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Soziales Netzwerk Diaspora Wie Facebook - nur mit Datenschutz

Es klingt ein bisschen wie ein modernes Märchen: Vier Studenten aus New York wollen ein datenschutzfreundliches soziales Netzwerk programmieren. Um vier Monate intensiv daran arbeiten zu können, sammeln sie im vergangenen April Spenden. 10.000 Dollar sollen über die Seite kickstarter.com zusammenkommen. Das Projekt verbreitet sich im Netz, Medien wie die New York Times werden darauf aufmerksam. Am Ende kommen über 200.000 Dollar an Spenden zusammen. Auf der re:publica in Berlin haben wir mit Diaspora-Mitbegründer Maxwell Salzberg gesprochen.

"Das hat all unsere Erwartungen übertroffen", sagt Diaspora-Gründer Maxwell Salzberg. In Berlin stellte er das Projekt auf der Social-Media-Konferenz re:publica vor. Den Grund für den Erfolg sieht er zu einem großen Teil im Ärger vieler Nutzer über Facebook. Mit rund 600 Millionen Mitgliedern weltweit und etwa 18 Millionen Nutzern in Deutschland dominiert das soziale Netzwerk den Markt. Doch Facebook ist wegen des Umgangs mit den Daten seiner Mitglieder und regelmäßigen Änderungen der Privatsphäre-Einstellungen in der Kritik. Salzberg ist sich sicher: "Die Leute werden Facebook nicht wieder vertrauen."

Seit einigen Monaten ist nun eine vorläufige Testversion von Diaspora online. Wer mit dabei sein will, muss auf joindiaspora.com einen Zugangscode beantragen. Herausgekommen ist so etwas wie ein Anti-Facebook. Die Nutzer müssen ihre Daten nicht an einen Konzern abtreten, der damit zielgerichtet Werbung schalten kann. Diaspora ist ein dezentrales Netzwerk. Wer will, kann seine Daten komplett bei sich behalten und dafür einen eigenen Server einrichten. "Ich denke nicht, dass sehr viele Menschen das machen werden", sagt Salzberg. "Aber es geht darum, ihnen die Wahl zu lassen, was sie mit ihren Daten tun."

Volle Datenkontrolle

Die meisten Nutzer werden wie bei Facebook, Wer kennt wen oder meinVZ online ein Profil einrichten und ihre Daten auf Diaspora-Speicher laden. Auch hier behalten die Nutzer die Hoheit über ihre Daten und können sie jederzeit wieder aus dem Internet nehmen. Die Kontakte der Nutzer werden in verschiedene frei wählbare Kategorien wie Familie, Freunde oder Arbeitskollegen unterteilt. So lässt sich kontrollieren, wer welches Foto und welche Mitteilung sehen darf. Das eigene Profil lässt sich auch einfach wieder löschen. Facebook lässt im Gegensatz dazu die Nutzerkonten zunächst nur ruhen und behält die Daten.

"Die größte Stärke von Diaspora liegt darin, dass die Nutzer die volle Kontrolle über ihre Daten haben", findet Martin Weigert. Er beobachtet für das Blog netzwertig.com Entwicklungen in der Onlineszene. Doch er sieht auch einige Nachteile bei dem neuen sozialen Netzwerk. Gerade am Anfang sei Diaspora komplizierter und unübersichtlicher. Weigert ist skeptisch, dass Diaspora in nächster Zeit ein wirklicher Facebook-Rivale wird. Zwar werde das Thema Datenschutz viel diskutiert. Der Durchschnittsnutzer habe daran aber in der Praxis kein großes Interesse.

Die Zukunft ist noch offen

Viele der ersten Nutzer seien mittlerweile auch enttäuscht, sagt Weigert. Das sei aber unvermeidlich. Facebook habe bestimmte Funktionen zum Standard gemacht, die für die vier Entwickler von Diaspora nur schwer umzusetzen gewesen seien. Durchsetzen werde Diaspora sich wahrscheinlich erst, wenn es eine Funktion anbiete, die entweder bei Facebook bisher fehle oder schlecht umgesetzt sei. "Aber am besten irgendetwas ganz neues, bei dem die Menschen noch nicht einmal wissen, dass sie es ganz toll finden werden", so Weigert. Das werde aber keine leichte Aufgabe.

Doch Diaspora-Gründer Salzberg geht gelassen mit dem Druck um, der nun auf ihm und seinen Kollegen ruht: "Wenn Diaspora sich durchsetzt, wird es nicht so sein wie Facebook." Wie es am Ende genau aussehen wird, das weiß er selbst noch nicht. Die Macher haben den Programmier-Code des Netzwerks im Internet veröffentlicht. Software-Entwickler auf der ganzen Welt können jetzt damit arbeiten und Programme und Erweiterungen für Diaspora erarbeiten.

Um Diaspora erfolgreich zu machen, will Salzberg mit vielen kleinen Gruppen zusammenarbeiten. Vereine wie zum Beispiel ein Autoclub sollen Diaspora auf ihre Bedürfnisse anpassen und sich ihr eigenes Netzwerk im Netzwerk aufbauen können. Gleichzeitig kann er sich Kooperationen mit wenigen großen Partnern wie etwa den Internetkonzernen Google oder AOL vorstellen: "Beide waren im Bereich des sozialen Internets bisher nicht besonders erfolgreich". Bis zum Ende des Jahres soll die Entwicklung dann so weit sein, dass sich alle Internetnutzer anmelden können. Dann erst wird sich zeigen, ob aus Diaspora wirklich ein modernes Märchen wird.

Autor: Felix Hügel, Webfassung: Paul Glogowski

Letzte Änderung am: 15.04.2011, 12.20 Uhr

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