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Fernsehen im SWR

Kann Essen klug machen?

aus der Sendung vom Donnerstag, 19.3.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Essen schmeckt und ist gut für den Körper. Es gibt ihm Kraft und Energie. Allein das Gehirn benötigt davon gut die Hälfte. Da stellt sich die Frage, ob es von bestimmter Nahrung besonders profitieren kann. Können wir durch das richtige Essen vielleicht sogar klüger werden? Die Forschung hat sich auf die Spur gemacht, herauszufinden, welchen Einfluss bestimmte Nahrungsmittel auf unsere geistigen Fähigkeiten haben. Das Ergebnis ist überraschend.

Am Forschungszentrum für Kinderernährung in Dortmund haben Ernährungswissenschaftler ‚getunten’ Babybrei getestet: „Wir haben beim Rapsöl festgestellt, dass die Kinder, die Rapsölgläschen bekommen haben, in der Lage waren, aus einer bestimmten Fettsäure im Rapsöl, der Alpha-Linolensäure, in ihrem Körper eine langkettige Fettsäure zu bilden. Eine Abwandlung dieser Alpha-Linolensäure. Und diese Fettsäure heißt DHA und ist ganz besonders wichtig für die Entwicklung des Gehirns und der Sehfähigkeit der Kinder“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Mathilde Kersting.

Fettsäure DHA ist wichtig fürs Gehirn

Im Klartext: Rapsöl im Brei ist gut fürs Babyhirn. Außerdem haben die Ernährungsspezialisten den Fleischgehalt der Babykost erhöht. Mit dem Ergebnis, dass die so ernährten Kinder bessere Eisenwerte im Blut aufwiesen. Dadurch kann mehr Sauerstoff ins Gehirn transportiert werden. Wie es scheint, eine heiße Spur. Dr. Mathilde Kersting: „Zumindest haben wir jetzt untersucht, inwieweit man die Möglichkeiten der Ernährung ausschöpfen kann. Und das sind erst einmal ganz einfach Maßnahmen, die den Kindern sicher gut tun. Inwieweit die Kinder schlauer werden, das kann man nicht sagen.“

Das wäre auch etwas viel verlangt. Denn wie und ob bestimmte Nahrungsmittel überhaupt auf die Leistungsfähigkeit der Nervenzellen wirken, wird erst seit Kurzem erforscht.

Bewusste Kalorienbegrenzung

Uniklinik Münster. Dort hat die Neurologin Agnes Flöel eine andere Spur verfolgt. Sie wollte wissen, ob die Höhe der Kalorienzufuhr die Gedächtnisleistung beeinflussen kann: „Wir hatten in den letzten Jahren einiges gelesen aus Tierstudien, dass sich Kalorienbegrenzung positiv auf deren Gedächtnis und auch auf die Raumorientierung auswirken kann, zum Beispiel bei Ratten oder Mäusen. Und auch bei großen Studien beim Menschen gibt es Hinweise, dass eine eher kalorienarme oder nach mediterranem Vorbild gestaltete Diät mit viel Olivenöl und ähnlichem, sich positiv auf das Gedächtnis und die Verhinderung von Krankheiten wie Alzheimer auswirkt.“

Die Probanden mussten drei Monate lang dreißig Prozent weniger Kalorien zu sich nehmen – ohne dabei hungern zu müssen. Mit einem Gedächtnistest zu Beginn der Studie und an ihrem Ende prüfte die Hirnforscherin die Gedächtnisleistung der Teilnehmer. Und tatsächlich war diese nach der Kalorienreduktion um 20 Prozent besser als vor der Diät.

Veränderter Zuckerstoffwechsel

Dr. Agnes Flöel interpretiert das Ergebnis: „Und zwar scheint es so zu sein, dass sich der Zuckerstoffwechsel verändert. Dass beispielsweise im Nüchternzustand die Glukose und das Insulin sinken. Dadurch nimmt die Insulinempfindlichkeit des Gehirns zu und man konnte zeigen, dass sich dann bestimmte Signalübertragungswege im Gehirn verbessern. Dies könnte dann letztlich zu den besseren Gedächtnisleistungen führen“.

Mehr Denkleistung durch weniger Kalorien. Doch die reduzierte Kost scheint nicht nur aufs Gehirn, sondern auch auf den Gesundheitszustand zu wirken. Dr. Agnes Flöel: „Ein weiterer Effekt ist, dass die Entzündungsaktivität im Körper wohl leicht abfällt. Und auch dies hat einen wahrscheinlich positiven Effekt auf das Gehirn.“

Fazit: Wer zu viel isst, macht die guten Effekte der Nahrung auf die Nervenzellen wieder zunichte.

Welche Inhaltsstoffe sind gut fürs Gehirn?

Die Frage, ob es Nahrungsinhaltsstoffe gibt, die eine besondere Wirkung auf das Gehirn haben, führt zu Professor Olaf Adam nach München. Auch der Ernährungsmediziner erwähnt den Stoff DHA, der für die Hirnleistung besonders wichtig sei. Unser Körper kann ihn kaum selbst bilden und muss ihn mit der Nahrung aufnehmen. Doch DHA, so Prof. Adam, „... ist eben auch im Gehirn des Menschen ein ganz wichtiger Baustein, der sozusagen die Struktur des Gehirns gewährleistet.“

DHA, der Stoff, der auch bei den Kindern schon Gutes bewirkt hat, stammt aus Omega-3-Fettsäuren. Die sind besonders häufig in Fisch enthalten. Einem Lebensmittel, das bei vielen eher selten auf dem Teller landet. Dabei zeigte sich bei Gedächtnistests, dass schon der Verzehr von zehn Gramm Fisch pro Tag ausreicht, um die Gedächtnisleistung älterer Menschen zu steigern.

Deshalb plädiert Prof. Olaf Adam dazu, dass wir „die dreifache Menge von dem zu uns nehmen sollten, was wir jetzt im Augenblick haben. Und so kann man mit einem gewissen Recht sagen, dass eine vermehrte Zufuhr von dieser Docosahexaensäure die Leute etwas schlauer machen könnte.“

Immerhin: Essen kann klüger machen - es muss nur das richtige sein. Allerdings sollte man nicht vergessen: die richtige Ernährung hilft zwar dem Gehirn - das Denken muss trotzdem jeder selbst übernehmen.

Hilmar Liebsch

Letzte Änderung am: 19.03.2009, 12.47 Uhr

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