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Fernsehen im SWR

Neuraminidasehemmer

aus der Sendung vom Donnerstag, 30.4.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Tamiflu und Relenza: Selten haben so viele Menschen den Namen von Medikamenten in so kurzer Zeit gelernt. Es sind die gängigen Grippemedikamente, die auch bei der Schweinegrippe helfen sollen. Ob sie das wirklich tun, ist aber noch unklar. Angeblich hat bereits ein Run auf die Apotheken begonnen – aber ohne Rezept gibt es die Medikamente nicht. Wir zeigen Ihnen wie die Medikamente wirken.

Viren vermehren sich indem sie an eine Körperzelle andocken und in sie eindringen. Danach schleusen sie ihre DNA in den Kern der gesunden Körperzelle. Diese wird dann als Wirt missbraucht, um zahlreiche Kopien von dem Virus herzustellen. Die Vermehrung ist äußerst effektiv. In kurzer Zeit können so bis zu 1000 Viren pro Zelle neu produziert werden.

Vermehrung behindern

Um eine Grippeinfektion beim Menschen erfolgreich zu bekämpfen, muss in genau diesen Prozess eingegriffen werden. Ziel ist es die Vermehrung der Viren zu stoppen.

Als viel versprechende Mittel in diesem Kampf werden die antiviralen Medikamente „Tamiflu“ und „Relenza“ angepriesen. Sie gehören zu den Neuraminidase-Hemmern. „Tamiflu“ wird als Tablette oder Saft verabreicht. „Relenza“ wird inhaliert. Der Wirkmechanismus von beiden ist gleich.

Viren verklumpen an Zelloberfläche

Verlassen die neu gebildeten Viren ihre Wirtszelle, bleiben sie noch für kurze Zeit an deren Zellmembran haften. Erst mit der Hilfe der Neurominidase, einem Enzyme an der Virushülle, können sie sich von der Wirtszelle lösen und im Köper verbreiten. Wird die Neurominidase von dem Medikament blockiert, bleiben die Viren an der Zelle kleben. Sie verklumpen miteinander. Und das Virus kann sich nicht weiter im Körper ausbreiten.

Die Einnahme solcher Medikamente sollte bei den ersten Grippe Symptomen erfolgen. Am Besten innerhalb der ersten zwei Tage. In jedem Fall sollte die Einnahme von „Tamiflu“ und „Relenza“ von einem Arzt überwacht werden.
Wichtig ist auch noch: Die Medikamente dienen nicht zur Prophylaxe. Aber sie lindern die Symptome und der Patient kommt schneller wieder auf die Beine.


Neuraminidasehemmer

Die antiviralen Medikamente „Tamiflu“ und „Relenza“ gelten bei einer Grippe-Pandemie und damit auch bei einer weltweiten Verbreitung der Schweinegrippe als die vielversprechendsten Mittel. Die beiden rezeptpflichtigen Arzneien mit den Wirkstoffen Oseltamivir beziehungsweise Zanamivir werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und der Erreger kann sich nicht weiter im Körper ausbreiten.

Susanne Gellweiler

Letzte Änderung am: 30.04.2009, 10.51 Uhr