Schimmel in der WohnungSchimmelpilz liebt feuchte Räume

Hilfe, Schimmel in der Wohnung! - Falsch gelüftet!, lautet dann oft die Antwort. Der Wechsel von richtigem Lüften und Heizen hilft, Schimmelbildung zu vermeiden. Was aber heißt "richtig" und "ausreichend"? Zum besseren Verständnis ein Blick auf die Entstehungsumstände von Schimmel.

Schimmelpilz auf einer weißen Wand

Umgangssprachlich sagen wir Schimmel und meinen, biologisch präzise ausgedrückt, Schimmelpilze. Davon gibt es unzählige Arten. Schimmelpilze sind ein ganz natürlicher Teil unserer Umwelt. Sie sind immer um uns vorhanden und in der Regel harmlos.

Probleme bringt erst die Vermehrung der Pilze. Dabei entwickeln diese massenweise "Verbreitungsorgane", vereinfacht auch als "Sporen" bezeichnet. Diese Sporen sind häufig gefärbt und nur dadurch wird ein Schimmelpilz sichtbar. Damit Schimmel gedeihen kann, braucht er organische Nahrung - zum Beispiel Tapeten, Kleister oder Holz. Und Feuchtigkeit. Die spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung.

Richtig lüften ist das A und O

Eine Raumluftfeuchtigkeit von 65 bis 70 Prozent sollte dauerhaft nicht überschritten werden, gibt das Umweltbundesamt in seinem "Schimmelpilz-Leitfaden" als Mittelwert an.

Es ist jedoch die Bauphysik der Gebäude, die maßgeblich die verträgliche Feuchte in den Räumen bestimmt, erklärt Energieberater Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. "Je nach Zustand und Alter des Gebäudes, der Art der Dämmung, der Anzahl möglicher Wärmebrücken und dem Verhalten der Bewohner, kann es bei ganz unterschiedlichen Raumluftfeuchtigkeiten zu Schimmel kommen oder eben nicht."

Tiere, Pflanzen aber vor allem Menschen erhöhen ständig den Anteil an Wasserdampf in der Luft - beim Duschen, Kochen, beim Arbeiten oder Fernsehen. In einem Vier-Personen-Haushalt kommt so pro Woche durchschnittlich eine gut gefüllte Badewanne zusammen!

"Für die Bestimmung der Luftfeuchtigkeit fehlt dem Menschen das "körpereigene Messorgan", sagt Hans Weinreuter. Ein Hygrometer, das die Feuchtigkeit in der Raumluft kontrolliert, ist deshalb ein Muss in jedem Haushalt.

Die Feuchtigkeit muss raus

Die Luft kann je nach Temperatur unterschiedlich viel Wasserdampf aufnehmen. Kalte Luft ist - bei gleicher relativer Feuchte - mit weniger Wasser angereichert als warme Luft. Kalte Luft hat also "Raum", Feuchtigkeit aufzunehmen.

Genauer heißt das, beim Lüften kommt kalte Luft von draußen ins Zimmer und erwärmt sich. Sie nimmt Feuchtigkeit auf und transportiert diese über den Luftaustausch wieder nach draußen. Die Raumluftfeuchtigkeit wird "mitgenommen" und dadurch gemindert.

Wichtig ist - und hier kommt das Heizen zum Tragen -, dass sich die Temperaturen von Raum- und Außenluft unterscheiden. Nur so kann leicht viel Wasser aufgenommen werden. Im ungeheizten Schlafzimmer zum Beispiel ist es schwieriger Feuchtigkeit zu reduzieren. Das erklärt auch, warum es im Winter vielfach einfacher ist als im Sommer, die Luft zu trocknen.

Wie oft und wie lange man lüften muss, hängt also von der Menge an Feuchtigkeit in den Räumen und der Temperatur von Außen- und Raumluft ab.

Schimmel nicht automatisch Gefahr für Leib und Leben

In Räumen mit sichtbaren Schimmelpilzen fühlt man sich unwohl. Man muss aber nicht gleich in Panik geraten. Denn nicht jede Art und Ausprägung von Schimmel in der Wohnung ist automatisch eine Gefahr für die Gesundheit.

Die Wirkung auf den Einzelnen ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren, wie Anfälligkeit oder Gesamtkonstitution, ab. "Höher ist die Gefahr für Allergiker, chronisch Kranke und kleine Kinder", bestätigt Hans Weinreuter.

Schimmel in Wohnräumen ist jedoch immer ein hygienisches Problem. Er muss auf jeden Fall nachhaltig beseitigt werden. "Allein das oberflächliche Reinigen hilft in den allermeisten Fällen wenig", weiß Verbraucherberater Weinreuter und rät, sich ausführlich zu informieren, bevor man mit der Behandlung beginnt. Eine Komplettsanierung oder ein Auszug sind allerdings die allerletzten Lösungen.

Wichtig ist, die Ursache(n) zu finden. Gab es beispielsweise einen Wasserschaden oder hat der Einbau neuer Fenster das Raumklima verändert? Erst wenn klar ist, wieso die Raumluftfeuchtigkeit erhöht ist und der Schimmelpilz wächst, kann sinnvoll und dauerhaft dagegen vorgegangen werden.

Wer verstanden hat, um was es geht und woher der Schaden kommt, kann vernünftig handeln und - noch wichtiger - mit Vermietern oder dem Sanierungsspezialisten viel besser verhandeln.

Autorin: Ina L. Bernhard

Letzte Änderung am: 29.01.2010, 14.57 Uhr

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