Die Colonia Tovar in VenezuelaDas Schwarzwalddorf in den Tropen

Die Einheimischen gehen ins Gasthaus Rebstock und das Café Muhstall. Es gibt "Schlachtplatte deutsch", Bier, Schwarzbrot, Heidelbeeren, Tiroler Hüte, Kuckucksuhren und Fachwerkhäuser. Doch wir sind nicht im Schwarzwald oder in Bayern - wir sind auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans, in der Colonia Tovar in Venezuela.

1842 war man am von Missernten und Hungersnöten geplagten Kaiserstuhl in Südbaden froh um jeden Esser, der nicht mit am Tisch saß. 373 Menschen, vornehmlich aus Endingen, Wyhl und Oberbergen, wanderten damals nach Venezuela aus. Nach 112-tägiger Reise kamen sie am 8. April 1843 völlig erschöpft in Tovar an und bauten sich dort ihre neue Existenz auf.


Badener in Venezuela

Mehr als 16.000 Menschen leben mittlerweile in der Region, davon 2.000 in Tovar. Auch die Deutschstämmigen fühlen sich längst als Venezolaner. Bis 1964 war das 60 Kilometer von Caracas entfernte Dorf weitgehend von der Außenwelt abgeschieden. Dadurch blieb die alemannische Kultur mehr als 100 Jahre lang unverändert erhalten.


Lebendige Sprache

"Morgens um sechse fanga mr a", erzählt Luisa Müssle, die in Tovar Mangold und Callas-Blumen anbaut. Luisas Urgroßeltern kamen aus Wyhl im Landkreis Emmendingen. Die Bäuerin und ihr Bruder Eugenio sprechen auch 163 Jahre nach der Auswanderung der Familie noch perfekt Kaiserstühler Dialekt.

Autor: Götz Goebel. Webfassung: Diane Scherzler

Letzte Änderung am: 03.04.2006, 12.05 Uhr

Die Colonia Tovar in Venezuela

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