aus der Sendung vom Donnerstag, 28.5.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Auf der Nordseeinsel Föhr engagiert sich der Verein „Elmeere“ seit Jahren für den Schutz der ökologischen Vielfalt. Dieter Risse und seine Mitstreiter haben dazu die Flächen eines alten Bauernhofes stillgelegt und in ein Schutzgebiet umgewandelt. Durch die Renaturierung entstanden landschaftstypische Naturräume, die Rast- und Brutgebiete für zahlreiche, teilweise auch seltene, Wasservögel sind. Eine gute Sache, sollte man denken. Doch den Interessen der Naturschützer stehen die der Bauern entgegen. Die beklagen, dass ihre Felder von den Vögeln abgefressen werden und greifen zu teils drastischen Mitteln.
„Der Zaun ist durchschnitten worden. (...) Mit Sicherheit nur, um uns zu schädigen. Einen anderen Grund kann ich nicht erkennen. Auch in der Uferzone des Schutzgebiets wurden Schäden angerichtet. (...) An anderen Flächen werden Knallkanonen aufgestellt. Häufig geschieht beides zusammen. Häufig dann auch noch mit der Realjagd dazu – mit heimlicher Jagd. Wir finden immer wieder angeschossene Tiere, auch in der Schonzeit, an und in diesen Flächen. Das ist schon bitter und niederschmetternd“, erzählt Dieter Risse. „Es ist von der anderen Seite eigentlich alles versucht worden: das ging von Geschäftsboykott-Androhungen, falls uns irgendwelche heimlichen Leute fördern wollen, bis hin zu persönlichen Angriffen. Ich habe schon im Graben gelegen mit dem Auto, weil ich von der Straße gedrängt wurde. Man kann sich ein dickes Fell zulegen, aber es klappt nicht zu 100 Prozent. Es gibt immer wieder Stellen, wo man dünnhäutig ist, und da tut’s auch richtig weh.“
Die renaturierten Grundstücke umfassen rund 70 Hektar – weniger als ein Prozent der Inselfläche. Trotzdem ist das Schutzgebiet in anderthalb Jahrzehnten zu einem Refugium für Wildtiere und bedrohte Pflanzen geworden. Doch Inselbauern wie Karl-Julius Volkerts wollen keine Wildtiere auf ihren Feldern: „Da hatte ich ein Knallgerät stehen. Das war hundert Meter vom Biotop entfernt. Es wurde mir dann vom Ordnungsamt verboten das zu betreiben. Ich kriegte ’ne Androhung von 10.000 Euro Strafe oder bis zu fünf Jahre Haft – Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Das war nicht von Pappe.“ Seitdem ist der Landwirt vollends sauer – und klagt über angebliche Ernteeinbußen.
Landwirten wie Volkerts sind die Ziele der Naturschützer suspekt – die natürlich, wie könnte es anders sein, von auswärts stammen: „Risse ist vom Festland gekommen und macht sich hier breit. Darum ist er auch nicht so... Auch die anderen, die da so aktiv sind. Das sind ja alles Zugewanderte. Irgendwie meinen die, die müssen sich hier was beweisen. Ich weiß auch nicht warum.“
Und was es noch schlimmer macht: Nicht nur die Naturschützer, auch die Tiere, die das Schutzgebiet anlockt, sind keine Einheimischen: „Die Nonnengans ist ja auch ein hübscher Vogel. Da hat ja auch keiner ’was gegen. Aber den haben wir hier nie gehabt. Den haben die zu Zigtausenden auf Eiderstedt, aber auf Föhr ist nie ’ne Nonnengans gesehen worden, bevor die das hier gezüchtet haben. Das ist Fakt.“
Auch Jäger fühlen sich bei ihrem Hobby behindert. Rein rechtlich dürfen sie zwar Tiere abschießen, aber dann müssen sie mit Protesten der Naturschützer rechnen – und das verdirbt den Spaß.
Dieter Risse führt Urlaubern das Elmeere-Schutzgebiet vor. Ursprünglich wollte er auf seinem Hof ein großes Naturerlebniszentrum einrichten, doch das haben seine Gegner verhindert. Sie haben sich im Gemeinderat gegen die Pläne der Naturschützer durchgesetzt. So können immer nur einige wenige Touristen die Tiere beobachten.
Auch eine Rettungsstation für verletzte oder kranke Vögel hat Dieter Risse aufgebaut und 25 Jahre lang unterhalten. Sein ganzes Erbe hat er in den Naturschutz investiert. Ebenfalls Risses Verdienst: es gibt wieder Störche auf Föhr. Aber auch die sind nicht allen willkommen. Die Anwohner eines Parks haben Dornen auf die Dächer montiert.
Vor seinen Flächen hat Risse Infotafeln aufgestellt, die über das Naturschutz-Projekt informieren. Fast täglich wird die ein oder andere zerbrochen. Häufig wird auch noch ein toter Vogel davor gelegt. Es braucht schon viel Idealismus, um angesichts solcher Widerstände nicht zu resignieren.
Mit manchen Plänen sind Dieter Risse und seine Mitstreiter gescheitert. Aufgeben werden sie dennoch nicht, da sind sie sicher. Der Naturschutz auf Föhr soll trotz aller Widerstände weitergehen.
Sven Rieken / Siegfried Klaschka
Letzte Änderung am: 28.05.2009, 00.35 Uhr