Illegaler Holzhandel

Raubbau im Gitarrengriff aufspüren

Alice Thiel-Sonnen; Onlinefassung: Stephan Braig

Seit 3. März 2013 darf EU-weit kein illegal geschlagenes Holz mehr gehandelt werden. Wenn aber bei behördlichen Kontrollen Zweifel bestehen, dass die neue EU-Holzhandelsverordnung auch eingehalten wurde, dann wird das Hamburger Thünen-Institut hinzugezogen: Mit ausgeklügelten Methoden (siehe Bildergalerie) können die Wissenschaftler ein Stück Holz sogar bis zu seinem Ursprungswald zurückverfolgen.

Im Prüfraum der Holzforschung des Thünen-Instituts in Hamburg liegen einige recht alltägliche Gegenstände herum. Sie alle stehen unter Verdacht, Teile von geschützten Baumarten zu enthalten, erzählt Holzwirt Gerald Koch. Er greift zu einer Gitarre: "Bei der Gitarre hier geht es darum, insbesondere die Griffbretter zu untersuchen, weil dafür zum Teil geschützte Holzarten verarbeitet werden. Solches Holz kann auch für dieses Paddel hier verwendet worden sein. Selbst Pinselstile oder diese kleinen "Tees", auf denen Golfbälle abgeschlagen werden, mussten wir in den letzten Jahren regelmäßig untersuchen."

Mehr Kontrollen aufgrund der neuen EU-Regelung

Gerald Koch und seine Kollegen vom Hamburger Thünen-Institut können mit einer kleinen Holzprobe aus dem Gitarren-Griffbrett sagen, welches Holz hier verarbeitet wurde und wo es herkommt. Vermutlich wird das Holzforschungsinstitut künftig noch mehr Arbeit bekommen, denn seit März gilt die neue EU-Holzhandelsverordnung. Sie besagt, dass in der EU kein illegal geschlagenes Holz mehr vermarktet werden darf.

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Die Arbeit der Holzdetektive am Thünen-Institut

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Alltag am Thünen-Institut in Hamburg: Dr. Gerald Koch, Fachmann für Holzartenbestimmung, untersucht eine eingesandte Ukulele auf die verwendeten Holzarten. Insbesondere für die Griffbretter der Instrumente werden regelmäßig geschützte Arten verarbeitet.

Alltag am Thünen-Institut in Hamburg: Dr. Gerald Koch, Fachmann für Holzartenbestimmung, untersucht eine eingesandte Ukulele auf die verwendeten Holzarten. Insbesondere für die Griffbretter der Instrumente werden regelmäßig geschützte Arten verarbeitet.

Um die verwendete Holzart vergleichend zu ermitteln, können die Wissenschaftler in der Holzsammlung des Instituts auf mehr als 35.000 belegte Holzmuster von 12.000 Arten zurückgreifen.

Mit einem Messer wird dann ein Stück des zu prüfenden Holzes frisch angeschnitten, um die Fasern und Gefäße genauer zu untersuchen.

Anschließend wird das Holz für die elektronenmikroskopische Untersuchung präpariert.

Der mikroskopische Längsschnitt der Holzprobe wird am Bildschirm genau untersucht.

Eine alternative Methode ist die genetische Analyse von Hölzern: Jeder Baum lässt sich an seiner DNA erkennen. Damit lässt sich im Idealfall im Hundert-Kilometer-Radius benennen, wo das geprüfte Holz aufgewachsen ist.

Egal ob Tropenholz aus Surinam (Bild) oder aus einem anderen Wald dieser Welt: "Wo wir nur auf die Gattung bestimmen müssen, haben wir bis jetzt jede Holzart rausbekommen", sagt Gerald Koch vom Hamburger Thünen-Institut.

Holzhändler müssen nun zusätzliche Nachweise vorlegen, erläutert Ulrich Bick, beim Thünen-Institut zuständig für Weltforstwirtschaft: "Die erste Frage, die der Händler beantworten muss, ist die: Welches Holz ist es und wo kommt es her? Können diese Fragen aber nicht beantwortet werden, oder stellt sich heraus, dass sowohl die Holzart als auch die Herkunft ein gewisses Risiko bergen, dass es illegal sein könnte, dann muss dieses Risiko quantifiziert werden."

Noch bessere Kontrollen dank Gen-Datenbank

Dann muss genauer nachgeforscht werden, ob die Herkunft auf dem Papier auch wirklich korrekt ist. Das neue Kompetenzzentrum Holzherkünfte in Hamburg kann hier helfen. Holzforscher Gerald Koch ist jetzt schon Herr über Holzmuster von

Holzumschlagsplatz

Holzumschlag in Wismar

12.000 Baumarten. Zusätzlich ist eine Gen-Datenbank im Aufbau, mit der man das Holz bis in einen Hundert-Kilometer-Radius um seinen Ursprungswald zurückverfolgen kann.

Fünf Prozent aus illegalen Quellen

Deutschland importiert rund 120 Millionen Kubikmeter Holz im Jahr. Davon stammen bislang noch an die fünf Prozent aus illegalen Quellen – von gefährdeten oder geschützten Baumarten oder aus Naturschutzgebieten. Mit der neuen Verordnung könnte dieser Missstand eingeschränkt werden

Die neue EU-Verordnung untersagt das Handeln mit Holz aus illegalem Holzeinschlag auf dem europäischen Markt. Die Verordnung gilt sowohl für importiertes als auch für in der EU erzeugte Holz und die daraus hergestellten Holzprodukte wie Papier, Stifte oder Möbel. Illegaler Holzeinschlag liegt vor, wenn gegen die Rechtsvorschriften des Landes verstoßen wird, in denen das Holz gewonnen wird. [zum kompletten Gesetzestext]

Stand: 15.03.2013, 18.08 Uhr