aus der Sendung vom Donnerstag, 25.6.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Steinzeitliche Höhlenmalereien belegen die über 17.000 Jahre alte Verbindung des Menschen mit den Vorfahren der heutigen Rinder. Damals gilt das Interesse noch ausschließlich dem Fleisch der großen Säugetiere, die auf der Jagd erlegt werden. Doch das bleibt nicht lange so – die Milch wird zu einem wichtigen Energielieferanten für viele Menschen.

In der Jungsteinzeit, vor rund 10.000 Jahren, ist das ehemalige Wildrind domestiziert und seine Milch eine wichtige Nahrungsgrundlage für die sesshaft gewordenen Landwirte jener Zeit. Die Entdeckung des neuen Nahrungsmittels verschafft den Menschen große Vorteile: Durch das Nutzvieh wird zum Beispiel die Besiedelung der Bergwelt in Höhen bis über 2.000 Metern möglich. In den Schweizer Alpen sind es die Walser, die ab dem 13. Jahrhundert - in Abhängigkeit vom Rind – die Hochtäler erobern. Damals sichern die Bergbewohner ihr Auskommen durch Milch und den haltbaren Käse.
Im ausgehenden 19. Jahrhundert haben die Metropolen ein Milchproblem. Für Milchvieh ist in den wachsenden Städten kaum noch Platz, deswegen muss die Milch über weite Strecken dorthin transportiert werden. Doch Milch wird schnell schlecht. Erst die Abtötung der Keime durch kurzes Erhitzen der Milch bringt die Lösung: Pasteurisierung heißt das neue Verfahren, benannt nach seinem Erfinder, dem französischen Chemiker Louis Pasteur.
In Amerika erleben Milchbars während der Prohibition, also dem strikten Alkoholverbot für alle, einen regelrechten Boom. In den 50er Jahren erreicht die amerikanische Modeerscheinung schließlich Deutschland: In Milchbars hält die Milch nun als Ersatz für alkoholische Getränke her. Mancherorts wird das neue „In-Getränk“ kurzzeitig sogar zum Bierersatz - etwa nach der Schicht – und auch die Werbung befasst sich intensiv mit dem gesunden Null-Promille-Trunk.
Doch nicht nur der Inhalt ist modern – auch die Verpackung der Milch wird zeitgemäßer. Die sperrigen und leicht zerspringenden Milchflaschen bekommen Konkurrenz: Der Tetra Pak erobert Ende der 50er Jahre die Regale.
Wohin mit so viel Butter und den anderen Milchprodukten, fragt man sich Ende der 70er Jahre. Butterberge und Milchseen sind das Ergebnis einer politisch unterstützten Überproduktion. Mittlerweile müssen die massiven Überschüsse entsorgt werden. Die Einführung der so genannten „Milchquote“ soll das ändern: Mit ihr wird festgelegt, wie viel Milch ein Betrieb liefern darf. Für die Milchbauern eine schlechte Situation, denn ihr Rohstoff verliert mehr und mehr an Wert.
1998 erblickt ein ganz besonderes Kalb in Bayern das Licht der Welt: Uschi, das erste deutsche Klon-Kalb. Wissenschaftler hatten aus dem Euter einer geschlachteten Kuh Zellen isoliert und in Eizellen eingesetzt. Die Forscher versprechen sich durch die Möglichkeit des Klonens besondere Vorteile für die Zucht: Womöglich könnte so eines Tages die perfekte Milchkuh entstehen.
Axel Wagner / Katja Glasbrenner
Letzte Änderung am: 25.06.2009, 11.11 Uhr