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Fernsehen im SWR

Wie viel Affe steckt im Menschen?

aus der Sendung vom Donnerstag, 6.5.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Weißbüscheläffchen sind klein, sympathisch und ziemlich umtriebig. Was haben sie mit uns Menschen zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch neue Untersuchungen legen nah, dass die Äffchen zu unseren engeren Vorfahren gehören.

Von den Älteren lernen

Der moderne Mensch beherrscht komplizierte Techniken, er kann ganz unterschiedliche Werkzeuge benutzen. Und er verfügt über eine ausgefeilte Sprache. Diese Hochkultur verdanken wir unseren Vorfahren, den Frühmenschen. Sie haben diese Fähigkeiten durch Lernen und Weitergeben nach und nach entwickelt. Inzwischen wissen wir: Auch im Tierreich gibt es unterschiedliche Kulturen mit verschiedenen Kulturtechniken, und diese Fertigkeiten lernen die Jungen von den Eltern.

Größe des Gehirns ist entscheidend

Der Unterschied zwischen Affe und Mensch - er ist viel geringer, als wir lange Zeit dachten. Doch wie sieht es mit anspruchsvolleren geistigen Leistungen aus? Keine Frage: Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Mensch und Menschenaffe. Der Grund: Das menschliche Gehirn ist mit 1.300 Kubikzentimetern mehr als doppelt so groß wie das größte Affengehirn. Aber warum entwickelte sich das Gehirn eines Affen nicht genauso wie das Menschliche? Forscher fanden einen erstaunlichen Zusammenhang. Je größer die Gehirne der Affen, desto länger die notwendige „Erziehungszeit“ und desto größer die Abstände zwischen zwei Geburten. Carel van Schaik von der Universität Zürich erklärt: „Bei den Orang-Utans sind es jetzt bereits bis zu neun Jahre. Das bedeutet, dass sie es sich nicht leisten können, dass die Gehirne jetzt noch größer werden. Wenn die Geburtsintervalle noch größer werden, würde die Population einfach aussterben.“

Die „Sippe“ Mensch hilft untereinander

Wie schaffte es der Mensch, ein großes Gehirn zu entwickeln und trotzdem nicht auszusterben? Die gängige Erklärung lautete bisher: Nach der Geburt eines Menschenkindes muss die Mutter – im Gegensatz zum Affen – das Kind nicht allein aufziehen, sondern wird unterstützt von der ganzen „Sippe“. Sie wird dadurch entlastet und kann viel schneller wieder neue Kinder bekommen. Und dieses soziale Verhalten des Menschen gibt dem einzelnen Individuum auch mehr Zeit, um zu lernen und sein Wissen zu vermehren.

Weißbüschelaffen fallen aus der Reihe

Sind also Arbeitsteilung in der Gruppe und selbstloses, soziales Verhalten des Einzelnen Grund für den Erfolg der Gattung Mensch? Und unterscheidet wenigstens das uns vom Affen? Lange Zeit war die Lehrmeinung: Affen helfen anderen nur, wenn sie einen offensichtlichen Vorteil davon haben. Das dachte auch Affenforscher Carel van Schaik, bis er sich intensiver mit Weißbüscheläffchen beschäftigte und dabei Erstaunliches feststellte. Die kleinen Äffchen verhalten sich in bestimmten Situationen durchaus selbstlos, wie er in Versuchen beweist. Und noch etwas Erstaunliches fand er heraus: Im Gegensatz zu den anderen Affen ziehen Weißbüscheläffchen ihre Jungen gemeinsam in der Sippe groß.

Steckt der Weißbüschelaffe im Menschen?

Sind wir auch mit ihnen näher verwandt als bisher angenommen? Carel van Schaik weiß die Antwort: „Ja, das könnte man schon sagen. Wir sind eine Kombination aus Weißbüscheläffchen und Menschenaffe. Und die Elemente der gemeinsamen Jungenaufzucht sind bei diesen schlauen und hirngroßen Menschenaffen dazugekommen und haben Menschen produziert.“ Vielleicht hat aber auch ein Zweig der Menschenaffen vor Urzeiten den Weißbüschelaffen genau zugeschaut und so das gelernt, was ihn dann zum Menschen werden ließ.

Stefan Venator

Letzte Änderung am: 03.05.2010, 18.22 Uhr

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