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Fernsehen im SWR

Wettlauf um den Impfstoff

aus der Sendung vom Donnerstag, 30.4.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Garantiert besser als jedes Grippemittel wäre unser Immunsystem bei der Bekämpfung des Virus. Wenn es nur den Gegner erkennen würde. Das tut es aber nicht, da dieses spezielle Virus noch nicht im Umlauf war. Aber man kann dem Immunsystem ja nachhelfen und es trainieren – und zwar mit einem Impfstoff. Leider wird es etwa 3 Monate dauern, bis dieser entwickelt ist. Wir zeigen Ihnen wie die Unternehmen versuchen die Sache zu beschleunigen.

Die Mitarbeiter am Institut für Virologie der Uni Marburg kennen sich aus mit todbringenden Krankheitserregern. Regelmäßig arbeiten die Forscher mit besonders aggressiven Viren. Im Laborflur hängen Fotos an den Wänden, auf denen Vertreter der wohl gefährlichsten Viren, wie etwa Ebola oder SARS, abgebildet sind.

Die Spezialität der Wissenschaftler aber ist Influenza, und was sie im Zusammenhang mit dem Schweinegrippevirus hören, beunruhigt sie. "Darauf ist das menschliche Immunsystem nicht unbedingt vorbereitet. Das ist anders als ein menschliches Virus. Und das Immunsystem des Menschen muss sich daran erst mal adaptieren. Andererseits ist das Virus aber offenbar schon so gut angepasst an den Menschen, dass es sich im Menschen sehr gut vermehren kann und dass es auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann", erläutert der Virologe Stephan Becker die Sorgen der Wissenschaftler.

Erreger mit außergewöhnlicher Eigenschaft

Eine außergewöhnliche Eigenschaft macht den Erreger der Schweinegrippe zu etwas besonderem: Er weist genetische Merkmale der Grippeviren von Schweinen, Vögeln und vom Menschen auf. Die Wissenschaftler erklären sich dieses Phänomen folgendermaßen: Ein mit Grippenviren infiziertes Schwein steckt sich zusätzlich mit menschlichen Influenzaviren und der Vogelgrippe an. Die verschiedenen Erreger tauschen Erbmaterial untereinander aus und so entsteht im Schweinekörper ein völlig neues Virus.

Das klingt ähnlich wie damals bei dem Erreger der Vogelgrippe. Doch im Unterschied dazu ist das Schweinegrippevirus leicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Generell gilt: Hat ein Virus einmal die Grenze zwischen Tier und Mensch überschritten, ist erhöhte Vorsicht geboten. Denn die Verbreitung der so genannten zoonotischen Krankheitserreger ist besonders schwer einzuschätzen, wie Stephan Becker erläutert: "Man kann nicht die gesamte Tierpopulation untersuchen auf die Viren, die in ihnen vorkommen. Und insofern kann man auch schlecht Vorhersagen treffen darüber, welche Viren uns jetzt bevorstehen, also uns Menschen bevorstehen. Und welches Virus jetzt von den Tieren auf den Menschen überspringt."

Genetischer Code ist mittlerweile bekannt

Der genetische Code des Schweinegrippevirus ist mittlerweile bekannt. Mit Hilfe dieser Information wollen die Forscher in Marburg und in anderen Labors weltweit nun schnellstmöglich einen Impfstoff entwickeln. Dafür müssen sie zunächst ein so genanntes Saat-Virus, eine Art Referenz schaffen und diese anschließend vermehren. Das geschieht in Millionen von Hühnereiern. Eine mühsame und langwierige Angelegenheit für die Wissenschaftler, doch neuere und schnellere Methoden, wie etwa die Vermehrung in Zellkulturen, sind noch nicht ausgereift genug. Obwohl sie den Prozess der Impfstoffentwicklung also nur bedingt beschleunigen können, tun die Marburger Forscher was in ihrer Macht steht.

Für den Virologen Stephan Becker steht jedenfalls fest: "Egal wie die Situation jetzt ausgeht, ob wir wirklich eine Pandemie bekommen – was wir natürlich nicht hoffen – oder ob das Virus beschränkbar bleibt, auf bestimmte Regionen in der Welt, ist das für uns ganz entscheidend jetzt schnell und effizient einen Impfstoff herzustellen"

Die Suche nach einem Impfstoff gegen die Schweinegrippe ist Teil des deutschen Pandemie-Plans. Doch die Experten an der Universität Marburg rechnen mit mindestens drei Monaten bis ein neuer Impfstoff entwickelt ist. Die Wissenschaftler hoffen, dass sie das schaffen - garantieren können sie es aber nicht.

Lena Ganschow / Natalia Bachmayer

Letzte Änderung am: 30.04.2009, 18.50 Uhr