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Fernsehen im SWR

Der ODYSSO-Milchtest

aus der Sendung vom Donnerstag, 25.6.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Milch ist nicht gleich Milch! Frischmilch schmeckt besser als H-Milch, Vollmilch kräftiger als fettarme Milch. Das glauben wir zumindest. Aber kann man wirklich die verschiedenen Milchsorten am Geschmack unterscheiden? Und welche Milch schmeckt am besten? Das sollen Probanden für uns herausfinden.

Für den Test hat jeder Teilnehmer sechs Gläser mit Kuhmilch vor sich stehen, aber in jedem Glas befindet sich eine andere Sorte. Auf einem Versuchsbogen sollen die Teilnehmer die Buchstaben auf den Gläsern den Milchsorten zuordnen. Doch das ist gar nicht so einfach...

Unser Milchexperte ist der Ernährungsmediziner Dr. Achim Bub. Er überwacht den Test und gibt Gesundheitstipps in Sachen Milchernährung, wie etwa diesen: „Milch ist kein Getränk wie Wasser, damit kann ich keinen Durst stillen, denn Milch hat dafür zuviel Fett. Über die Milch habe ich über den Konsum eine sehr hohe Fettaufnahme. Und da es sich um tierisches Fett handelt, habe ich unter Umständen einen negativen Effekt auf meinen Körperfettstoffwechsel.“

Milch ist als Durstlöscher zu fett

Doch trotz Fettgehalt ist Milch gesund. So unterstützt sie etwa den Aufbau unserer Knochen. Verantwortlich für diese Wirkung ist das in der Milch enthaltene Kalzium. Ein wichtiges Element, um Mangelerscheinungen vorzubeugen - etwa dem Abbau der Knochen wie es bei der Osteoporose geschieht. Achim Bub: „Insofern kann Milch einen kleinen Beitrag leisten zur Osteoporoseprävention, indem es die Kalziumversorgung sichert oder zumindest einen großen Teil dazu beitragen kann. Und mit diesem Kalzium und den anderen Faktoren kann man dann Osteoporose vorbeugen.“

Kalziumdosis aus der Milch

Doch mit einem Glas Milch am Tag ist es nicht getan. Die tägliche Kalziummindestdosis ist höher und schwankt zudem von Mensch zu Mensch. Aber es gibt einen Richtwert: zwei bis drei Gläser müssen es schon sein, will man nur über die Milch den Kalziumbedarf decken. Eine weitere positive Wirkung die der täglichen Milchration nachgesagt wird: Ein erhöhter Milchkonsum soll Dickdarmkrebs vorzubeugen.

Aber wie wirken sich etwa Kalzium und Fettgehalt auf Herz und Kreislauf aus? Auch dazu gibt es Ergebnisse aus der Ernährungsforschung, sagt Achim Bub: „Bisher war die Tendenz in der Ernährungsforschung eher dahingehend, dass man untersuchen wollte, ob die Milch mit ihrem Fettgehalt nicht die Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen fördert. Und bei diesen ganzen Studien konnte man das nicht bestätigen. Das heißt: Milch, oder der Verzehr von Milch und Milchprodukten, führt nicht zu einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen.“

Gesunde Milch

Welche Milchsorte ist eigentlich am gesündesten? Frischmilch? Oder die etwas ungeliebte H-Milch? Ist H-Milch wirklich die schlechtere Milch? Sie wird im Gegensatz zur Frischmilch stark erhitzt. Doch was bedeutet das für unsere Gesundheit? Ist H-Milch wirklich eine Milch zweiter Klasse? Schließlich gehen durch die Haltbarmachung bis zu 20 Prozent der Vitamine in der H-Milch verloren. „Insofern muss man sehen, dass eine sehr starke Behandlung natürlich mit gewissen Einbußen im Vitamingehalt einhergeht, allerdings auf den Gesamtbedarf gerechnet und für unsere Vitaminversorgung. Und auch unsere anderen Ernährungsaspekte, das heißt, meine Ernährung mit Vollkornprodukten, mit Obst und Gemüse, das zusammengenommen ist der entscheidende Punkt. Und da spielt die Milch für die Vitaminversorgung eine untergeordnete Rolle“, so der Ernährungsexperte.

Fett und Zucker schmecken auch in der Milch

Inzwischen haben unsere Tester festgestellt, dass es gar nicht so leicht ist, Milchtypen am Geschmack zu erkennen. Und wir sind gespannt, welche Sorte wohl der Geschmacksfavorit wird. „Ich denke die 3,5 H-Vollmilch“, tippt eine Teilnehmerin. Ist es die Süße oder der Fettgehalt was so gut schmeckt? Dr. Achim Bub: „Es hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass diese Vollmilch mit ihrem Fettgehalt so ein angenehmes Gefühl im Mund macht, das ist weich und angenehmer als etwa eine fettreduzierte Milch, die vielleicht etwas wässrig schmeckt. Und da wir von unserem Geschmacksempfinden all das, was eher einen höheren Fettgehalt hat bevorzugen, ist es auch nicht verwunderlich, dass die Milch mit einem hohen Fettgehalt bevorzugt oder als gut empfunden wird.“

Die Auflösung unseres Tests bestätigt dies nur teilweise. Zwar schmeckten die fettarmen Sorten den Probanden am wenigsten - der Geschmacksfavorit war allerdings nicht etwa die fettreiche Vollmilch, sondern die laktosefreie Milch. Möglicherweise weil der Milchzucker bereits aufgespaltet ist und sie daher süßer schmeckt.

Hohe Fehlerquote

Rund 75 Prozent der Einschätzungen, welche Milchsorte sich hinter welchem Buchstaben versteckt, waren übrigens falsch. Und die völlig unbehandelte Vorzugsmilch frisch vom Euter wurde so gut wie gar nicht erkannt.

Auch wenn wir also glauben sie zu kennen, unser Test hat gezeigt: Über Milch lässt sich noch einiges lernen!

Axel Wagner / Katja Glasbrenner

Letzte Änderung am: 25.06.2009, 15.19 Uhr