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Fernsehen im SWR

Infantile Cerebralparese

aus der Sendung vom Donnerstag, 4.2.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Klumpfuß, verdrehte Schenkel, schielende Kniescheiben – der Gehapparat des kleinen Stefan ist von Geburt an extrem durcheinander. Je größer er wird, desto schlimmer wird es werden. Wenn man nicht schnell etwas unternimmt, sitzt er bald im Rollstuhl. Bei den Ärzten der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg suchen Stefan und seine Mutter Hilfe.

Dr. Eva Schläger ist Orthopädin und zuständig für Kinder mit frühkindlichen Hirnschäden, so genannte ICP-Kinder. Die Abkürzung steht für „Infantile Cerebralparese“ und genau darunter leidet Stefan. Die Befehle seines Gehirns an seinen Bewegungsapparat, und die Rückmeldung der Muskulatur an das Gehirn funktionieren nicht richtig. Der Bewegungskreislauf ist unterbrochen, darum kann Stefan seine Muskeln nicht richtig kontrollieren.

Geistig behindert ist er deswegen jedoch nicht. Stefan ist ein ganz normaler Junge, nur mit dem Laufen will es eben gar nicht gehen. Der etwas schüchterne Junge mit Brille hat Träume wie jedes Kind, und am liebsten wäre er einmal Fußballer: „Mein Lieblingsverein ist der FC Bayern München und ich will ’mal Torwart werden.“

Mehrere Korrekturen in einer OP

Ob das jemals möglich sein wird bezweifeln die Heidelberger Ärzte stark. Man wird immer sehen, dass er einmal eine Spastik hatte, doch eine Verbesserung sollte möglich sein. Dazu muss Stefan jedoch operiert werden - und zwar gleich von fünf Ärzten gleichzeitig, an sechs unterschiedlichen Körperstellen. „Mehretagen-OP“ nennen Fachleute das. Dabei sollen von den Füßen bis zur Hüfte Sehnen versetzt und Knochen zersägt werden. Eine Horrorvorstellung, doch ohne einen solchen Eingriff würde Stefan bald gar nicht mehr laufen können.

Orthopäden, sagt man, sind die Strategen oder Architekten unter den Ärzten. Sie planen für die nächsten 30, 40 Jahre. „Es geht nicht nur darum, etwas Krummes gerade zu machen oder darum, die Kinder kosmetisch besser zu machen“, sagt Dr. Eva Schläger, „sondern die müssen funktionell besser werden.”

Positiver Heilungsverlauf

Und tatsächlich: Vier Monate nach seiner aufwendigen Operation und einem intensiven Reha-Training ist Stefan guter Dinge. Zwar läuft er immer noch mit Gehhilfen und braucht für alles länger als seine Klassenkameraden, aber er macht schnell Fortschritte. Ein Jahr lang, sagen die Ärzte, wird er noch brauchen, bis er richtig gut laufen kann. Im Tor steht Stefan allerdings auch jetzt schon. Immerhin will er immer noch Oliver Kahn nacheifern und Torwart werden – allerdings nicht mehr bei Bayern, denn: „Ich will halt irgendwann in ’nen Verein, aber ich weiß nicht in welchen. Es gibt so viele wo ich gerne rein will! Vielleicht bei Hoffenheim oder bei Hamburg.“

Lena Ganschow, Harold Woetzel

Letzte Änderung am: 04.02.2010, 18.34 Uhr