darin heißt es: „Die Geschäftsleitung von Heckler & Koch hat sich entschieden, jegliche Verbindung mit Blackwater umgehend zu beenden.“ Schön wenn unsere Recherchen zu solchen Ergebnissen führen.