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Überalterung Pflegeroboter

aus der Sendung vom Donnerstag, 28.2.2008 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Schwarze Kulleraugen, flauschiges Fell und eine niedliche Stupsnase: Paro, die weiße Baby-Robbe, hat die japanischen Altenheime ganz mühelos erobert. Die Bewohner erzählen ihr Geschichten, pflegen und beschützen die Robbe wie ein kleines Kind. Doch auch wenn Paro sehr lebensecht und liebenswert anmutet, sie ist ein Geschöpf der Wissenschaft, der erste Therapie-Roboter der Welt.

Paros Erfinder entwickelten den Kuschelroboter in zwölf Jahren für zehn Millionen Euro – ein pflegeleichtes Haustier das scheinbar Gefühle erwidert. Und mehr, wie Dr. Takanori Shibata, Erfinder von Paro, erzählt: „Umfangreiche Studien haben ergeben, dass der Umgang mit Paro das Wohlbefinden steigert. Mehr noch: Es verhindert oder verlangsamt Krankheiten wie Demenz oder Alzheimer. Die Menschen bleiben geistig und körperlich viel länger fit. Und das Personal wird entlastet, da die Alten Spaß und Gesprächsstoff haben und weniger Pflege und Aufmerksamkeit brauchen.“

Starke Überalterung Japans

Japan rüstet sich mit therapeutischen und menschenähnlichen Robotern für die Überalterung der Gesellschaft. Aus gutem Grund, denn kein Land der Welt vergreist so schnell: Viel zu wenig Kinder, die höchste Lebenserwartung weltweit. In ein paar Jahren wird jeder vierte Japaner über 65 sein. Schon heute fehlt qualifiziertes Pflege-Personal, die Versorgungskosten steigen und steigen.

Auch HAL, der maßgeschneiderte Roboter-Anzug, soll helfen, die Probleme der vergreisenden Gesellschaft zu lösen: Mit ihm sollen Lahme wieder gehen können. Sensoren auf der Haut erkennen die Impulse, die das Gehirn an die Muskeln sendet. HAL führt dann die gewünschte Bewegung selbständig aus. Der Gedanke alleine genügt

Bärenkräfte durch Roboter-Anzug

Für eine Demonstration steigt der schmächtige Elite-Student Takeru Sakurai in den Anzug und scheint übernatürliche Kräfte zu erlangen. Denn mit Hilfe von HAL kann er, ohne sich anzustrengen, 45 Kilo wuchten – es kostet ihn nur ein Lächeln: „Es ist komisch und aufregend zugleich – mein Körper fühlt sich schwerelos an und trotzdem habe ich unglaublich viel Kraft.“ Manchmal, wenn er den Anzug trägt, weiß er selbst nicht mehr: ist er noch Mensch, oder schon ein Teil der Maschine, in der er steckt?

Noch wirkt vieles spielerisch, doch noch in diesem Jahr sollen Alte und Behinderte dank HAL mobiler werden. Jeder Roboter-Anzug muss individuell angepasst werden – das kostet 12.000 Euro. Schon jetzt kann sich sein Erfinder, Prof. Yoshiyuki Sankai, vor Anfragen von Therapie-Kliniken und Privatpersonen kaum retten: „In Japan, genauso wie in Europa, gibt es zu wenig Nachwuchs, die Bevölkerung altert dramatisch. Die Jüngeren werden gebraucht, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, nicht um die Alten zu pflegen. Durch diesen Anzug werden alte Menschen ihren Alltag sehr lange ohne fremde Hilfe erledigen können.“

Roboter immer menschenähnlicher

Kleine Schritte in eine große Zukunft. Japans Elite-Roboter haben gelernt zu laufen, zu sprechen, zu entscheiden. In wenigen Jahren spülen sie Geschirr, putzen, gehen einkaufen, messen Blutdruck und Zuckerspiegel. Humanoide Roboter als Altenhelfer – nichts scheint unmöglich.

„Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir den Gang der Evolution selbst verändern können. Menschenähnliche Roboter werden unseren Alltag und die Umgebung, in der wir leben, maßgeblich verändern“, prophezeit Prof. Yoshiyuki Sankai, der Entwickler HAL-Roboteranzuges. Den Anfang macht Paro, der niedliche Therapieroboter. Auf ihn will im Altersheim niemand mehr verzichten.

Mensch und Maschine: Die Zukunft gehört den Robotern – in Japan glaubt man fest daran.

Andreas Stamm

Letzte Änderung am: 28.02.2008, 11.21 Uhr