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Fernsehen im SWR

Zeitreise: Die Geschichte der Düfte

aus der Sendung vom Donnerstag, 5.8.2010 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Ob stark oder schwach, angenehm oder abstoßend, ob als Warnsignal oder zur Beruhigung - Düfte und Gerüche haben im Leben des Menschen schon immer eine große Rolle gespielt.

Für unsere frühen Vorfahren waren Gerüche überlebenswichtig. Wie die Tiere, mit denen sie gemeinsam in der Steppe lebten, waren sie darauf angewiesen, dass ihre feine Nase sofort Alarm schlug, sobald sie etwas Verdächtiges wahrnahm. Der Geruchssinn der frühen Menschen war es, der sie zu Nahrungsquellen leitete oder rechtzeitig vor Fressfeinden warnte - und so ihr Überleben sicherte.

Ägyptische Priester waren die ersten Parfümeure

Etwa 3.000 vor Christus wurden die Menschen zu Düftemachern. Ihre Rauchopfer aus Weihrauch und edlen Hölzern sollten die Götter gnädig stimmen. Ägyptische Priester, vermutlich die ersten Parfümeure, machten Wohlgerüche auch für den Menschen zugänglich. Aufbewahrt wurden ihre Kreationen in kunstvoll gestalteten Flakons aus Ton.

In Rom feierte man Duftrituale

Auch die Griechen und Römer entwarfen dekorative Fläschchen, die unter anderem bei aufwendigen Duftritualen zum Einsatz kamen. „Per fumum", also durch Rauch schickten sie dabei ihre Bitten gen Himmel. Daher stammt auch die heutige Bezeichnung „Parfüm“. Die Römer feierten außerdem wahre Duftorgien, bei denen mit wohlriechenden Essenzen eingeriebene Tauben durch die Räume flogen und Duftwolken verteilten. Zusätzlich sollen die Römer die Segel ihrer Boote mit Parfüm bestrichen haben.

Das Ende des Duftrausches

Als das Christentum in Europa Einzug hielt, hatte der Duftrausch ein Ende, denn die Kirchenväter verboten jegliche Sinnesfreuden. Entsprechend bestialisch stank auch das Mittelalter. Essenreste und Mist wurden einfach auf der Straße entsorgt. Über so genannte Latrinen, die außen am Haus angebracht waren, landeten auch menschlicher Kot und Urin in den Gassen.

Düfte sollten vor Krankheiten schützen

Der Gestank machte selbst vor dem Adel nicht halt. Selbst am Hofe König Ludwigs des 14. gab es keine Toiletten, und sich zu waschen, galt als ungesund. Gegen den Gestank versprühten die Diener Nelkenwasser und Orangenessenz. Außerdem sollten Thymian, Rosmarin und andere Duftnoten aus teils aufwendig gefertigten Riechkugeln und Riechfläschchen den schlechten Geruch vertreiben. Diese trugen die edlen Herrschaften immer bei sich, um sie schnell unter die Nase halten und eine Brise erschnuppern zu können.

Diese Wohlgerüche sollten auch vor Infektionskrankheiten schützen. Zu jener Zeit glaubte man nämlich, Gestank würde Krankheiten wie die Pest auslösen. Aus diesem Grund trugen die sogenannten Pestärzte auch Masken, wenn sie Patienten besuchten.

Weniger Duft ist mehr

Im 19. Jahrhundert wurden viele Städte kanalisiert, und der Dreck auf den Straßen verschwand. Auch der Mensch verlor an Geruch. Man wusch sich und aufdringliche Parfüms waren verpönt. Stattdessen bedienten sich die vornehmen Damen dezenter Noten. Um Blüten ihren feinen Duft zu entziehen, hatten die Parfümeure mittlerweile aufwendige Methoden entwickelt. Bei der Enfleurage etwa wurden die Duftstoffe durch Fett absorbiert und später mit Alkohol ausgewaschen. Ein aufwendiges und teures Verfahren, und so blieb Parfüm ein Luxusartikel. Ein besonders erfolgreicher Duft jener Zeit war "4711 – Echt Kölnisch Wasser" allerdings nur bei den Damen. Männer parfümierten sich damals nicht. Das galt als feminin.

Duftwässerchen werden zum Massenprodukt

Die ersten synthetischen Duftstoffe verbreiteten sich im 20. Jahrhundert. Parfüm wurde dadurch günstiger und der Markt explodierte. Die Trends setzten von nun an ModemacherInnen wie Coco Chanel oder Christian Dior. Schnell gab es so viele verschiedene Kreationen, dass nicht mehr der Duft allein über Erfolg oder Misserfolg eines Produktes entschied, sondern das Marketing. Das Ziel der Industrie: Jeder – auch der Mann – soll seinen ganz individuellen Duft bekommen.

Die individuelle Duftnote der Jetztzeit

Heute gibt es längst Deodorants für Frau und Mann sowie für Wohnzimmer, Bad und sogar Mülleimer. Selbst in Clubs und Diskotheken verbreiten einige Clubbesitzer Blumenduft oder Meeresbrise über ihre Lüftungsanlagen. Ein weiteres Erlebnis für die moderne Nase sind erste Geruchskinos, wo an den passenden Stellen im Film der entsprechende Duft versprüht wird. Auf Menschen, die so viel Beduftung für schädlich halten, hört kaum einer. Stattdessen sollen nachgebraute Alltagsdüfte schon bald das Geruchsfernsehen bringen und Computerspiele und Onlineeinkäufe noch realer machen: Künftig soll man selbst vorm Rechner erschnuppern können, ob die Ware, die man gerade kaufen möchte, schon reif ist.

Lena Ganschow

Letzte Änderung am: 15.10.2009, 11.38 Uhr