Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Hintergrund  Was bringen Umweltzonen wirklich?

In Mainz und Wiesbaden ist die erste länderübergreifende Umweltzone eingeführt worden, da die geltenden Grenzwerte hier regelmäßig überschritten werden. Politiker preisen die Umweltzone als wirksamen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität - aber was leisten solche Umweltzonen wirklich?

Umweltzone in Frankfurt

Umweltzone klingt gut - aber ist die Luft darin sauberer?

Wunder darf man sich besonders von neuen Umweltzonen keine erhoffen. Gutachten sagen voraus, dass mit einer Umweltzone die lokale Belastung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid gerade einmal um rund dreieinhalb Prozent gesenkt werden kann - das ist nicht die Welt. Der Grund für diese nur geringe Minderung: Auf deutschen Straßen hat sich in den letzten Jahren bereits einiges getan.

Kaum mehr Autos ohne grüne Plakette

Viele Autofahrer haben ihren Diesel längst mit einem Partikelfilter nachgerüstet. Die Abwrackprämie aus dem Jahr 2009 hat zudem dafür gesorgt, dass viele alte Dreckschleudern verschrottet wurden. Das Ergebnis: Laut Umweltbundesamt erhalten derzeit neun von zehn Pkw eine grüne Plakette. Wenn also eine Umweltzone neu eingeführt wird, dann müssen nur wenige Autos draußen bleiben. Der zusätzliche Nutzen für die Umwelt ist demnach deutlich geringer als noch vor ein paar Jahren, als die ersten Umweltzonen eingerichtet wurden.

Feinstaub auch aus Russland und der Sahara

Der Feinstaub in der Luft stammt nicht nur aus dem Straßenverkehr, sondern auch aus vielen anderen Quellen, wie etwa offenen Kaminen und Holzöfen, aus der Industrie oder der Landwirtschaft. Hinzu kommt, dass Feinstaub nicht an Staatsgrenzen halt macht. Wenn in Island ein Vulkan ausbricht, in Russland Wälder brennen oder in der Sahara Sandstürme toben, dann kann der Wind diesen Feinstaub auch nach Deutschland transportieren. Die Feinstaubbelastung vor Ort hängt auch stark vom Wetter ab: An trockenen kalten Wintertagen, wenn auch noch viele Leute mit Holz heizen, werden die Feinstaub-Grenzwerte schnell mal gerissen – Umweltzone hin oder her.

Wie können Luftschadstoffe weiter reduziert werden?

Deswegen sind Umweltzonen noch lange nicht nutzlos. Doch wenn die Luftqualität in den deutschen Städten weiter steigen soll, dann sollten die Regeln für die Umweltzonen und die Bedingungen für grüne Plaketten langfristig strenger werden. Partikelfilter könnten zudem für Baumaschinen, Dieselloks und Binnenschiffe vorgeschrieben werden. Gut für die Umwelt wäre es auch, wenn mehr Autofahrer auf öffentliche Nahverkehrsmittel und aufs Fahrrad umsteigen würden. Auch bei den Heizungen müsste etwas getan werden: Dem Umweltbundesamt zufolge wird durch Holz- und Kohleöfen fast genauso viel Feinstaub freigesetzt wie durch den Straßenverkehr.

Stefanie Peyk; Onlinefassung: Stephan Braig

Letzte Änderung am: 30.01.2013, 12.42 Uhr