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Öko-Faktencheck

Essen im Überfluss

aus der Sendung vom Donnerstag, 12.4. | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Zum Thema „Ökologische Landwirtschaft“ existieren viele Klischees und Argumente, die in Diskussionen immer wieder auftauchen. Odysso beleuchtet und hinterfragt die gängigsten Thesen:

These 1
Ökolandwirtschaft ist ineffektiv. Vielleicht eine ganz sympathische Idee: Aber ein Land damit ernähren, das geht leider nicht.

Fakt ist: Industrielle Landwirtschaft ist tatsächlich effektiver. Besonders beim Einsparen der menschlichen Arbeitskraft. Hochspezialisierte Maschinen, automatisierte Prozesse, bringen Leistung – vor allem in der Viehhaltung – ohne, dass sich jemand die Hände schmutzig machen muss. Jeden Tag Fleisch auf dem Teller, das ginge allein mit flächendeckender Ökolandwirtschaft in Deutschland nicht. Allerdings importiert Deutschland schon heute Fleisch aus anderen Ländern.

Beim Ackerbau schrumpft der Abstand zwischen den beiden Formen der Landwirtschaft erheblich: Hier bringt Öko immerhin 70 bis 80 Prozent der Erträge aus dem konventionellen Landbau. Würden die Flächen auf denen ökologisch und sozial äußerst fragwürdige „Energiepflanzen“ angebaut werden, zum Anbau von Nahrungspflanzen genutzt, wäre reichlich Platz, um unterm Strich die gleichen Erträge einzuholen wie in der industriellen Landwirtschaft. Von einer drohenden Hungersnot durch Öko kann also keine Rede sein.


These 2
Ökoprodukte sind teuer. Sind was für echte Überzeugungstäter oder zumindest für Besserverdiener.

Fakt ist: Stimmt nicht mehr. Öko gibt es heute schon beim Discounter. Und auch dort müssen strenge Auflagen erfüllt werden. Zwar muss in der Ökolandwirtschaft mehr Handarbeit geleistet werden, was die Produkte zunächst teurer macht.
Dafür hat konventionelle Landwirtschaft andere Kostenfaktoren. Pestizide zum Beispiel. Die müssen nicht nur teuer gekauft, sondern auch ausgebracht werden. Die konventionelle Landwirtschaft braucht generell mehr teure Betriebsmittel. Und die belasten den Verkaufspreis von Getreide, Obst und Gemüse. Außerdem erzeugt konventionelle Landwirtschaft versteckte Kosten. Ihr hoher Energieverbrauch belastet das Klima. Die Kosten für Überschwemmungen und Missernten, die dadurch zunehmen, trägt die Allgemeinheit. Kaum zu beziffern ist auch der Schaden, der durch die Verschlechterung der Bodenqualität entsteht. In einem ökologisch bewirtschafteten Boden ist die Artenvielfalt doppelt so hoch als im konventionell bewirtschafteten Boden.


These 3
Mit Ökolandwirtschaft lässt sich nicht genügend Milch erzeugen. Die naturnahe Milchwirtschaft ist nicht leistungsfähig.

Fakt ist: Tatsächlich zeigt die industrielle Milchwirtschaft besonders deutlich die Nachteile einer Landwirtschaft, die nur auf Ertrag getrimmt ist: Konventionelle Milchbetriebe erzeugen seit Jahrzehnten zu viel Milch. Der Überschuss wird in energiezehrenden, teuren Prozessen zu Trockenmilchpulver verarbeitet. Millionen Tonnen des Pulvers warten in Lagerhallen auf den Export. Mit EU-Geldern subventioniert, also künstlich billig gemacht, wird das Pulver auch in Entwicklungsländer exportiert. Das Milchpulver aus der EU wird in den Entwicklungsländern zu Dumpingpreisen verkauft und bedroht dort die Lebensgrundlage der einheimischen Kleinbauern.


These 4
Ökolandwirtschaft ist doch eher was für Idealisten, die dafür auch geringere Einkünfte in Kauf nehmen.

Fakt ist: Das Gegenteil ist richtig: Durch Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide sparen Ökobauern viel Geld. Und längst haben auch in der Ökolandwirtschaft große Maschinen Einzug gehalten, die effektiv arbeiten – ohne dass die Qualität der Produkte darunter leidet. Und da Kunden für Bio etwas mehr zahlen, verdienen Ökobauern bis zu 30 Prozent mehr als konventionelle Bauern, sagt eine aktuelle Studie der Stiftung Ökologischer Landbau.


These 5
Eigentlich müssten wir alle auf vegetarische Nahrung umstellen. Nur das ist wirklich ökologisch.

Fakt ist: Stimmt nicht! Die Verbindung von Ackerbau und Viehzucht gehört zu den Idealen der ökologischen Landwirtschaft. Futterpflanzen werden von Rindern zu Fleisch und zu kostbarem Naturdünger veredelt. Und der ist gut für den Boden und sorgt bei der nächsten Ernte für gesunde und knackige Feldfrüchte.
Ganz auf Fleisch verzichten ist also nicht ökologisch – den Fleischkonsum in Deutschland halbieren aber schon. Das wäre gesünder für die Menschen und für die Natur.

Frank Wittig

Letzte Änderung am: 08.12.2011, 17.13 Uhr

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