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SENDETERMIN Do, 26.2.2009 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Mission Nachhaltigkeit

Mit unserem Kaufverhalten entscheiden wir nicht nur, welche Produkte am Markt bleiben und welche nicht. Wir können damit auch aktiv etwas für den Umweltschutz tun – wenn wir uns für klimafreundliche Produkte entscheiden. Doch dazu müssen wir wissen, welche Produkte wie viel CO2 verursachen. Eine Studie des Ökoinstituts hat Überraschendes zu Tage gebracht.

Menschlicher Schuhabdruck im Schnee

Messeinheit CO2-Fussabdruck.

Christian Hochfeld ist Mitarbeiter am Ökoinstitut und von Berufswegen auf der Jagd nach Spuren, wie sie zum Beispiel eine Kaffeemaschine hinterlässt, oder ein Bügeleisen. Es sind die Spuren des Klimakillers CO2. „CO2 ist mit allem verbunden was wir täglich tun oder lassen“, sagt Christian Hochfeld, „CO2 ist auch in unserem Atem natürlich, das können wir nicht verhindern. Aber wir könne schauen, wo das CO2 herkommt - vom Heizen und Beleuchten unserer Wohnung, vom Fahren mit dem Auto, letzten Endes von jedem Produkt und jeder Dienstleistung die wir täglich nutzen. Jede hat einen CO2-Fußabdruck. Alle zusammen ergeben unseren persönlichen Fußabdruck. Und den müssen wir verkleinern.“

Wie viel Treibhausgas erzeugt Toilettenpapier

Um den Ausstoß des Treibhausgases zu verringern, die CO2-Fußspuren also zu verkleinern, muss man erst einmal wissen, wo das Kohlendioxid entsteht. Und genau das hat sich Hochfeld zur Aufgabe gemacht.

Wie viel CO2 steckt in Frühstückseiern, im Kaffee, im Haarwaschmittel oder in Toilettenpapier? Solche Produkte des täglichen Lebens hat Christian Hochfeld genau betrachtet, von der Herstellung bis zur Entsorgung. Für Toilettenpapier beispielsweise werden Unmengen warmes Wasser benötigt. Riesige Walzen und Messer bringen die aus Holz hergestellten Zellstoffbahnen in die uns bekannte Form. Ein äußerst energiereicher Start ins Klopapierleben, der mehr als drei Viertel des Fußabdruckes verursacht. Der restliche Anteil entfällt auf die Rohstoffgewinnung, Verteilung und Entsorgung. Durch Recyclingpapier kann man also CO2 in der Toilette sparen.

Was war zuerst da – das Gas oder das Ei?

Doch wie lässt sich bei Eiern das Klimagas reduzieren? Der Weg zum Ei ist lang und beschwerlich. Denn am Anfang steht das Küken und seine Aufzucht zum Ei-Lieferanten. Das kostet Energie, sprich CO2, denn die Hennen brauchen Licht und Futter, um ihre Legearbeit verrichten zu können. Und so entsteht der Haupt CO2- Abdruck noch vor Auslieferung des Produktes. „Ein Großteil des CO2-Fußabdruckes eines Hühnereies wird dadurch bestimmt, welche Futtermittel und welche Zusatzstoffe Sie in der Hühneraufzucht verwenden. Hier können Sie durch entsprechende Wahl der Futtermittel einen erheblichen Beitrag auch zur Reduzierung des CO2 leisten. Das macht etwa - und das ist relativ viel, der gesamte Legebetrieb und die Aufzucht der Junghennen - zwei Drittel des gesamten Fußandruckes aus“ , so Hochfeld.

Kohlendioxid und Kaffee

Geröstete Kaffeebohnen

Der Anbau von Kaffee verursacht mehr Emissionen als der Transport zum Verbraucher.

Kaffee! Kaum ein Haushalt kommt ohne ihn aus und man könnte glauben, dass die aufwändige Zubereitung oder der Transport bis in die Kaffeemaschine viel Energie verbraucht. Doch der CO2-Fußabdruck des Kaffees entsteht in seinen Anbauländern! Auf dem Weg durch den Filter hat der Kaffe schon längst seinen Riesen-Fußabdruck aufgebaut. Denn die Plantagen arbeiten mit Pestiziden, deren Herstellung das energiereichste Element im Leben einer Kaffeebohne ist.

An die eigene Nase fassen

Auch die tägliche Körperpflege wird begleitet von Kohlendioxid. Denn warmes Wasser kostet eben Energie. Wer also viel davon verbraucht, vergrößert durch sein Verhalten den CO2-Fußabdruck von Pflegemitteln, etwa den des untersuchten Shampoos. Wir können uns also nicht herausreden, denn nicht nur die Hersteller, auch wir als Verbraucher haben es in der Hand, Kohlendioxid mit unserer Produktnutzung einzusparen.

Einmal Duschen gleich ein Ei

Aber wie groß ist so ein Fußabdruck? Wie viel CO2 entfällt beispielsweise auf ein Shampoo im Vergleich zu Eiern? „Einmal Haare waschen, und damit auch das Duschgel oder Shampoo, was dafür notwendig ist, hat einen CO2-Fußabdruck von etwa 280 bis 300 Gramm. Das entspricht in etwa dem Fußabdruck eines Eis“, rechnet Christian Hochfeld vor.

Sechs Frühstückseier kosten in ihrer CO2-Bilanz also ungefähr so viel wie sechsmal Haare waschen. Doch wer hat bitte Interesse an solchen Zahlen? „Das sind im Prinzip die Hersteller selbst, die ein Interesse haben. Und die haben natürlich auch ein gesundes Marktinteresse. Das heißt, ein Anreiz den Fußabdruck zu messen ist die Idee, zu sagen, ich habe hier auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber meinen Wettbewerbern. Das heißt ich vermute, dass mein CO2-Fußabdruck niedriger ist als der meiner Mitbewerber, oder ich möchte sicherstellen, dass er es in Zukunft ist.“

Devise Schmalfuß

Die einzelnen Fußabdrücke der Produkte tragen zum Gesamt-Fußabdruck des Verbrauchers bei. Und den gilt es zu verkleinern. Denn Christian Hochfeld ist sich sicher, dass wir in Sachen CO2 einen beschwerlichen Weg vor uns haben. Wir müssen unsere Riesenspuren, wie er meint, auf Kindergröße reduzieren: „Jeder Einzelne von uns hat heute im Durchschnitt einen Fußabdruck von etwa elf Tonnen im Jahr. Im Jahr 2050, in 40 Jahren schon, darf dieser Fußabdruck nicht größer sein als eine viel kleinere Fläche, das heißt eine Reduktion um 80 Prozent. Man könnte hier von einer zwei-Tonnen-Diät sprechen, von elf Tonnen auf zwei Tonnen. Und jeder der schon einmal eine Diät gemacht hat wird wissen, wie schwer das werden wird.“

Devise: CO2 abspecken, und das in großen Schritten. Denn schließlich müssen wir als Energieverbraucher leichtfüßig in die Zukunft schreiten.

aus der Sendung vom

Do, 26.2.2009 | 22:00 Uhr

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