Unser täglich Fleisch
aus der Sendung vom Donnerstag, 8.7.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Bei Balingen in Baden-Württemberg gibt es einen Bauern, der seine Rinder wie Wildtiere auf ausgedehnten Weiden hält. Von Zeit zu Zeit schlachtet er, artgerecht, ohne Transporte und vor Ort. Das Problem: Hermann Maier bekam lange keine Genehmigung dafür.
Hermann Maier gehört dem Uria e.V., dem Verein zur Förderung einer neuen Art der Tierhaltung in Balingen an. Seine Rinder sind nicht nur das ganze Jahr draußen auf der Weide, sie leben auch in einem natürlichen Herdenverband: Kühe, Kälber und jede Menge Bullen – alle zusammen. Knapp 30 Bullen leben in dieser Herde. So etwas gibt es in der „normalen“ Rinderhaltung schon lange nicht mehr. Und in der konventionellen Rinderzucht ist es auch undenkbar, dass ein Kalb bei seiner Mutter aufwächst und mit ihr zusammen alt wird, so dass sich tatsächlich ein großer Familienverband bilden kann.
Mehrmals täglich schaut Familie Maier nach ihren rund 250 Tieren. Jedes hat einen eigenen Namen. Und trotzdem: Zweimal die Woche wird geschlachtet. Seiner Frau ist dabei wichtig, dass das möglichst stressfrei für die Tiere abläuft. Seine Tiere sollen nicht verängstigt im Schlachthof landen und per Bolzenschuss erledigt werden. Er will sie auf der Weide mit dem Gewehr betäuben. Dass er auf der Weide schlachten darf, dafür hat er über zwölf Jahre vor Gericht streiten müssen – mit Erfolg. Nun hat er die Genehmigung und darf auf ein liegendes Rind aus einer Entfernung von maximal fünf Metern schießen. Ein Schuss aus nächster Nähe, der das Tier vollkommen überraschend betäubt.
Einfach so auf der Weide darf er natürlich nicht schlachten, denn alles rund ums Schlachten ist streng geregelt. Deshalb hat Maier eine mobile Schlachtbox entwickelt. Laut den Bestimmungen muss das Schlachttier nämlich lebend in die Schlachteinrichtung verbracht werden. Der Trick: Die Schlachtbox ist sozusagen eine mobile Außenstelle und Teil einer genehmigten Schlachtstätte. Das Tier stirbt, ohne dass es irgendetwas von seiner Schlachtung bewusst mitbekommt. Ohne Stress und ohne Angst. Obwohl Hermann Maier das seit Jahren macht, ist es keine Routine und kostet ihn jedesmal Überwindung.
Letzte Änderung am: 08.07.2010, 15.02 Uhr