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SENDETERMIN Do, 7.5.2009 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Der falsche Monet

Seit Kunst einen Preis und einen Marktwert hat, gibt es auch Kunst-Fälschungen. Insgesamt gehen Experten davon aus, dass fast die Hälfte aller Werke auf dem Kunstmarkt Fälschungen sind. Kein Wunder also, dass auch Museen vor Fälschungen nicht sicher sind. Das musste auch das Wallraf-Richartz-Museum in Köln erfahren.

Das Museum besitzt eine der größten Gemäldesammlungen impressionistischer Kunst in Deutschland. Darunter befindet sich auch ein ganz besonderes Bild: das „Seinefuer bei Port-Villez“. Im renommierten Wildenstein-Verzeichnis wird das Gemälde dem Künstler Claude Monet zugeordnet. Das Kunstwerk kam 1954 als Schenkung in den Besitz des Museums. Experten schätzten den Wert des Ölgemäldes zuletzt auf ein bis zwei Millionen Euro.

Studie über Maltechnik

Mann blickt durch ein Mikroskop, unter dem ein Gemälde liegt.

Kunstexperte John Hous untersucht den Farbauftrag des Monet-Gemäldes.

Der Kunstexperte John House meldet erstmals Zweifel an der Echtheit des Kölner Monet an. House stellt einige stilistische Ungereimtheiten fest. Ihm kommt es merkwürdig vor, wie die Farbe aufgetragen wurden und wie das Bild koloriert ist.

Die Restauratorinnen des Wallraf-Richartz-Museums wollen dem Gemälde deshalb auf den Grund gehen: in Zusammenarbeit mit dem „Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft“ der Fachhochschule Köln. Das gemeinsame Forschungsprojekt trägt den Titel „Maltechnik des Impressionismus und Postimpressionismus“. Die Experten analysieren 75 Gemälde der Kölner Sammlung, darunter auch das Monet-Gemälde.

Leinwandrahmen auf alt getrimmt

Bereits die Maße des Bildes sind ungewöhnlich. Das Format 67 x 83 Zentimeter war in Frankreich damals kein Standard. Der Rahmen liefert einen ersten wichtigen Hinweis. Er wurde mit einer bräunlichen Lasur gefärbt, ebenso die Ränder der Leinwand. Ein typischer Fälschertrick, mit dem Materialien auf alt getrimmt werden.

Unsicherer Maler am Werk

Bei der Untersuchung mit Infrarot-Licht kommen noch mehr Details zum Vorschein. Die Umrisse der Motive wurden mit einem blauen Stift sorgfältig vorgezeichnet. Auch die Hügel und Wolken. Das zeugt von einem unsicheren, suchenden Maler und ist deshalb untypisch für Monet. Ihm genügte es, seine Motive mit wenigen Kohlestrichen zu skizzieren. Das hat die Untersuchung mehrerer Monet-Werke ergeben.

Ungewöhnlich ist auch, wie die Farbe auf die Leinwand aufgetragen wurde. Der Erschaffer des Werkes verteilte die Farben mit Spachtel und Pinsel und verwebte sie miteinander. Beim Spachteln selber kratzte er immer wieder Farbmaterial ab. Auch das gilt als Indiz für einen unsicheren Maler.

Gewissheit bringt die Untersuchung der Signatur des Werkes. Die ersten drei Buchstaben des Vornamens „Claude“ wurden zuerst mit grauer Pinselschrift zaghaft aufgetragen und der gesamte Schriftzug anschließend mit brauner Farbe übermalt.

Monet pflegte zwar auch seinen Namenszug zu überpinseln, tat dies aber aus künstlerischen Gründen. Er suchte die Farben sorgfältig aus und setzte sie in Bezug zu seinem Werk. Bei dem Gemälde „Fischerboote am Strand von Etretat“ erzielte er zum Beispiel einen flimmernden Effekt. Die braune Signatur des untersuchten Werks sticht dagegen aus der Farbgebung des Gemäldes heraus.

Analyse der Farbpigmente

Experten entnehmen dem Werk neun Pigmentproben und untersuchen sie. Dabei entdecken sie unter anderem Bleiweiß, Chromgelb, Zinnober und Chromdioxidgrün. Alles Farbmittel, die aus Monets Zeit stammen. Sie entdecken allerdings auch ein Eisenoxidrot, das bei bisher keinem Monet-Gemälde festgestellt wurde. Dafür fehlt eine Farbe, die Monet besonders mochte: Cobaltblau.

Fälschung wird Publikumsrenner

Museumsbesucher vor dem falschen Monet-Gemälde

Das falsche Monet-Gemälde zieht Museumsbesucher an.

Nach all diesen Indizien steht für die Wissenschaftler fest: Das Bild ist eine Fälschung. Doch das Wallraf-Richartz-Museum macht das Beste daraus und geht mit seinem falschen Monet sehr offen um. Anstatt das Bild im Keller verschwinden zu lassen präsentiert es das Gemälde in einer eigenen Ausstellung die dokumentiert, wie die Experten dem falschen Monet auf die Spur gekommen sind. Der Beliebtheit des Werkes tut das keinen Abbruch – im Gegenteil: Seitdem das Werk als Fälschung enttarnt wurde, zieht es mehr Besucher an als zu den Zeiten als es noch ein vermeintlich echter Monet war.

Original-Gemälde taucht auf

Kurz nach seiner Enttarnung tauchte überraschend das Originalbild bei einer Versteigerung des New Yorker Auktionshauses „Sotheby’s“ auf. Erstaunlich ist, dass das Original – im Vergleich zur Fälschung – frischere und klarere Farben hat.

Doch dafür gibt es eine Erklärung. Der Fälscher hat - zu Monets Lebzeiten - das Werk offenbar von einem Foto kopiert. Dieses Foto wurde erstmals 1903 in einer britischen Kunstzeitschrift veröffentlicht. Die Foto-Qualität war damals noch nicht besonders gut. Das Foto hat einen Gelbstich – den der Fälscher für sein Werk kurzerhand übernahm.

aus der Sendung vom

Do, 7.5.2009 | 22:00 Uhr

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