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Fernsehen im SWR

Jeder Mann altert anders

aus der Sendung vom Donnerstag, 19.8.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Alle wollen es werden, aber niemand will es sein. Das Alter ist ein Thema über das viele gerne reden, aber nie auf sich selbst beziehen. Alt sind immer die Anderen. Der 60-Jährige findet den 70-Jährigen alt, der den 80-Jährigen, der den… Aber ab wann ist man denn alt? Eine Frage, die eigentlich mit unserer Geburt beginnt. Ab dem Tag zwei gibt es Jüngere als uns. Allerdings wird wohl erst ab der so genannten Quarterlife Crisis, der Krise der Mittzwanziger, über Probleme mit dem Älterwerden gesprochen.

Ab jetzt wird rückwärts gezählt

Der große Bruch kommt bei den meisten etwa mit 50. Jetzt ist die Hälfte des Lebens definitiv vorbei. Ab da wird Rückwärts gezählt. Es kommen die ersten Gedanken über einen großen Umbruch im Leben – das Ende des Berufslebens rückt näher. Die Kinder sind aus dem Haus, der Karrierehöhepunkt ist erreicht, jüngere Kollegen ziehen an einem selbst vorbei. Vor allem für Männer steht eine Zeit bevor, die sie vor immense Probleme stellt. Im Gegensatz zu Frauen sind Männer Brüche im Lebenslauf nicht gewohnt. Während Frauen häufig aus dem Beruf ausscheren um Kinder zu bekommen oder um ältere Familienangehörige zu pflegen, geht beim Großteil der Männer das Berufsleben immer weiter. Frauen investieren durchschnittlich auch mehr Zeit in soziale Netzwerke und sind durch Hobbys und Freundschaften gesellschaftlich breiter aufgestellt.

Der kleine Unterschied zwischen Mann und Frau

Männer hingegen konzentrieren sich auf ihren Beruf. Sie definieren sich viel mehr durch Handeln und Aktivität als Frauen, so Professor Eckart Hammer. Er beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Problemen älter werdender Männer. Der Altersforscher unterteilt die älter werdenden Männer in vier Gruppen:

Die Weitermacher sind diejenigen, die nach dem regulären Ende des Berufslebens einfach weitermachen. Meistens ist das bei Selbstständigen der Fall. Die Nachholer sind die Rentner, die sich alle möglichen Dinge vorgenommen haben, die sie in der Zeit nach dem Berufsleben nachholen möchten. In den meisten Fällen sind das ausgedehnte Reisen. Die Anknüpfer nehmen ihre Erfahrungen aus dem Berufsleben mit und können mit dem Erlernten auf anderen Gebieten erfolgreich sein. Ein klassisches Beispiel ist der Verwaltungsangestellte, der in seiner Rente die Struktur seines Vereins auf Vordermann bringt. Und die letzte Gruppe ist die der Befreiten, die alles hinter sich lassen wollen und bloß nichts mehr mit dem alten Berufsleben zu tun haben möchten. Keiner dieser vier Entwürfe ist besser als ein anderer.

Ein Geheimnis: in Würde altern

Willi Bendel ist 68 Jahre alt. Er gehört zur Gruppe der Weitermacher. Seit 40 Jahren ist er aktiver Bodybuilder. Sein Geld hat er damit nie verdient, aber mit seiner Frau hat er neben seinem aktiven Berufsleben bei der Frankfurter Börse vor fast 30 Jahren ein Fitnessstudio aufgemacht. Dieses betreibt er nun seit vielen Jahren als Rentner weiter: „Ich könnte mir nicht vorstellen jetzt nichts mehr zu tun und nur im Altersheim zu sitzen den ganzen Tag. Dort sind nur 80-Jährige oder mein Alter. Nach einem halben Jahr denkst du genauso wie die alten Leute, bist du genauso alt wie die. Bist du aber unter den jungen Leuten, dann hält dich das auf gewisse Art jung.“ Eine Aussage, die Eckart Hammer aus vielen Interviews kennt: „Ältere Männer beschäftigen sich nicht gerne mit gleich alten, weil ihnen dann das eigene Alter bewusst wird.“

Funsportarten

„Die heutige Rentnergeneration kann Sachen machen, für die wären deren Eltern noch eingesperrt worden“, so Eckart Hammer. Gesellschaftlich sind Älteren fast keine Grenzen gesetzt. Das sieht man heute schon an der Kleidung. Turnschuhe und Jeans sind gesellschaftlich alterslos. Bei sportlichen Aktivitäten ist es ähnlich. Allerdings sollte Mann aufhören, wenn man bemerkt, dass man selbst keinen Spaß mehr an der Aktivität hat. Wenn man nur noch Sport treibt um mit den Jungen mithalten zu können - oder glaubt, mithalten zu können - wird es kritisch. Glaubwürdig bleiben, in Würde altern ist das Geheimnis. Einem Jugendwahn hinterherzulaufen kann nur in einer Sackgasse enden, im Zweifelsfall mit der eigenen Demontage.

Ein alter Mann in einem jungen Geschäft

Thomas Such alias Tom Angelripper ist Sänger der Heavy Metal Band Sodom. Seit einem Vierteljahrhundert spielt er Konzerte auf der ganzen Welt. In einer Musikszene, die sich schon immer nach jungen Zielgruppen orientiert hat, ist er mit Ende Vierzig schon fast ein Urgestein. Trotzdem hat er kein Problem mit seinem Alter.

Thomas Niemietz

Letzte Änderung am: 04.03.2010, 19.39 Uhr