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Achtung Altgerät: Die heimlichen Stromfresser im Haushalt

aus der Sendung vom Donnerstag, 24.9.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

A, A+, A++ und vielerlei andere Kennzeichen für Energieeffizienz von Haushaltsgeräten buhlen in den Geschäften um die Gunst des Verbrauchers. Und – wie eine aktuelle Forsa-Umfrage beweist – der achtet in der Tat verstärkt auf eben solche Labels. 95 Prozent der befragten Personen gaben an, die Energieeffizienzklasse sei beim Kauf eines neuen Kühlschranks ein sehr wichtiges oder eher wichtiges Kriterium. Doch eines zeigt die Umfrage auch: Nur knapp der Hälfte der Befragten ist bewusst, dass die elektronischen Geräte zu den größten Stromfressern im Haushalt zählen. Vor allem bei alten Geräten, die schon viele Jahre im Einsatz sind, ist das Einsparpotential für Strom und Wasser groß.

Ein Backofen, ein Geschirrspüler, eine Kühl-Gefrierkombination und eine Waschmaschine – so sieht ein ganz normaler Haushalt aus. Oft verrichten sie ihren Dienst bereits seit zehn oder mehr Jahren.

Stromverbrauch vor allem durch Altgeräte

Der Kostenpunkt bei der Unterhaltung jedes einzelnen Geräts liegt da zwischen 87 und 133 Euro im Jahr. Vor allem in Sachen Strom gelten diese Helfer im Haushalt als gierige Energiefresser, besonders wenn es sich um Altgeräte handelt: Bis zu 45 Prozent machen die Haushaltsgeräte dann am gesamten Stromverbrauch eines Vier-Personenhaushalts aus. Stellt man sich einmal eine solche Familie Mustermann mit vier Personen und jenen Haushaltsgroßgeräten vor, so ergibt sich unter dem Strich: Bei einem Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde werden Ausgaben in Höhe von rund 400 Euro pro Jahr fällig.

Effizienz von gestern - und von heute

Die Energiebilanz neuerer Geräte hingegen fördert Erstaunliches zu Tage: Ein besonders krasses Beispiel in punkto Effizienzgewinn ist der Kühlschrank. Verbrauchte vor knapp 40 Jahren ein Gerät noch 800 Kilowattstunden, sind es heute weniger als 200. Von außen sieht man kaum einen Unterschied zwischen Alt- und Neugerät. Doch der alte Kühlschrank gibt deutlich mehr Kälte nach außen ab als ein neuer Kühlschrank der höchsten Energieeffizienz-Klasse A++. Sehen kann man das allerdings nur mit einer Wärmebildkamera, nicht mit bloßem Auge.

Der Hauptgrund für diesen immensen Unterschied ist eine wesentlich bessere Dämmung. Und auch effizientere Kompressoren, Wärmetauscher und Kühlkontrollsysteme verringern den Energieverlust. Ähnlich verhält es sich beim Helferlein Geschirrspüler: 12 Cent spart der Verbraucher pro Spülgang, wenn er sein zehn Jahre altes gegen ein energieeffizientes Gerät austauscht. Läuft der Geschirrspüler nämlich dann fast täglich, bedeutet das schnell 40 Euro weniger im Jahr. Und die Differenz wächst, wenn der Strompreis weiter steigen sollte. Doch das ist noch nicht alles: "Der Wasserverbrauch wurde von circa 50 Liter auf circa neun Liter reduziert, der Energieverbrauch von 2,8 auf etwa 0,83 Kilowattstunden - und das auch noch bei einer wesentlichen Verbesserung der Reinigungs- als auch Trocknungsleistung", weiß Michael Rosenbauer, Entwicklungsingenieur bei Siemens.

Zeolith als Schlüssel neuester Technologie

Wie bekommen Ingenieure aber derartige Effizienzgewinne hinter den chromblitzenden Blenden der Geräte hin - zum Beispiel beim Geschirrspüler? Eine neue Trocknungstechnik ist die Antwort auf die Energiesparfrage, das natürliche Material Zeolith der Kern dieser Technik. Es speichert genau die Wärmeenergie, mit der das Spülwasser in der Reinigungsphase aufgeheizt wird. Währenddessen gibt es Feuchtigkeit aus seinem Inneren ab. In der Trocknungsphase nimmt das Zeolith erneut Nässe aus dem Spülraum auf und setzt die gespeicherte Wärmeenergie frei. Das Ergebnis: Die Trocknung wird verbessert, Strom gespart. Und die Vision des Michael Rosenbauer von Siemens geht noch viel weiter: „Der Traum jedes Geschirrspülmaschinen-Entwicklers ist natürlich ein Gerät, das am Ende beim Verbrauch Null angelangt ist.“

Der Label-Dschungel kann täuschen

Fortschritte sind gut, Kontrolle ist besser: Die derzeitige Energie-Label-Kennzeichnung macht es den Verbrauchern nicht gerade leicht, die sparsamsten Geräte zu erkennen. Evelyn Kessler von der Verbraucherschutzzentrale Baden-Württemberg weiß um den Label-Dschungel, durch den sich der Käufer hangeln muss: „Leider zwingt niemand die Hersteller dazu, die Klassifizierung ihrer Geräte ständig zu aktualisieren. Ein Gerät, das vor fünf Jahren ein Kennzeichen A++ bekommen hat, ist heute möglicherweise technisch überholt." Ein neueres Gerät mit modernerer Technik habe möglicherweise auch die Kennzeichnung A++, verbrauche aber noch einmal weniger Strom. Und es stellt sich eine weitere Frage: Rechtfertigen Fortschritte beim Stromverbrauch überhaupt einen Neukauf, wenn das alte Gerät noch funktioniert? „Das muss man im Einzelfall durchrechnen", rät Kessler. Seien Stromkosten der einzige Entscheidungsfaktor für oder gegen ein neues Gerät, müsse man sich auch über das Standardprogramm informieren, mit dem diese Stromkosten ermittelt werden. Das muss nämlich nicht unbedingt dem Nutzungsverhalten entsprechen.

Lesen, lesen, lesen - und dann sparen

Eine Neuanschaffung nur aufgrund der Stromkosten müsste allerdings ein sehr großes Einsparpotential ergeben, damit sich der Kauf eines neuen Geräts lohne, gibt Evelyn Kessler zu bedenken. Für Kaufwillige gibt es deshalb nur eine Möglichkeit: Sie müssen sich vorher wohl oder übel durch Testberichte in Zeitschriften oder das Internet lesen. Nur so kann man sicher sein, dass der Ersatz von Herd, Geschirrspüler, Kühl-Gefrierkombination und Waschmaschine durch neue, energieeffiziente Geräte auch tatsächlich den gewünschten Stromspareffekt hat. Immerhin: Ersetzt man alle vier Altgeräte durch neue, energieeffiziente Geräte, kann eine Ersparnis von bis zu 183 Euro im Jahr durchaus möglich sein.

Markus Hubenschmid, Carola Hilbrand

Letzte Änderung am: 24.09.2009, 12.36 Uhr



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