aus der Sendung vom Donnerstag, 4.10.2007 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Gerhard Klare (76) ist Astronom. Seit über 50 Jahren lebt er gleich neben der Heidelberger Sternwarte auf dem Königstuhl. Sein Kollege, Joachim Schubart (79) lebte 1957 noch in Sonneberg/Thüringen. Im Oktober 1957 war beiden klar, dass ein neues Zeitalter begonnen hatte. Die Astronomen blickten nach dem 4. Oktober 1957 nicht auf die Sterne, sondern suchten die vermeintliche Bahn des ersten künstlichen Trabanten, Sputnik 1.
Klare: "Ich war damals Student hier oben und habe als Student hier ein Praktikum gemacht. Ich kann mich noch so recht lebhaft an die Stimmung erinnern, die damals geherrscht hat. Als es war, wie ein Bombenschlag einging, die Nachricht, dass ein künstlicher Himmelskörper um die Erde schwirrt."
Heute ist die Aufregung schwer zu verstehen, aber 1957 war die westliche Welt geschockt. Fieberhaft versuchten die Heidelberger Astronomen Fakten über Sputnik zu sammeln: Größe, Flugbahn, Zweck der Mission. Doch in den ersten Tage konnten sie auf bestimmten Radiofrequenzen nur die charakteristischen Piep-Töne beim Überflug empfangen.
Der Sputnikschock
Den Start des Satelliten empfand der Westen nicht nur als Schmach im verlorenen Rennen um den Wettlauf ins All, sondern auch als Bedrohung. Schließlich hatten die Russen den Sputnik mit der damals größten Atomrakete der Welt in die Umlaufbahn geschossen.
Dabei war Sputnik 1 nur eine Notlösung, um im Wettrennen um den ersten Schritt ins All die Nase vorn zu haben. Eine einfache Aluminium-Kugel, einen halben Meter im Durchmesser und 80 Kilogramm schwer, mit einem Sender und ein paar Antennen: scheinbar nicht viele mehr als ein gelungener ein Propaganda-Coup.
Geheimer Sputnik
Mitverantwortlich für die Umlaufbahnen des Trabanten war der damals erst 26 Jahre alte Georgi Gretschko. Die Faszination, am Beginn eines neuen
Zeitalters dabei zu sein, hatte ihn nach Baikonur zum legendären Raketenkonstrukteur Koroljow getrieben.
Georgi Gretschko:
"Ich bin ja zu der Gruppe um Chefkonstrukteur Korolow gegangen, weil ich wusste, dass dessen schweren Militärraketen zu Weltraumraketen umgebaut würden. Klar waren die Bedingungen schwer. Wir wohnten abgeschirmt in einem winzigen Wohnheim. Aber das war mir egal. Es ging ja um nicht weniger als die Realisierung meines Kindheitstraums: wir begannen mit der Eroberung des Weltraums."
Start im Morgengrauen
Im geheimen Rakentenzentrum Baikonur hatte der Start zwar geklappt, aber erst Tage später gab die Sowjetunion Daten der Flugbahn bekannt.
Georgi Gretschko:
"Wir haben schnell gedacht, zu 90 Prozent könnte die Aufgabe, einen Satelliten ins All zu bringen, gelöst sein. Aber wir warteten bis der Sputnik wieder über uns war, machten einige Messungen und erkannten dann, dass der Sputnik wirklich in einer Erdumlaufbahn war. Wir begriffen, dass der Sputnik tatsächlich im Orbit ist."
Die letzte Stufe der Trägerrakete folgte dem kleinen Sputnik noch Wochen lang auf seiner Bahn, konnte von der Erde aus beobachtet werden.
Sternenspuren statt Sputnik
In der Heidelberger Sternwarte hatte man 1957 sogar versucht den Sputnik zu fotografieren. Die alten Fotoplatten sind noch da. 50 Jahre hat sich niemand dafür interessiert. Aber leider sind nur Sternspuren auf der Platte. Der Sputnik tauchte damals nicht auf. Für die Sowjetunion und für Georgi Gretschko war Sputnik 1 der Beginn der Raumfahrt-Ära. Er selbst flog später dreimal als Kosmonaut um die Erde. Das blieb den deutschen Astronomen Klare und Schubart verwehrt.
Letzte Änderung am: 02.10.2007, 15.22 Uhr
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