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Fernsehen im SWR

Typisch Frau, typisch Mann

aus der Sendung vom Donnerstag, 19.3.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Keine Frage: Männer und Frauen sind unterschiedlich. Das zeigt sich auch in ihren Essgewohnheiten. Nicht nur, dass Männer im Schnitt gerade einmal 15 Minuten pro Tag für die Zubereitung all ihrer Mahlzeiten aufwenden, während Frauen sich immerhin 45 Minuten Zeit nehmen. Auch bei dem was am Ende auf den Teller kommt sind die Unterschiede groß - und gerade bei einer Diät extrem wichtig.

Der Ernährungsmediziner Professor Hans Hauner über die Unterschiede: „(...) Während Frauen zum Beispiel mehr pflanzliche Produkte genießen - Vegetarier sind oft Frauen -, essen Männer eher fleischbetont und haben auch einen deutlich höheren Fleischkonsum als das bei Frauen bekannt ist. Die genauen Ursachen für den Unterschied kennt man bisher nicht. Das hat wahrscheinlich etwas mit unserer Vorgeschichte, mit der Evolution zu tun, wo natürlich der Mann darauf angewiesen war schnell zu sein, auf der Jagd zu sein und eben Tiere zu erlegen. Die Frau war eher zuhause, hat sich – notgedrungen vielleicht – mehr von pflanzlichen Produkten ernähren müssen. Aber das ist eher Spekulation. Die genauen Gründe kennen wir nicht.“

Spielen Urinstikte bei der Ernährung eine Rolle?

Eine Studie des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé hat jetzt zumindest Zahlen geliefert. Demnach achten mehr als die Hälfte der Frauen darauf, was sie essen. Bei den Männern ist es gerade einmal ein Fünftel. “Es ist ganz interessant, dass diese Geschlechtsunterschiede nach wie vor bestehen, obwohl Kinder heute nicht mehr geschlechtsspezifisch erzogen, oder auch zum Essen angehalten werden. Das sind scheinbar alte Instinkte, alte Anlagen bei Männern und Frauen, die nicht zu beseitigen sind. Auch bei gleichem Nahrungsangebot findet man diese unterschiedlichen Muster“, so der Experte.

Und ragt dann eines Tages das Resultat von zu viel deftigem und fettigem Essen über den Gürtel, wollen zumindest die Männer erst einmal nichts davon wissen, weiß Prof. Hauner: „Männer sind oft gar nicht so motiviert abzunehmen. Der Leidensdruck fehlt oft. Der ist bei der Frau stärker. Das kommt aber auch daher, weil hier die kosmetischen Aspekte eine wesentlich größere Rolle spielen: eine Frau muss schlank sein, unterliegt einem wesentlich größeren Druck als dies bei Männern der Fall ist. So dass die Motivationslage ganz anders ist. Männer kriegen oft einen Anstoß von außen: ‚Du solltest mal abnehmen!’ - und das reicht als Motivation oft nicht aus, um mal was zu unternehmen.“

Fleischbetonte Mahlzeiten bei Männern

Wer abnehmen möchte, muss seinen Speiseplan verändern. Der Verzicht auf ein bestimmtes Lebensmittel fällt besonders dann leicht, wenn man es sowieso nicht mag. Klar: Wer verzichtet schon gerne auf seine Leibgerichte? Die sind schließlich bei Frau und Mann verschieden. Und genau da liegt der Haken vieler Diäten: sie achten auf alles, nur nicht auf den kleinen Unterschied der Geschlechter. 

Doch der Ernährungsmediziner weiß:„Dieser Unterschied ist sicher wichtig, wenn jemand abnehmen will. Die meisten Diäten sind ja für Frauen geschrieben. Da stehen dann im Mittelpunkt Obst und Gemüse, weniger Fett, weniger Fleisch. Dies ist für Männer in dieser Form nicht sinnvoll, weil Männer sich doch stärker fleischbetont ernähren. Man muss das, wenn man einen Mann vor sich hat, berücksichtigen. Sonst wird er sich sehr schwer tun, eine Diät auch umzusetzen.“

Ernährungsempfehlungen lassen sich eben nicht ohne Rücksicht auf die eigenen Gewohnheiten umsetzen. Wer erfolgreich abnehmen möchte, sollte also seine eigenen Vorlieben berücksichtigen. Das gilt für Frau und Mann.

Hilmar Liebsch

Letzte Änderung am: 19.03.2009, 19.20 Uhr

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