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Fernsehen im SWR

Der Odysso-Vitamin-Test

aus der Sendung vom Donnerstag, 10.6.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Zwei Testpersonen im Kreuzverhör und eine Frage: Wie gut sind sie mit Vitaminen versorgt? Hier treffen Gegensätze aufeinander, denn die beiden Probanden leben und essen grundverschieden: Thomas H. ist 45 Jahre alt, 75 Kilo schwer und sehr ernährungsbewusst. Anton S. ist acht Jahre älter, wiegt 93 Kilo und ist bekennender Bier- und Fast-Food-Freund.

Gegensätze im Test

Thomas H. lebt gesund und verzichtet daher auf Frittiertes oder Paniertes. Anders als sein Test-Kollege: Anton S. ist von Beruf Wurstvertreter und hat daher auch meist Zuhause Wurst im Kühlschrank. Täglich Obst auf der einen und Curry-Wurst mit Pommes auf der anderen Seite. Der eine fühlt sich fit und gesund, der andere möchte gerne etwas ändern. Viele Unterschiede mit Ausnahme einer Gemeinsamkeit: Vitaminpräparate nehmen sie beide grundsätzlich nicht ein.

Speiseplan unter der Lupe

Am Max Rubner-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, erfolgt eine Intensivbefragung. Die Forscher wollen wissen, ob und wann die Probanden Frühstück oder Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen. Detailliert erfasst die Interviewerin am Computer die Essgewohnheiten. Dabei unterstützen Abbildungen typischer Mahlzeitung, Portions- und Tellergrößen ihre Befragung. Thomas H., der durchtrainierte Maschinenbauer, ist ein Vorbild in Sachen guter, frischer und vitaminreicher Ernährung. Anton S. hingegen setzt beim Mittagessen auf Pizza, am liebsten die Sorte „Futti di Mare.“ Für Ernährungsbewusste gleicht sein Speiseplan einem Gruselkabinett: Viele Fertiggerichte, fettes Fleisch, Weißbrot und kaum Obst- und Gemüse. Muss man hier den absoluten Vitamin-Notstand befürchten?

Ergebnis steht fest – Drama bleibt aus

Zwanzigtausend Testpersonen wurden für die „Nationale Verzehrsstudie“ des Instituts befragt: Eineinhalb Stunden lang dauert das Interview pro Person. Aus den erhobenen Daten berechnen die Experten danach die Versorgung mit Kalorien, Nährstoffen und Vitaminen. Wie viele Vitamine – Symbole des „gesunden Lebens“ – stecken in den verzehrten Lebensmitteln? Ist eine der Testpersonen unterversorgt? Der Vitaminhaushalt im direkten Vergleich erscheint anschließend auf einer graphischen Darstellung. Kaum überraschend: Anton S. hat bei fast allen Vitaminen geringere Werte. Der unterschiedliche Ernährungsstil der Testpersonen wird in der Graphik sichtbar. Aber ist das ein dramatischer Befund? Der Institutsleiter Professor Gerhard Rechkemmer erläutert das Ergebnis: „Ich würde bei beiden kein Drama sehen. Es ist bei dieser Versorgungslage nicht mit einem Vitaminmangel zu rechnen, und auch eine Vitaminunterversorgung würde ich aus diesen Ergebnissen nicht interpretieren.“

Entwarnung: Guter Vitaminhaushalt trotz schlechter Ernährung

Die beiden Testpersonen mit völlig unterschiedlichen Essgewohnheiten sind demnach ausreichend mit Vitaminen versorgt. Der Sportlich-Ernährungsbewusste hat erwartungsgemäß die Nase vorn. Das ist für Thomas H. eine Bestätigung: „Ich stelle eines fest, so wie ich mich ernähre, bin ich auf dem richtigen Weg: Viel Obst, Gemüse und fettfrei zu essen.“ Anton S. dagegen traut seinen Ohren nicht. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sein Vitaminhaushalt in Ordnung ist: “Das überrascht mich schon, weil ich esse eigentlich wenig Obst. Ich bin sehr überrascht.“

Wirklich gesund ernährt sich Anton S. nicht, Gewicht und Blutwerte machen ihm zu schaffen, aber um eines muss er sich nicht sorgen: seine Vitaminzufuhr. Der Ernährungswissenschaftler Professor Rechkemmer rät beiden Testpersonen davon ab, zusätzlich Vitaminpillen einzunehmen: „Für beide würde ich sagen, sie brauchen keine zusätzlichen Nahrungsergänzungsmittel. Sie sind gut versorgt. Es ist nicht notwendig, diese Zusatzpräparate zu nehmen, zumindest für den überwiegenden Teil der Bevölkerung.“ Vitamine zählen, müssen die Deutschen also nicht. Das ist keine Einladung, sich gedankenlos zu ernähren, denn Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen drohen immer. Doch aufgrund von alarmierendem Vitaminmangel, so die Experten, kippt in diesem Land so schnell niemand um.

Oliver Wittkowski

Letzte Änderung am: 07.06.2010, 18.23 Uhr