Stadtporträt KonstanzFast schon Schweizer
Mit rund 81.000 Einwohnern ist Konstanz die größte Stadt am Bodensee. Wie Friedrichshafen ist sie auch Industriestandort. Die Nähe zur Schweiz, religiöse Besonderheiten und Schatten einer großen Geschichte prägen den besonderen Konstanzer Charakter.
Der weströmische Kaiser Constantius I., der vor 1.700 Jahren regierte, hinterließ der Welt zweierlei: einen Sohn, der in Konstantinopel das Christentum einführte, sowie die Stadt Konstanz im Gebiet der Alemannen. Vor knapp 600 Jahren dann wurde diese Stadt anstelle Konstantinopels oder Roms kurzzeitig sogar zum Zentrum der gesamten Christenheit.
Zwischen Papst und Ketzern
Von 1414 bis 1418 vereinte ein Konzil in Konstanz neben Kirchenfürsten aus ganz Europa auch 18.000 Priester, 50.000 Beobachter und 150.000 Gäste im Ringen um die Einheit des Christentums, die Reinheit seiner Lehre und eine Reform der Kirche. Mit der Absetzung eines und der Wahl eines neuen Papstes gelang zwar die Überwindung des abendländischen Schismas. Im Streit um die reine Lehre jedoch wurden die Ideen des tschechischen Predigers Jan Hus als ketzerisch verurteilt, der frühe Reformer endete auf dem Scheiterhaufen.
Zeitreise in die Weltgeschichte
Wahrzeichen der Stadt ist das einstige Konzilgebäude. Die einzige Papstwahl auf deutschem Boden und nördlich der Alpen überhaupt fand dort statt. Im kostbar ausgestatteten Dom (Münster) wiederum, wo das Konzil tagte, sieht man noch immer jene Stelle, auf der Hus bei seiner Verurteilung gestanden haben soll. Schließlich erinnert im Westen der Stadt (Brühl) der so genannte "Hussenstein" an seine Richtstätte.
Modernität hingegen strahlt die Reformuniversität aus, auf die man in Konstanz besonders stolz ist. Die liberale und aufgeklärte Alternative zur Massenbildung entstand schon zwei Jahre vor der Studentenrevolte von 1968 und bescherte der Stadt seitdem neben der Wissenschaft auch einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Mit der Schweiz verbunden
Vor rund 500 Jahren baten die Konstanzer um Aufnahme in die Eidgenossenschaft. Aber sowohl Schweizer Bauern als auch Städter fürchteten Konkurrenz und lehnten ab. Konstanz fiel an Österreich. Auf dem Wiener Kongress 1815 waren es dann die Schweizer, die sich vergeblich um die schließlich badische Stadt bemühten.
Der Stadtkern liegt auf der eigentlich schweizerischen Seite des Rheins, und im 16. Jahrhundert wurde die Stadt von Zürich aus reformiert, aber von der Gegenreformation rekatholisiert. Das und die später hinzukommende altkatholische Kirche prägten Konstanz. Im Dreißigjährigen Krieg dann besetzten Schweden, Spanier und Franzosen die Stadt.
Im Zweiten Weltkrieg rettete die Nähe zur neutralen Schweiz Konstanz vor der Zerstörung. Anders als das verdunkelte Deutschland ließen die Konstanzer nachts ihre Lichter brennen, aus großer Höhe konnten angloamerikanische Bomberpiloten somit keinen Unterschied mehr zum beleuchteten benachbarten Kreuzlingen im Kanton Thurgau (Schweiz) ausmachen.
Von den heute noch gut nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Kreuzlingen und Konstanz können sich Besucher beim Seenachtfest überzeugen: Jedes Jahr im Sommer feiern die beiden Städte gemeinsam das bekannteste Fest am Bodensee.
Autor: Brent Hentschel
Letzte Änderung am: 05.06.2009, 15.58 Uhr







