Zahncremes im Test

Ohne Fluorid ist Zahnpasta nur mangelhaft

Sabine Gronau; Onlinefassung: Stephan Braig

Früher glaubten die Menschen, es gäbe Zahnwürmer, die die Zähne von innen auffressen. Heute wissen wir: Gegen Löcher in den Zähnen hilft nur zweimal täglich Zähneputzen – natürlich mit Zahnpasta. Die Stiftung Warentest hat nun zwanzig Zahncremes unter die Lupe genommen.

Fünfmal sehr gut, zwölfmal gut und dreimal mangelhaft – so lautet das Ergebnis der Stiftung Warentest. Besonders wichtig war den Testern, ob in der Zahnpasta genügend Fluorid ist, denn nur das hilft gegen die gefürchtete Karies. Drei Zahncremes verzichten ganz auf Fluorid, bieten also nur mangelhaften Schutz vor Karies. Darum gab es das Gesamturteil "mangelhaft" für die Marken "Ajona", "Lavera Neutral" und "Sante Dental med".

Eine Handvoll strahlender Sieger

Insgesamt fünf Zahncremes schnitten beim Test mit einem "sehr gut" ab: "Lidl Dentalux", "Colgate Total", "Elmex", "Meridol" und "Rossmann Perlodent". Interessant sind dabei vor allem die Preisunterschiede: Eine Jahresration der günstigen Zahnpasta von Lidl oder Rossmann kostet rund 2,40 Euro. Für den Preis bekommt man nicht einmal eine Tube "Elmex" oder "Meriodol".

Strahlende Zähne dank radioaktiver Strahlung? Urin gegen Karies und Zahncreme als zuverlässiges Anti-Pickel-Mittel? Fakten zur Zahnpasta...

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Apropos Zahnpasta: Wissenswertes zur Mundpflege

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Wie viel Zahnpasta benötigt man zum Putzen? In der Werbung pressen lächelnde Menschen voller Vorfreude einen langen Streifen Zahnpasta auf ihre Bürsten. Doch so viel ist eigentlich gar nicht nötig: Die Menge einer großen Erbse reicht bereits vollkommen aus.

Wie viel Zahnpasta benötigt man zum Putzen? In der Werbung pressen lächelnde Menschen voller Vorfreude einen langen Streifen Zahnpasta auf ihre Bürsten. Doch so viel ist eigentlich gar nicht nötig: Die Menge einer großen Erbse reicht bereits vollkommen aus.

Wie viel putzen die Deutschen? Die Deutschen putzen ihre Zähne offenbar immer häufiger und gründlicher, zumindest stieg der Pro-Kopf-Verbrauch an Zahnpasta, Zahnbürsten und Zahnseide in den vergangenen Jahren leicht an. Laut Statistischem Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer wurden 2009 im Schnitt 5,4 Tuben Zahnpasta auf durchschnittlich 2,6 Zahnbürsten gedrückt. 2005 waren es noch 4,9 Tuben auf 2,3 Bürsten.

Hilft Zahnpasta wirklich gegen Pickel? Ein Tupfer Zahncreme und die Pickel verschwinden über Nacht – das funktioniert eher nicht. Zwar enthalten einige Pasten entzündungshemmendes Zink, gleichzeitig aber auch viele Stoffe, die die Entzündung erst so richtig anheizen können - zum Beispiel Fluor oder Menthol.

Ist Cola in Kombination mit Zähneputzen besonders schädlich? Ja, das stimmt. Wer säurehaltige Getränke wie Cola - aber auch verschiedene Fruchtsäfte - getrunken hat, sollte mindestens eine halbe Stunde mit dem Putzen der Zähne warten. Die Säure in den Getränken raut den Zahnschmelz kurzzeitig an, so dass er durch die Zahnbürste regelrecht abschmirgelt werden könnte. Keine Probleme gibt es dagegen bei Tee, Kaffee oder Bier.

Putzten sich unsere Vorfahren auch die Zähne? Schädelfunde belegen, dass die hygienischen Zustände unserer Vorfahren verheerend gewesen sein müssen: Kieferentzündungen, Abszesse und eitrige Entzündungen am Zahnhals waren stark verbreitet. Zumindest gegen die Schmerzen halfen sich die Urzeitmenschen mit Kräutern und Pflanzen, die die Entzündungen im Mund linderten, beispielsweise mit Spitzwegerich und Blutwurz...

...Vorläufer der Zahnpasta waren die Zahnpulver, die die Menschen zum Abreiben des Zahnbelags verwendeten. Diese Pulver bestanden aus allem möglichen, beispielsweise aus der Asche verbrannter Knochen, Horn oder Muschelschalen. Auch zerriebenes Salz wurde gerne verwendet. Die Römer sollen dagegen Urin für ihre Zahnhygiene genutzt haben.
Die erste Zahnpasta, in der Form wie wir sie heute kennen, entwickelte Washington Sheffield im 1850. Jedoch hatte er das Problem, dass die Paste immer recht schnell eintrocknete. Erst um 1980 kam dann auch die Zahnpasta-Tube auf den Markt.

Strahlende Zähne um jeden Preis? Bis 1945 gab es die Zahncreme "Doramad" zu kaufen. Die Berliner Hersteller versprachen den Kunden strahlend weiße und gesunde Zähne dank radioaktiver Strahlung - die Gefahren durch die Strahlung waren damals noch kaum bekannt. So war auf der Packung der Wunderpaste zu lesen: "Durch ihre radioaktive Strahlung steigert sie die Abwehrkräfte von Zahn und Zahnfleisch. Die Zellen werden mit neuer Lebensenergie geladen, die Bakterien in ihrer zerstörenden Wirksamkeit gehemmt."

Wo rohe Kräfte sinnlos walten

Die Wahl der richtigen Zahnpasta ist das eine – das andere ist die richtige Putztechnik. Laut Testredakteurin Heike Diekmann-Gerke ist das auch eine Frage der Kraft: "Man muss darauf achten, dass die Kraft die man ausübt nicht zu stark ist. Man soll nicht auf den Zähnen herum schrubben. Und auch nicht zu stark aufdrücken, das ist glaub ich auch häufig ein Problem von Männern." Die Folge: Wer mit allzu viel Schmackes zur Sache geht, beschädigt Zahnschmelz und Zahnbein. Wer den richtigen Druck üben will, presst mal die Zahnbürste auf eine Küchenwaage – zeigt diese 150 Gramm, ist der Druck ideal.

Stand: 19.02.2013, 10.55 Uhr

Eine ausgedrückte Zahnpastatube

Marktcheck

Immer bleibt ein Rest in der Tube

Wir geben jährlich fast 13 Milliarden Euro für Körperpflegeprodukte aus. Doch viel von dem Geld wandert in den Müll. Denn selten bekommt man den gesamten Inhalt aus Tuben oder Spendern auch tatsächlich heraus - teilweise bleiben über 25 Prozent des Inhalts in der Verpackung.

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