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Das Werk mit dem Titel "Wehe den kalten Ungeheuern" beruht auf einer Textcollage von Massimo Cacciari. Verse von Lukrez, Ezza Pound, Friedrich Nietzsche, Franz Rosenzweig und Gottfried Benn sind zu einem vierteiligen Ganzen zusammengefügt, in dessen Mitte das "il più freddo di tutti i gelidi mostri" ("das kälteste aller Ungeheuer") steht: "Stato si chiama", das Idol "Essere-stato". Gegen dieses "Essere-stato" ("Staat sein" und "gewesen sein") wird Einspruch erhoben im Namen des "Offenen": "Suona profondo l'Aperto" heißt es mit Gottfried Benns Worten. Der "canto persuaso", der überzeugende Gesang, ist es, der zu einer "neuen Zeit" führt, einer Zeit ohne Angst. Den vier Teilen der Textcollage sind vier Bilder von Nonos venezianischem Maler-Freund Emilio Vedova, aus einem Zyklus über den Karneval von Venedig zugeordnet.
Das Klangkontinuum des Werks wird durch drei Gruppen gebildet: Die Basis bildet ein tiefes Streichtrio, das – stets an der Grenze der Hörbarkeit – ein sich langsam, aber stetig veränderndes Klangbild spielt. Die sechs Blasinstrumente wechseln dagegen sowohl ständig in ihrer Zusammensetzung, ihrer Instrumentalkombination und in den daher jeweils ganz verschiedenen Klängen als auch in deren Transformierung durch die Live-Elektronik. Die dritte Gruppe schließlich, die beiden Altstimmen in durchwegs tiefster Lage, erscheint nicht als, sondern ist in die Instrumentalklänge integriert. Sie scheint sich nur kurzfristig mit Textfragmenten aus dem Instrumentalklang zurückzuziehen.
Am 10. Juni 1983 erklang in Florenz erstmals ein Omaggio a Kurtág von Luigi Nono für Altstimme, Flöte, Klarinette, Tuba und Live-Elektronik – doch dieses Werk war eigentlich kein solches, sondern vielmehr eine Art "geregelter Improvisation" auf der Basis von Erfahrungen, die der Komponist und seine vier Ausführenden bei Klanganalysen im Freiburger Studio gemacht hatten. Eine auskomponierte Fassung dieser "Widmung" entstand erst 1986.
Nonos Omaggio ist eine Art Antwort an den bedeutenden ungarischen Komponisten György Kurtág, dessen Namenssilben den "Text" sowohl der "Improvisation" von 1983 wie der aus ihr erwachsenen Komposition von 1986 bilden. Eine Antwort, denn Kurtág hatte im Sommer 1979 sein "Omaggio a Luigi Nono per coro a cappella" op. 16 geschrieben. Ausgangspunkt für Nonos Werk war die Erfahrung im Studio bei Klanganalysen, dass ganz leise Töne der drei Instrumentalisten und der Sängerin in bestimmten Lagen kaum mehr Obertonspektren aufweisen und deshalb der charakteristische Klang der einzelnen Instrumente nicht mehr zu erkennen ist.
"Guai ai gelidi mostri" (1983)
für Flöte, Klarinette, Tuba, zwei Altstimmen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Live-Elektronik
Nach vier Assemblages von Emilio Vedova
Nach Texten von Gottfried Benn, Lukrez, Carlo Michelstaedter, Friedrich Nietzsche, Ovid, Ezra Pound, Rainer Maria Rilke und Franz Rosenzweig
"Omaggio a György Kurtág" (1983, 1986)
für Altstimme, Flöte, Klarinette, Bass-Tuba und Live-Elektronik
Letzte Änderung am: 11.02.2009, 16.26 Uhr