Navigation

Navigation

Volltextsuche
Fernsehen im SWR

Ersatzkäse unter Beschuss

aus der Sendung vom Donnerstag, 25.6.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Käse ist nur dann echter Käse, wenn er zu 100 Prozent aus Milch hergestellt wurde – das besagt unter anderem die deutsche Käseverordnung. Doch nicht immer ist der vermeintliche Käse auf der Pizza oder der Käsestange wirklich Käse, sondern nur ein Imitat. Bei dem sogenannten „Analog-Käse“ wurde das teure Milchfett gegen billiges Pflanzenfett ausgetauscht. Das Problem: Die Verbraucher wissen oft gar nicht, dass sie nur ein Ersatzprodukt bekommen.

Der unschlagbare Vorteil von Ersatzkäse ist sein Preis: Fast 40 Prozent ist der Kunstkäse billiger als das Naturprodukt. Kein Wunder also, dass in der Gastronomie immer häufiger Kunstkäse verwendet wird.

Käse-Imitat ohne Deklaration

Das Hessische Landeslabor ist dem Analogkäse auf der Spur. Dr. Hasan Taschan prüft, ob der Analog-Käse verwendet wird, ohne die Verbraucher zu informieren. Das wäre gegen das Gesetz. Taschans Labor kontrollierte Bäckereien, die Käsebrötchen verkaufen. Ergebnis: Von 92 angeblichen Käsebrötchen enthielten 35 keinen echten Käse.

Kunstkäse boomt. Bei „Metro“ in Berlin liegt unter dem Schild „Reibekäse“ der Analogkäse gleich bergeweise - „Gastro-Mix“ genannt. Es liegt im gleichen Regal wie echter Käse. Eine Verkäuferin spricht auf Nachfrage von "echter Pizza-Käsemischung". Doch ein Test im Labor zeigt: Während viele Hersteller echten und falschen Käse mischen, enthält der "Gastro-Mix" überhaupt keinen Käse mehr, sondern nur noch Pflanzenfett.

Irreführung mit schönen Käse-Bildern

In Baden-Württemberg prüfen amtliche Kontrolleure, wie weit solcher Kunstkäse bereits in Pizzerias, Imbissen und Restaurants verbreitet ist. „Hier im Bereich Stuttgart, zum Beispiel im Jahr 2008, haben wir 20 Prozent der Proben beanstanden müssen, die aufgrund ihrer Pflanzenfett-Beimischungen irreführend gekennzeichnet waren“, erklärt Dr. Jörg Rau vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt. Von all dem hat der deutsche Verbraucher keine Ahnung. Imitate täuschen mit Fantasienamen und schönen Käse-Bildern.

„Den Überwachungsbehörden ist das Ausmaß des Problems, und das Problem an sich, in weiten Teilen gar nicht bekannt. Folglich konnte keine Überwachung stattfinden. Es wurden keine Proben gezogen, man hat sich mit dem Thema einfach noch nicht beschäftigt“, so Dr. Gero Beckmann vom Bundesverband unabhängiger Prüflaboratorien.

Solange das so bleibt, essen immer mehr Verbraucher eine Eiweiß-Wasser-Pflanzenfett-Mischung – statt echtem Käse.

Friedrich Kurz

Letzte Änderung am: 24.06.2009, 18.08 Uhr

Der SWR ist Mitglied der ARD 

Sitemap | Impressum | Datenschutz | © SWR