aus der Sendung vom Donnerstag, 18.2.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Ob jemand Raucher ist oder nicht, das merkt man sofort. Nicht nur am strengen Geruch oder den gelben Fingerspitzen, nein, an der Haut kann man es ablesen. Nach einigen Tonnen Tabakkonsum wird sie etwas gräulich. Rauchen gut und schön, aber sieht man einem Menschen auch an, ob er Fastfood- Junkie oder Vegetarier ist? Ist der Weg vom Magen bis in die Haut nicht viel zu weit? Der Hautspezialist Jürgen Lademann von der Charité Berlin behauptet, man müsse nur das Richtige essen und die Haut altere langsamer. Wir haben ihn auf die Probe gestellt.
Dienstag Vormittag, wir betreten das riesige Gebäude der Charité und machen uns auf die Suche nach Professor Jürgen Lademann. Er erforscht, wie sich unsere Ernährung auf die Hautalterung auswirkt. Das klingt erst einmal wenig spektakulär, doch Jürgen Lademann kann etwas, wovon Sicherheitsexperten träumen: er hat eine Art Röntgenblick. Was es damit auf sich hat, erklärt er in wenigen Worten: „Wir haben ein System entwickelt, mit dem es möglich ist, die Haut zu analysieren und Informationen über das Ernährungsverhalten zu bekommen, also ob man viel Obst und Gemüse isst oder mehr Fastfood und was das für die Haut und die Hautalterung bedeutet.“
Stimmt das, kann das sein? Wir machen uns auf die Suche nach drei Testpersonen, die Jürgen Lademann nicht kennt. Das soll Klarheit bringen, ob er tatsächlich seherische Fähigkeiten hat. Wir sprechen verschiedene Passanten auf der Strasse an und finden schließlich drei Personen, die bereit sind, sich am nächsten Tag einem Hauttest an der Charité zu unterziehen.
Dazu möchten wir zunächst von ihnen wissen, wie sie leben und wie sie sich ernähren:
Hans, 38 Jahre, Kommunikationstrainer: Er ist gestresst, häufig unterwegs und trinkt viel Kaffee. Außerdem ist er gelegentlicher Raucher. Zum Ausgleich achtet er auf gesunde Ernährung, mit reichlich Gemüse auf dem Teller.
Susanne, 36 Jahre, Schauspielerin: Sie hat wenig Stress, kauft Bioprodukte, isst regelmäßig Obst und Gemüse. Sie raucht nicht und trinkt nur wenig Alkohol.
Heiner, 48 Jahre, Filmproducer: Auch er ist beruflich stark beansprucht, teilweise sehr stark eingespannt und gestresst. Er ernährt sich so gut wie möglich, hin und wieder reicht es aber nur zu Fastfood. Heiner ist Raucher und trinkt auch abends gerne einmal ein Glas Bier.
Am nächsten Tag treffen wir uns mit den Testpersonen bei Jürgen Lademann im Labor. Er ist überzeugt, dass sich die so genannten Antioxidantien, also die Farb- und Schutzstoffe in Obst und Gemüse, positiv auf die Hautalterung auswirken. Dies könne man sehen, denn diese Stoffe neutralisieren schädliche Radikale: „Diese freien Radikale zerstören Hautbestandteile, unter anderem die Elastin- und Collagenfasern, also die Fasern, die unsere Haut jung und geschmeidig machen. Und das führt unter anderem zur Hautalterung. Wer also viel Obst und Gemüse, das heißt viel Antioxidantien in seiner Haut hat, der hat auch die beste Voraussetzung gegen Hautalterung.“
Doch wie viele Antioxidantien wir in der Haut haben liegt nicht nur an unserer Ernährung, sondern auch an unserem Lebensstil: an Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Stress. Sie tragen dazu bei, den Gehalt der wertvollen Pflanzenstoffe zu reduzieren. Dann beginnt der Test: eine kleine Laser-Messung am Handballen genügt. Nur wenige Sekunden später ist das Ergebnis in Form zweier farbiger Balken pro Testperson auf dem Bildschirm zu sehen.
Prof. Lademann: „Sie sehen für jeden Probanden zwei Messungen: einen roten Balken, einen grünen Balken. Und die Länge des Balkens, also dieser Abstand, entspricht der Konzentration dieser Antioxidantien. Und zwar steht Rot für Betakarotin, Grün für Lycopin. Das sind zwei Komponenten aus diesem Gemisch der Antioxidantien, die wir hier als Markersubstanzen erfassen. Sie sehen, dass Susanne sehr hohe Werte hat, höher als alle anderen die hier gemessen wurden, also überdurchschnittlich hohe. Das heißt sie hat eine sehr gesunde Lebensweise. Ich gehe davon aus, Sie essen sehr viel Obst und Gemüse, sind Nichtraucherin, trinken wenig Alkohol und, was man auch deutlich sieht, Sie hatten wenig Stress in den letzten Tagen.“
Wir fragen Susanne, ob sie sich richtig bewertet sieht? Susanne: „Ich finde, dass das alles stimmt: ich esse gerne Gemüse und das spiegelt sich auch in diesem Betakarotin wieder. Und genauso, dass ich wenig Stress hatte, das kam eigentlich alles so rüber.“
Prof. Lademann: „Wenn wir uns den nächsten Probanden anschauen: (...) Heiner hat deutlich niedrigere Werte, aber das sind keine schlechten Werte, das ist der gute Durchschnitt. Das heißt Sie sind kein Vegetarier. Sie essen Obst und Gemüse, sind aber nicht so, dass Sie nur am Salatbuffet stehen. Ich würde auch sagen, Sie sind Raucher, wenig Alkohol – aber letztendlich ein guter Durchschnittswert."
Heiner zeigt sich beeindruckt: „Das war eine wirklich interessante Erfahrung und nachdem wir das alles gesehen und uns angehört haben, was der Professor da erzählt hat, überlege ich wirklich mit dem Rauchen aufzuhören.“
Prof. Lademann: „Bei Hans ist es so, dass er wieder erhöhte Werte hat – nicht so hoch wie bei Susanne. Das heißt, auch hier eine gesunde Ernährung, deutlich höher als der Durchschnitt, das heißt, viel Obst und Gemüse. Rauchen, wenn überhaupt, dann nur mäßig und letztendlich sieht man auch, dass sich diese hohen Werte im antioxidativen Potential auch in der Hautbeschaffenheit widerspiegeln, also eine doch recht junge, glatte Haut.“
Auch Hans bestätigt Lademanns Analyse: „Ich fand’s fast beängstigend, was man alles aus diesen kurzen Untersuchungen herausfinden kann, aber andererseits hat es mich auch beruhigt, dass meine Bemühungen um eine gesunde Ernährung Früchte tragen und dass der Stress dann nicht so deutlich sichtbar ist wie ich ihn empfinde“
Diese Befunde sind keine Einzelfälle. Jürgen Lademann hat den Hautzustand mehrerer hundert Menschen zwischen 40 und 50 Jahren überprüft: Obst- und Gemüseesser hatten stets eine deutlich jüngere Haut als Fastfood-Esser.
Letzte Änderung am: 18.02.2010, 19.33 Uhr