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Herr Dietrich, im Auftrag des Marketings der SWR Orchester & Ensembles haben Sie in den letzten Monaten Kurzfilme gedreht. Was genau war Ihre Mission?
Mit den Filmen wollen wir das RSO Stuttgart einer größeren Öffentlichkeit bekannt machen und mehr jüngere Menschen ansprechen, vor allem solche, die aus verschiedenen Gründen bislang nicht ins klassische Konzert gehen. Und dazu bietet sich das Format des Kinospots an.
Sie meinen diese Werbefilme, die vor dem eigentlichen Hauptfilm laufen?
Genau. In diesen kurzen, 30-Sekunden-Filmen geht es in erster Linie darum, Aufmerksamkeit zu erregen. Sie müssen auffallen, witzig und überraschend sein, damit sie sich zwischen den anderen Spots behaupten können. Für mich als Filmemacher ist das eine besondere Herausforderung, schließlich muss man in kürzester Zeit eine Geschichte erzählen, die sich möglichst jedem Zuschauer erschließt. Es gibt keine Zeit für eine Einleitung oder erklärende Worte, es darf aber auch nicht so plakativ sein, dass man schon nach vier Sekunden das Ende der Geschichte erahnt. Nur wenn zwischendurch ein paar Fragezeichen auftauchen, bleibt ein Kinospot in Erinnerung. Und dann kann man hoffen, dass der Zuschauer neugierig geworden ist und sich weiter informiert.
Wird dieses Format einem hochqualifizierten Orchester gerecht?
Der Anspruch des RSO und die Strategie des Senders wurden in der Konzeption der Spots natürlich von Anfang an berücksichtigt. Allen Beteiligten war aber auch klar, dass es nicht ausreicht, Konzertausschnitte zu zeigen. Letztendlich habe ich versucht, innerhalb des Rahmens möglichst frech und auffällig zu sein. Das gilt vor allem für den ersten Spot, die Boxszene.
Dazu sind Sie in den Boxring gestiegen...?
Die Kampagne "Ring frei für RSO CLASSIX" war für die afterWork-Konzerte des RSO in der Saison 2010/11 bereits festgelegt. In meiner Vorstellung entstand aus der Kombination zweier so unterschiedlicher Themen wie "Klassik" und "Boxen" die Geschichte eines Boxers, der auf klassische Musik trainiert. Das hat Witz, das überrascht und die Musik wird trotzdem ernst genommen. Man sieht einen 100-Kilo Mann intensiv und hart "arbeiten" bis er sich schließlich sein "afterWork-Konzert" verdient hat.
Im zweiten Kinospot "Vielfalt im Einklang" stehen die Musiker im Mittelpunkt...
Da sind wir ganz anders vorgegangen. Unsere Grundidee war, die musikalische Vielfalt des RSO durch die Vielfalt der Nationalitäten innerhalb des Orchesters abzubilden. Und wir wollten in 30 Sekunden nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern fünf – nämlich fünf Musiker porträtieren. Mir war es wichtig, niemanden in ein Korsett zu zwängen. Deshalb ließen wir die Musiker ihre Geschichten selber erzählen. Sie haben uns z.B. in ihre Küchen und Werkstätten geführt, einen persönlichen Blick in ihren Alltag zugelassen und dabei sind sehr schöne Bilder entstanden. Unser Anspruch im SWR, Programm von Menschen für Menschen zu machen, ist für mich hier voll aufgegangen.
Und wer ist der Protagonist des dritten Spots?
Das ist Stéphane Denève, der künftige Chefdirigent des RSO. Ihn hatten wir nur an einem Tag für zwei Stunden zur Verfügung. Weil an diesem Tag aber auch Fotos von ihm gemacht werden sollten, kam es zur Idee, ihn wahrend dieses Shootings filmisch zu begleiten. Er ist ein offener und sympathischer Mensch und ich denke, das konnten wir in diesem Spot einfangen.
Die Fragen stellte Sabine Berlin
Letzte Änderung am: 30.06.2011, 11.43 Uhr