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Deponie-Schafe

aus der Sendung vom Donnerstag, 8.4.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Die Soay-Schafe kommen eigentlich aus Schottland - doch jetzt haben sie in der Nähe von Erfurt eine neue Heimat gefunden: die Mülldeponie Erfurt-Schwerborn. Seit drei Jahren hält der Landschaftspfleger Helmut Limpert dort Schafe - und die wolligen Vierbeiner verrichten wichtige Arbeit: sie pflegen die Grünflächen auf dem Teil der Deponie, der nicht mehr zur Müllablagerung genutzt wird.

Aus der Deponie soll einmal ein Naturpark werden. Knapp ein Drittel der 92 Hektar ist stillgelegt und wird renaturiert. Limpert und seine Kollegen haben Bäume und Büsche gepflanzt und so ein Paradies für viele Tiere geschaffen, deren Lebensraum durch Land- und Forstwirtschaft immer kleiner wird. „Hier sehen wir einen der angelegten Steinhaufen, ausschließlich aus Naturstein - Lebensraum für Kröten, Eidechsen, Käfer und ähnliches - alles was sich hier ansiedeln und Lebensraum finden soll“, erläutert Helmut Limpert.

Biotop statt Deponie

Wo in den 70er Jahren noch jede Art von Hausmüll abgekippt wurde, bevölkern heute Feldhasen die Halde. Sie finden in den angelegten Busch- und Baumgruppen ihr Zuhause. Rehe, Füchse und Igel leben im Unterholz. Auch der Rote Milan ist wieder da. Er findet sogar so viel Futter, dass viele Vögel im Winter nicht mehr in den Süden fliegen. Wie er sind viele Tiere zurückgekehrt, weiß Tino Sauer vom Naturschutzbund Thüringen: „Das ergibt sich ganz allein daraus, dass hier keine Nutzung mehr stattfindet. Wenn die Erde als Abdeckung drauf ist und ne Vegetation kommt, bleibt der Lebensraum - und die Tiere können quasi mitwachsen: siedeln sich an, kommen frisch herein. Und das ist die Chance, die wir hier haben.“

Aber nicht nur die renaturierten Flächen, die ganze Deponie ist Lebensraum. Seit 2005 werden nur noch behandelter Müll oder Müllreste aus der Verbrennungsanlage eingebaut. Nur hin und wieder wird noch Hausmüll zwischengelagert, der für die Verbrennung vorgesehen ist - ein Festmahl für die vielen Krähen die dort leben. Trotz Lärm und Schmutz fühlen sich die Tiere auf der Deponie heimisch. „Wichtig ist, dass die Tiere auch Rückzugsgebiet haben, wo sie mal in Ruhe gelassen werden. An anderes gewöhnen sie sich einfach“, so Tino Sauer.

Naturpark mit Recycling-Zentrum

Landschaftspfleger Limpert widmet sich etwa eine Stunde seines Arbeitstages seinen Schafen. Mit Hilfe von mobilen Weidezäunen lenkt er seine Tiere auf die Flächen die gemäht werden müssen. Die halbwilden Schafe benötigen nur im Winter zusätzliches Futter. Sie scheinen wie geschaffen für die Mülldeponie und leben dort übrigens völlig gefahrlos: Die alten Müllberge bedeckt eine zwei Meter hohe Schicht Erde – selbst Maulwürfe graben nicht so tief. Auch die Pflanzen und der Rasen sind nicht belastet. Das ist wichtig – vor allem, weil sich die Deponie in den nächsten Jahren wandeln soll: in einem kleineren Teil soll ein Recycling-Zentrum errichtet werden, während der andere Teil wieder ein richtiger Naturpark werden soll.

Bis Spaziergänger sich dort erholen und Tiere beobachten können, wird es noch Jahre dauern. Bis dahin werden Helmut Limpert und seine Schafe helfen, die Mülldeponie Erfurt-Schwerborn wieder der Natur zurückzugeben.

Karoline Makosch

Letzte Änderung am: 08.04.2010, 15.00 Uhr

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