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Aus der Sendung natürlich!

Sendung am 20.11.2012  Faire Grabsteine

Kampf gegen Kinderarbeit

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Faire Grabsteine

Kampf gegen Kinderarbeit

Im Grünen,  23.12.2012 | 7:11 min

Jeder fünfte Grabstein auf deutschen Friedhöfen ist nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes ein Billigimport aus Indien. Das allein wäre noch nicht so schlimm, wenn man nicht wüsste, dass viele von ihnen von Kindern bearbeitet wurden.

Schon vor über zehn Jahren dokumentierte ein Fernsehteam diese Missstände in indischen Steinbrüchen. Kinder, die Steine schlagen, mit Presslufthämmern und Blöcke aus dem Felsen hauen. Ohne Mundschutz und bis zu zwölf Stunden täglich. Eine Schule bekommen sie nie zu sehen. Zwar ist Kinderarbeit auch nach indischem Gesetz verboten, doch die illegalen Steinbrüche liegen abgelegen und werden bewacht, so dass unerwünschte Zuschauer keinen Zutritt haben. Trotzdem gehört Indien zu den größten Produzenten von jährlich mehreren Millionen Tonnen Naturstein. Von Pflastersteinen über Fliesen bis hin zu Grabsteinen. Über ein Drittel landet davon jedes Jahr in Deutschland. Denn die Steine sind fast um die Hälfte günstiger und deswegen sehr gefragt.

Ein Grund warum viele deutsche Steinmetze mittlerweile reine Händler geworden sind, die nur noch Importware aus dem Katalog anbieten. Und bei schon fertig gesägt und polierten Produkten muss meistens nur noch die Inschrift eingearbeitet werden. Doch das wissen nur die Wenigsten!

Das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk RLP ELAN kämpft schon lange dafür, dass ausbeuterische Kinderarbeit verbannt wird. Und auch immer mehr Steinmetze distanzieren sich von den Massenimporten, die mit Kinderarbeit hergestellt werden. So wie Henning Wirtz aus Trier. Er gehört der Arbeitsgemeinschaft „Alternativer Abschied“ an und stellt mit regionalen Steinen und handwerklichem Geschick individuelle Grabsteine ab etwa 900 Euro her.

Mit Siegeln versuchen Importeure und Organisationen ausbeuterische Kinderarbeit auszuschließen. Allerdings sind die meist freiwilligen Selbstkontrollen teilweise sehr fraglich. Ein allgemein anerkanntes Siegel für Grabsteine gibt es somit zurzeit nicht.

Bei Internetangeboten für 199 Euro ist die Wahrscheinlichkeit aber groß, dass der Grabstein aus Kinderarbeit stammt. Oft kann man indische Steine auch am Aussehen erkennen. Der Bekannteste ist der schwarz-rote Himalaya.

Mit Hilfe der Justiz versuchen immer mehr politische Initiativen und Organisationen Importsteine aus Kinderhand per Friedhofssatzung zu verbieten. Doch dafür müssen auch bei uns in Rheinland-Pfalz erst die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Das ist für 2013 geplant.

Abgesehen davon gibt es noch einen ganz anderen Grund gegen die Importe zu sein.

Denn welchen Sinn macht es, wenn riesige Containerschiffe Hunderttausende Tonnen schwerer Steine um die Welt karren und dadurch unsere Meere und Atmosphäre mit schädlichen Treibhausgasen und Schwerölen vergiften? Alles andere als umweltfreundlich!

Benjamin Pütter, der Kinderarbeitsexperte vom Hilfswerk Misereor berichtet, dass er die Steinbrüche in Indien nicht mehr kontrollieren kann, weil es für ihn zu gefährlich geworden ist. Er habe sogar Morddrohungen erhalten. Für ihn gibt es nur ein Siegel, nämlich Zertifix, das unabhängig beurteilt, ob Produkte ohne Kinderarbeit entstanden sind. Allerdings hat es seine Arbeit bei Grabsteinen derzeit eingestellt, weil auch ihren Kontrolleuren der Zutritt zu den Steinbrüchen verweigert wurde. Außerdem fordert er, dass die deutsche Politik mehr gegen Produkte aus Kinderarbeit unternimmt. Bis dahin rät er, Grabsteine aus der Region zu wählen.

Das hat einen weiteren positiven Effekt: Es schont die Umwelt in Indien. Bei uns werden Steinbrüche streng kontrolliert, damit keine erheblichen Umweltschäden entstehen. In Indien gleichen manche Landstriche einer Mondlandschaft, weil Umweltgesetze nicht beachtet werden, berichtet Benjamin Pütter.

Weiterführende Informationen:
ELAN e.V.
Barbara Mittler
Frauenlobstr. 15–19
55118 Mainz
Tel.: 06131-97208-67
Fax: 06131-97208-69
info@elan-rlp.de
http://www.elan-rlp.de/


Quelle: Odysso

Letzte Änderung am: 20.11.2012, 14.59 Uhr