NaturgärtenEin Garten für Geduldige und Neugierige

Ein Platz, wo das Leben gedeiht und wachsen darf: so wünschen sich viele Hobbygärtner ihr grünes Reich. Wenn auch Sie in Ihrem Garten das Ausspritzen von Giften und das ständige Düngen der Pflanzen satt haben, dann ist für Sie vielleicht ein Naturgarten das Richtige.

Im Naturgarten finden Igel einen Unterschlupf. Pflanzen gedeihen am für sie passenden Standort. In Hecken nisten Vögel, und auf alten Obstbäume reifen rar gewordene Sorten. Kurz: die Natur steht im Vordergrund eines solchen Gartens.

Warum ein Naturgarten?

"Viele Menschen haben in unserer hektischen Zeit ein großes Bedürfnis nach Natur", sagt Werner Ollig, der Leiter der Gartenakademie Rheinland-Pfalz. Er besitzt selbst seit vielen Jahren einen Naturgarten: "Wenn man ein 'Insektenhotel' gebaut hat, wenn man dann sieht, wie die Schwebfliegen dort hinkommen, wie die Wespen ihre Eier ablegen, wie die Nützlinge dort leben, wenn man das mit Kindern beobachten kann: Das ist viel ansprechender als ein konventioneller Garten, der aussieht wie aus dem Prospekt."

Was macht einen Garten zum Naturgarten?

Ein Naturgärtner verzichtet auf Torf, auf künstliche Pflanzenschutzmittel und auf leicht lösliche Mineraldünger wie beispielsweise Blaukorn. Kompost dient im Naturgarten als Dünger und belebt gleichzeitig den Boden mit Mikroorganismen.

Wollen Sie Ihren Naturgarten umfassender begreifen, dann können Sie außerdem umweltfreundliche und regionale Materialien wählen. Das kann der Pfahl aus heimischem Holz statt aus Stahl oder Plastik sein oder die Verwendung von Gestein aus der Region für eine Trockenmauer statt aufwendig importierter Steine. Auch das Sammeln von Regenwasser ist vielen Naturgärtnern wichtig.

Elemente eines Naturgartens

Es kann im Naturgarten feuchte Biotope genauso geben wie trockene Ecken. Wildsträucher dürfen dort wachsen wie auch Laubbäume, Blumen und blühende Stauden. Es gibt in Teilbereichen Wiesen, und Sie können eine "wilde Ecke" einrichten und dort z. B. Holz aufschichten, in dem sich dann Nützlinge wie Igel und Mauswiesel verstecken können. Wer will, baut ein "Insektenhotel" und hängt Nistkästen auf.

Zum Naturgarten gehört ein eigener Kompost. Was im Garten und im Haushalt an organischen Abfällen entsteht, bleibt also am Standort.

Vielfalt ist wesentlich: Neben Obst gibt es in vielen Naturgärten auch Gemüse und Kräuter.

So stellen Sie Ihren Garten um

Mit der Umstellung des eigenen Gartens anzufangen, ist leicht: Lassen Sie zunächst alle synthetischen Pflanzenschutzmittel weg und verzichten Sie auf Mineraldünger. Düngen Sie stattdessen mit Kompost - drei Liter jährlich pro Quadratmeter genügen. Und dann ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Naturgärtners gefragt: Geduld. Werner Ollig sagt: "Jetzt schaut man über zwei, drei Jahre, was passiert."

Währenddessen können Sie natürlich weiter an Ihrem Naturgarten arbeiten. Legen Sie die Bereiche an, die zu Ihrem Garten passen und Ihnen zusagen. Standortgerechte und heimische Pflanzen sind im Naturgarten wichtig. Denn was am passenden Standort wächst, gedeiht besser und leidet seltener unter Krankheiten. Das Spritzen kann man sich so leicht sparen. Heimische Pflanzen brauchen keine aufwendige Pflege, weil sie mit dem Klima bei uns zurechtkommen.

Mit einem Naturgarten leben

Ein Naturgarten macht nicht weniger und nicht mehr Arbeit als ein konventioneller Garten, die Arbeit ist aber eine andere: Wer mulcht, muss weniger umgraben. Das aufwendige Düngen, Vertikutieren und Mähen des Rasens entfällt, dafür verlangt der Kompost einige Mühe.

Man hat mehr Leben im Garten, und es gibt wunderschöne Naturgärten. Aber gelegentlich muss man auch Abstriche machen, sagt Gartenexperte Ollig: "Manchmal hat eine Pflanze hie und da ein paar Flecken und sieht nicht optimal aus. Aber das schadet ihr nicht!"

Überhaupt geht ohne die Ruhe des Gärtners im Naturgarten nichts, erklärt Werner Ollig: "Wenn eine Staude Blattläuse hat, sollte man sich nicht aufregen, sondern schauen, was passiert. Irgendwann kommen die Nützlinge dann und putzen die Läuse weg."

Für wen eignet sich ein Naturgarten?

Hobbygärtner, die sich am liebsten Blühpflanzen aus dem Gartencenter kaufen und sofortige "Erfolge" schätzen, werden sich in einem Naturgarten schwer tun. Erfahrung und Geduld sind dort schlichtweg unerlässlich. Werner Ollig: "Einen Naturgarten anzulegen, das geht über fünf Jahre. Das ist interessant für Menschen, die beobachten wollen: Was tut sich? Was ändert sich, wenn ich beispielsweise den Dünger weglasse?"

Und natürlich bestehen die Kreisläufe der Natur nicht von heute auf morgen: Ein Kompost will erst angelegt werden und braucht dann noch Zeit zum Reifen; eine Wildstrauchhecke muss erst wachsen. Tiere nehmen einen Garten erst nach und nach an.

Doch wer einen Naturgarten besitzt, will oft nicht mehr anders gärtnern. Werner Ollig gerät ins Schwärmen: "In meinem Garten rannten schon die Igel über die Terrasse und haben herunter gefallene Feigen gefuttert. Das ist doch das Tollste! Gerade wenn man es mit Kindern beobachten kann. Das ist Garten, das ist Natur, das ist Leben!"

Autorin: Diane Scherzler

Letzte Änderung am: 31.08.2009, 13.49 Uhr

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