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Ausgezeichnet mit dem Diapason d'or 12/2008.
für zwei Altstimmen, Flöte, Klarinette, Tuba, Viola, Violoncello, Kontrabass und Live-Elektronik. Textzusammenstellung von Massimo Cacciari.
Noa Frenkel / Susanne Otto, Alt • Roberto Fabbriciani, Flöte • Ernesto Molinari, Klarinette • Klaus Burger, Tuba • Susan Knight, Viola • Christine Theus, Violoncello • Ulrich Schneider, Kontrabass
EXPERIMENTALSTUDIO des SWR: Michael Acker / Reinhold Braig / Joachim Haas, Klangregie
André Richard, Dirigent und Künstlerischer Leiter
Aufnahme: Januar 2007, Hans-Rosbaud-Studio, SWR Baden-Baden
Aufnahmeart: Stereo & multichannel (Hybrid)

André Richard
"Ich habe gefühlt und fühle, unvorhergesehene und unvorhersehbare Musik für die Carnevali machen zu müssen. Mich persönlich interessiert [...] nicht nur das Graue, nicht nur die angefertigten Brüche, sondern das SCHÖNE NEUE DAS EXPLODIERT – TRAGISCH – AUCH GEWALTSAM – ABER STREBEND NACH DEM SANFTESTEN NEUEN" schreibt Luigi Nono an den befreundeten Maler Emilio Vedova im März 1983 aus dem Schwarzwald. Denn zu jener Zeit befindet sich der Komponist in einer Arbeitsphase im Freiburger Experimentalstudio der Heinrich-Strobel-Stiftung, wo er zusammen mit dem Leiter Hans-Peter Haller neue Möglichkeiten der klanglichen Zeit- und Raumgestaltung erforscht und sich Studien zur Live-Elektronik widmet. [...]
Auch der Philosoph Massimo Cacciari ist inspiriert von Vedovas maskenhaften Bildern und Skulpturen. Seit den frühen 80er Jahren begleitet Cacciari als Freund und Autor Nonos Schaffen und liefert auch für Guai ai gelidi mostri die Textgrundlage. In freier Assoziation reiht der Philosoph Zitatfragmente aneinander. Das Lesen des mehrsprachig gehaltenen Texts wird gleichsam zu einer Wanderung durch mythologisch-philosophisches Gebiet.[...]
Guai ai gelidi mostri ist ein Werk der Extreme, in dem Nonos Bedürfnis, definierte Klangorte und -gesten zu vermeiden, konkret wird. [...] Oftmals fächert sich der im tiefen Register gehaltene Sängerpart chorisch auf indem Nono größere Intervalle wie alternierte Quarten oder Quinten live-elektronisch beimischt. Urplötzlich sprengen Bläserakkorde mehrmals das unruhige Klangkontinuum. Mikrointervallisch mit dem Publison nach oben transponiert und über eine Feedbackschleife aufgestaut, liegen ihre Attacken an der Grenze des noch akustisch Erträglichen. Diese Angriffe auf den Hörer können in Bezug zum Text politisch verstanden werden. Doch wenn Nono sie später in seiner "Hörtragödie" Prometeo integriert, werden sie vielmehr zum radikalisierten Zeichen seines ästhetischen Programms: mit maximaler Irritation das Bewusstsein für "das Andere" zu öffnen und den Wirklichkeits- um einen Möglichkeitssinn zu erweitern.
[Aus dem Begleittext von Birgit Johanna Wertenson]
Letzte Änderung am: 05.08.2011, 14.58 Uhr
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