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Mitschnitt der Uraufführung erstmals veröffentlicht
Politische und befreiungstheologische Visionen tragen Klaus Hubers großes Oratorium, das 1983 bei den Donaueschinger Musiktagen unter Mitwirkung des SWR Vokalensembles uraufgeführt wurde. Der daraus entstandene aber erst jüngst erschienene Mittschnitt wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik 4/2009 ausgezeichnet.
In Klaus Hubers umfangreichem Werk gibt es mehrfach Knotenpunkte, in denen eine längere Schaffensphase zum Abschluss kommt und eine neue sich ankündigt. Markiert werden sie jeweils durch ein großes, vokal-instrumentales Werk. Solche Marksteine waren Anfang der 1960er Jahre das Augustinus-Oratorium Soliloquia und 2001 das Bühnenwerk Schwarzerde. Und genau dazwischen, um 1980, entstand das politische Oratorium Erniedrigt – Geknechtet – Verlassen – Verachtet…
In diesem Werk brachte Huber seine langjährigen Bestrebungen um eine neue Art von politisch engagierter Musik zu einem vorläufigen Höhepunkt und Abschluss. Seine Textvorlagen sind realistische Aufzeichnungen aus Arbeitswelt, Slum und Gefängnis, ergänzt durch Auszüge aus den Schriften des nicaraguanischen Priesters und Politikers Ernesto Cardenal, einem der damaligen Wortführer der lateinamerikanischen "Theologie der Befreiung". Cardenals Texte bilden den gedanklichen Mittelpunkt des Werks.
Religiöse und politische Ideen verbinden sich in diesem Oratorium zur künstlerischen Vision einer Menschheit, die sich selbst aus ihren Fesseln befreit und das Schicksal in die eigene Hand nimmt; Mitleid mit den Unterdrückten, Aufruf zum politischen Widerstand und Transzendenzversprechen gehen eine unverwechselbare Mischung ein – eine christlich-sozialistische Utopie ganz im Sinne von Cardenal und seinen Glaubensgenossen. In Hubers Werk wird diese Botschaft aber nicht einfach als verbaler Appell formuliert, sondern sie durchdringt die Musik bis in ihre innerste Faser. Bedeutungsgehalt und Lautgestalt der Texte werden in charakteristische Strukturen transformiert und bringen so die Musik selbst zum Sprechen. Sie wird zum weithin hallenden Resonanzraum der revolutionär-eschatologischen Botschaft. (Von Max Nyffeler, aus dem CD-Booklet)
| 01 | Vorspruch | 3:42 |
| 02 | I Um der Unterdrückten willen | 10:20 |
| 03 | II Armut, Hunger, Hunger... | 12:49 |
| 04 | III Gefangen, gefoltert... | 8:30 |
| 05 | IV Steht alle auf, auch die Toten! | 11:13 |
| 06 | V Senfkorn | 7:26 |
| 07 | VI Tagesanbruch | 6:08 |
| 08 | VII Das Volk stirbt nie | 7:37 |
Anne Haenen, Mezzosopran
Theophil Maier, Tenor und Sprecher
Paul Yoder, Bassbariton
Schola Cantorum Stuttgart (Clytus Gottwald, Einstudierung)
SWR Vokalensemble Stuttgart (Helmut Franz, Einstudierung)
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
EXPERIMENTALSTUDIO des SWR (Hans-Peter Haller, Rudolf Strauss, Arthur Kempter)
Kenneth Jean, Burkhard Rempe, Arturo Tamayo (Ko-Dirigenten)
Matthias Bamert, Leitung
Letzte Änderung am: 25.11.2009, 15.57 Uhr