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Geothermie Erdwärme - eine heiß diskutierte Energiequelle

Staufen bricht auseinander, in Landau bebte die Erde, vor kurzem traf es auch Leonberg - Geothermie als Energieform scheint nicht beherrschbar zu sein. Und trotzdem hält man an der Erschließung fest. Handelt es sich um reine Profitgier, wie Kritiker behaupten? Oder gibt es zur Nutzung von Erdwärme keine Alternative, wenn man die Klimakatastrophe verhindern will?

In Leonberg-Ertlingen bei Stuttgart entstanden Ende Juli 2011 nach geothermischen Bohrungen eklatante Bauschäden an mehreren Häusern. 24 Anwohner beklagen beträchtliche Mauerrisse und abgesackte Häuser. Ein Eigentümer hat in der gleichen Straße nach Erdwärme in 80 Metern Tiefe bohren lassen - er wollte auf diese alternative Energie umsteigen.

Wer für den Schaden aufkommt und wer für die Schäden in Leonberg-Ertlingen verantwortlich gemacht wird, ist unklar. Doch vorerst bleiben die Anwohner auf den Bauschäden sitzen. Gutachter sollen nun klären, ob ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen den Erdbohrungen und den Mauerrissen besteht.

Risse so tief, dass man hineingreifen kann

Der Fall Staufen ist inzwischen bundesweit bekannt, wenn es um Geothermie und die möglichen Folgen geht: Mit Erdwärme wollte man das Rathaus des südbadischen Städtchen Staufen heizen. Ein Spezialunternehmen führte die Bohrungen im Sommer 2007 durch. Wenige Monate später zeigten die ersten Häuser der historischen Altstadt tiefe Risse.

Inzwischen sind mehr als 260 Häuser betroffen, die Risse sind teilweise so tief, dass man hineingreifen kann. Außerdem hebt sich der Boden der Stadt mehrere Zentimeter pro Monat. Ein Ende ist nicht absehbar, der Schuldigen nicht auszumachen. In Staufen sucht man fieberhaft nach Lösungen, doch noch weiß keiner, wie es weitergehen soll oder wer für den Schaden, der sich mittlerweile auf mehr als 50 Millionen beläuft, aufkommt.

Erdbeben auch in der Pfalz

Auch in Landau steht man der Erdwärme mittlerweile skeptisch gegenüber. 2007 ging dort das erste kommerzielle Geothermiekraftwerk Deutschlands in Betrieb. Im August 2009 kam es zu Erdstößen, sehr zur Überraschung der Betreiber des Kraftwerks und von Geophysikern. Denn eigentlich wird hier nur im Boden vorkommendes Thermalwasser gefördert. Das Gestein im Untergrund blieb - im Gegensatz zu Staufen - unangetastet. Ein Gutachten hat nun bestätigt, dass die Risse in den Häusern von diesen Erdbeben stammen.

In Schaidt, einem Dorf zwischen Landau und Karlsruhe, soll trotzdem ein neues Geothermiekraftwerk gebaut werden. Anfangs waren die Anwohner dafür, seit den Erdbeben von Landau stehen sie dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Sie wollen erst einmal wissen, was auf sie zukommt - und wie beherrschbar die Geothermie ist. Es stellt sich die Frage, ob die Proteste gegen Geothermie gerechtfertigt sind oder ob es sich um die Energie der Zukunft handelt, an der kein Weg vorbeiführt - wie ihre Anhänger das gerne betonen.

Energie, die unter unseren Füßen schlummert

Trotz aller Erfahrungen ist Geothermie als alternative Energieform weiterhin ein Thema. Langfristig müssen Strategien gefunden werden, die fossilen Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle zu ersetzen. Dazu will man auch das endlos erscheinende Energiepotenzial nutzen, das unter unseren Füßen schlummert: Die Hitze im Erdinnern lässt sich durch Bohrungen anzapfen und für den Menschen nutzbar machen. In Zukunft könnte mit Erdwärme ausreichend Strom erzeugt und sogar direkt geheizt werden. Experten sehen in Kohle die Energieform der Vergangenheit, in der Geothermie die Zukunft. Sie gilt als klimafreundlich und ist unabhängig von Jahreszeit und Wetter verfügbar.

Zusammengestellt von: Katja Hemmer

Letzte Änderung am: 09.09.2011, 10.03 Uhr

Im Programm

Geothermie "Landesschau" Wieder Bauschäden durch Geothermie?

In Leonberg kam es nach geothermischen Bohrungen zu mehreren Gebäudeschäden - Zufall oder Zusammenhang?

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