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Fernsehen im SWR

Odysso extra – Sommerprogramm Experiment Verwandtschaft

Wie viel Affe steckt im Mensch?

Mensch Affe vom Samstag, 21.11.2009 | 8.15 Uhr | SWR Fernsehen

Genetisch gleichen wir uns zu fast 99 Prozent. Aber was haben wir – der heutige Homo sapiens – mit unseren nächsten Verwandten, den Schimpansen wirklich gemeinsam? Und was trennt  uns von ihnen? Diese Fragen sollen uns Sina und Oliver in einem außergewöhnlichen TV-Experiment beantworten. Sina ist eine Schimpansin und Oliver ist ein Mensch – Dr. Oliver Sandrock. Als Paläontologe beschäftigt er sich mit den Wurzeln des Menschen, also auch mit dem kleinen-großen Unterschied zwischen uns und einem Affen.

Das, was uns sichtlich zum Menschen macht und auch von einem Schimpansen unterscheidet ist der aufrechte Gang, die Beherrschung des Feuers, Gebrauch von Werkzeugen und Waffen, Entwicklung einer Sprache und des Bewusstseins. Wie der heutige Mensch zu all diesen Fähigkeiten gekommen ist, soll ein Experiment zeigen, in dem es darum geht, die Herkunft des Homo sapiens zu ergründen. Unterstützt von der Schimpansen-Dame Sina.

Schimpansen sind genetisch gesehen, am nächsten verwandt mit den Menschen. Landläufig wird davon gesprochen, dass der Mensch vom Affen abstammt. Doch stimmt das wirklich? Der Pantäologe Dr. Oliver Sandrock klärt auf: "Nein, der Mensch stammt nicht vom Affen ab, aber Sina und wir haben gemeinsame Vorfahren.  Und aus denen entwickelten sich vor ein paar Millionen Jahren auf der einen Seite die heute lebenden Schimpansen und auf der anderen Seite wir: Homo sapiens. Aber vielleicht kann Sina, als unser nächster Verwandter, uns etwas über unsere Vorfahren erzählen."

Urahnin "Lucy"

Bei allen Unterschieden  – Mensch und Schimpanse ähneln sich einander. Wir haben die selben Wurzeln. Diese Wurzel liegen weit in der Vergangenheit. Vor 3,2 Millionen Jahren lebte eine sehr frühe Verwandte: "Lucy".

Bei wissenschaftlichen Grabungsarbeiten in Hadar in Äthiopien entdeckte am 30. November 1974 das Team des amerikanischen Paläoanthropologen Donald Johanson die versteinerten Knochen alten weiblichen Menschenverwandten. Die Forscher tauften sie „Lucy“. Der Name  kommt von dem Beatles-Titel "Lucy in the skies with diamonds" und den trällerten die Wissenschaftler damals in der äthiopischen Wüste vor sich hin, nachdem sie die Knochen von Lucy entdeckt hatten. Die Skelettanalyse ergab, dass Lucy aufrecht gehen konnte. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum aufrechten Gang.

Der aufrechte Gang

Und auch wichtige Fußspuren haben diese Vorfahren hinterlassen – wie die entdeckten Fußsputen zweiter Frühmenschen Laetoli im Norden von Tansania. Ihre über dreieinhalb Millionen Jahre alten versteinerten Abdrücke sind die ältesten Belege für die Zweibeinigkeit -  jenen ersten Schritt hin zum modernen Menschen.

Offenbar soll das Erreichen von Nahrung, den Impuls für die Entwicklung des aufrechten Ganges gegeben haben. Denn Schimpansin Sina zeigt im Studio-Experiment, dass sie sich auch aufrichtet, um etwas Essbares zu gelangen. Dr. Oliver Sandrock, Paläoanthropologe schlussfolgert: "Wahrscheinlich diente das Stehen auf zwei Beinen gar nicht primär der Fortbewegung. Unsere Vorfahren begannen vielmehr sich auf die Beine aufzurichten, um sich ihre Nahrung in den Ästen besser erschließen zu können. Dieses Aufrichten wurde durch Greifen/Festhalten der Arme in den Ästen gestützt."

Unterschiedliche Anatomie

Der freie Griff nach Nahrung ist einer der Vorteile der Zweibeinigkeit. Doch woher wissen wir, ob Lucy anders als Sina dazu dauerhaft fähig war? Das Skelett von Sina ist von Kopf bis Fuß aufs Klettern eingestellt. Mit ihren Zehen kann sie das Seil perfekt umgreifen. Schimpansin Sina besitzt Greiffüße. Ein cleveres Patent der Natur, das als dritte und vierte Hand funktioniert. Gut beim Klettern, aber beim aufrechten Gang hat unsere nächste Verwandte das Nachsehen gegenüber dem Menschen.

Der Fuß von Lucy war schon an den aufrechten Gang angepasst. Aus einer solchen Fuß-Form unserer Vorfahren entwickelte sich eine standfeste Extremität die uns heute auf Schritt und Tritt begleitet. Der Blick auf die Anatomie verrät noch mehr. Sinas Oberscherschenkel sind relativ kurz, Olivers dagegen relativ lang. Oberschenkel und Becken zeigen eine typische Anpassungen an das aufrechte Gehen. Lucys Anatomie sieht ganz ähnlich aus wie die des modernen Menschen.

Wenn wir uns aufrichten, gerät die Wirbelsäule senkrecht unter die Mitte des Kopfes. Die Stabilität im Stehen wird dadurch unterstützt. Bei Schimpansen sieht das anders aus. Ihre Wirbelsäule setzt eher am Hinterkopf an und steht normalerweise in dieser schrägen Haltung. Dasselbe gilt für die Form des Beckens. Der Bauchraum droht bei längerem aufrechtem Stehen nach vorne unten abzusacken.  

Beim Menschen dagegen werden durch die Beckenschaufeln die inneren Organe von unten abgefangen. Für uns ist auch längeres Stehen daher kein Problem. Auch die Form der Wirbelsäule ist entscheidend. Beim Menschen ist sie wie ein doppeltes –S geschwungen. Bei Schimpansen ist sie gekrümmt. Für längeres aufrechtes Stehen ungeeignet. Das gesamte Skelett zeigt, dass für Schimpansen die Zweibeinigkeit eine kurzzeitige Nebenbeschäftigung darstellt – etwa als Gefälligkeit für einen Zweibeiner.

Letzte Änderung am: 14.08.2008, 14.21 Uhr

Odysso extra – Sommerprogramm

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.