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Ferien in den eigenen vier Wänden können richtig schön sein. Isabelle Fritzsche, Diplom-Psychologin aus Mainz, hat uns erzählt, was wichtig ist, damit man sich dabei wirklich erholt und Spaß hat. Sie selbst verbringt ihren Urlaub gerade ungeplant zuhause - und genießt ihn.
SWR.de: Sie machen gerade ungewollt Urlaub zuhause. Wie kommt das?
Isabelle Fritzsche: Wir hatten einen langen Camping-Urlaub am Meer geplant. Doch wir mussten ihn nach kurzer Zeit abbrechen, weil es dort Prozessionsspinner-Raupen gab, gegen die ich allergisch bin. Weil die giftigen Härchen auch auf unserer Ausrüstung waren, mussten wir direkt nachhause fahren. Unsere Wohnung hatten wir aber an eine Freundin vergeben, so dass wir dort nicht hin konnten. Jetzt wohnen wir im Büro, also ausgerechnet in einem typischen Arbeitsumfeld.
Wie schaffen Sie es, im Büro Urlaub zu machen?
Es ist schon eine Herausforderung, dort nicht gleich in den Arbeitsmodus zu geraten. Deshalb haben wir erst einmal die Räume umgestaltet, Verschiedenes anders hingestellt. Wir sind außerdem nicht so häufig dort, sondern entdecken die Stadt neu.
Wie geht man einen Urlaub zuhause grundsätzlich am besten an?
Zuerst sollte man sich fragen, wovon man sich eigentlich erholen möchte. Diese Frage zu beantworten, ist nicht nur für den Urlaub zuhause, sondern auch für den in der Ferne relevant. Denn manche Urlaube sind deshalb nicht erholsam, weil man im selben Modus weitermacht, wie sonst auch. Wenn Sie im Alltag einen Termin nach dem anderen haben, sollten Sie im Urlaub wahrscheinlich besser nicht von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzen.
Zweitens können Sie sich überlegen: Was ist das Gute im Schlechten? Das Schlechte ist: Ich kann jetzt nicht wegfahren. Das Gute aber ist: Der Stress des Neuen fällt weg.
Gerade für Menschen, die im Alltag einen sehr hohen Stresspegel haben und davon erschöpft sind, können die vielen neuen Eindrücke auf Reisen zusätzlichen Stress bedeuten. Hinzu kommt oft noch der Stress der sozialen Enge, weil die Urlaubsorte häufig sehr voll sind. Man hat in verschiedenen Untersuchungen festgestellt, dass Enge etwas ist, worauf unser Stressprogramm sofort reagiert. Wenn Sie sich ausgebrannt fühlen, kann es aus diesen Gründen sogar gut für Sie sein, gezielt zuhause zu bleiben.
Wenn man weiß, wovon man sich erholen möchte, wie geht es dann weiter?
Überlegen Sie sich, was Sie nicht tun würden, wenn Sie weggefahren wären. Diese Dinge sollten Sie auch zuhause möglichst vermeiden: zum Beispiel Mails checken. Wenn Sie Ihre Mails unbedingt lesen wollen, tun Sie es zumindest nicht so wie an jedem normalen Tag, also etwa gleich morgens als erstes. Grundsätzlich gilt: Tun Sie Dinge anders als sonst. Brechen Sie aus vorhandenen Mustern aus.
Lassen Sie Briefe liegen, gehen Sie nicht ans Telefon, gehen Sie nicht dieselben Wege wie sonst und nicht in dieselben Cafés. Treffen Sie sich nicht mit den üblichen Leuten. Wenn Sie sich doch mit Freunden treffen, tun Sie es an einem neuen Ort. Gestalten Sie Ihre Wohnung und Ihren Balkon um, räumen Sie Dinge, die an Arbeit erinnern, in eine dunkle Ecke. Wenn der Druck zu groß wird, die Post doch zu öffnen, setzen Sie sich ein begrenztes Zeitfenster, wie lange Sie sich maximal damit beschäftigen wollen.
Die größte Falle ist, die Urlaubszeit dafür zu nutzen, all die Dinge zu tun, die liegen geblieben sind. Denn das macht man meist im Alltagsmodus. Etwa an einem schönen Tag den dunklen Keller aufräumen. Es sei denn, Sie haben richtig Lust darauf.
Was wären denn gute Alternativen?
Fragen Sie sich, wozu Sie die Zeit nutzen wollen. Das kann auch heißen, einfach mal Zeit zu verbummeln. Wichtig ist, dass man sich bewusst dafür entscheidet, wie man die Zeit verbringt und dass man aus Routinen ausbricht.
Um ein Urlaubsgefühl zu entwickeln, können Sie sich fragen, "Was würde ich tun, wenn ich weggefahren wäre?" Wenn Sie üblicherweise im Urlaub Fotos machen, dann machen Sie jetzt daheim welche und schauen Sie sie an. Dazu können Sie in Ihrer Heimatstadt andere Wege gehen oder sich ein Museum anschauen, dass Sie noch nie besucht haben. Tragen Sie im Urlaub nie Schmuck? Oder besonders legere Kleidung? Das können Sie auch zuhause tun. Unternehmen Sie das, worauf Sie Lust haben.
Bringt ein Urlaub zuhause etwas, was ein Urlaub in der Ferne nicht unbedingt bringt?
Außer Erholung und Erlebnissen können Sie bei einem Urlaub zuhause leichter etwas finden, das Sie mit in den Alltag nehmen können. Das kann etwas materielles, wie ein schöner Ort sein, den Sie entdecken, eine Radstrecke oder eine bestimmte Unternehmung vor Ort, die sie zukünftig als Miniurlaub in Ihren Alltag einbauen.
Wenn Sie Urlaub in Ihrem normalen Umfeld machen, nehmen Sie dieses anders und dadurch intensiver war. Das intensive Erleben des Moments ist einer der wichtigsten Schlüssel zur Erholung und für die Stressprophylaxe überhaupt. Wenn Sie das im Urlaub im Ihrem normalen Lebensumfeld schaffen, können Sie es auch in Ihren Alltag übernehmen.
Die Fragen stellte Inga Räuschel
Letzte Änderung am: 06.07.2011, 16.37 Uhr