aus der Sendung vom Donnerstag, 5.3.2009 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen
Unter Experten gilt es seit einigen Jahren als unumstritten: Unser Planet ist in Gefahr. Der Mensch legt Hand an die Atmosphäre. Das Klima wird aus dem Takt geraten, wenn der CO2-Ausstoß nicht zurückgeht. Ein globales Problem. Gelöst werden muss es aber millionenfach lokal. Dass man in Sachen Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene einiges erreichen kann, zeigt das Beispiel Augsburg.
Hans Peter Koch ist ein Überzeugungstäter in Sachen Klimaschutz. Und er ist froh, dass Augsburg extra eine Stelle geschaffen hat, um das Thema voranzubringen: „Natürlich müssen die Strukturen, müssen die Rahmenbedingungen von der öffentlichen Hand geschaffen werden. Hier, in diesem Fall, von der Kommune. Das ist Aufgabe der Kommune. Die Politik muss auf die Menschen zugehen. Wir versuchen hier Projekte zu initiieren, und wir versuchen vor allem, möglichst viele Bürger in diese Klimaschutz-Projekte mit einzubeziehen. Denn das ist das eigentlich Wichtige. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir uns alle stellen müssen.“
Diverse Umweltpreise hat Augsburg für dieses Engagement schon bekommen. Hans Peter Koch trifft sich wöchentlich mit seinen Kollegen vom Umweltamt. Für Absprachen für ein gutes Klima. Dutzende Projekte gilt es zu koordinieren, um den Klimaschutz in der Stadt und im Kreis auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Projekte mit Schulen, Beratung für Häuslebauer oder für das Handwerk. Eine Erfolgsgeschichte in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: Das Projekt Ökoprofit.
Ökoprofit. Das ist ein Paket aus Seminaren und individueller Beratung für Wirtschaftsunternehmen. Das Ziel: Einsparpotentiale im Betrieb zu erkennen. Weniger Energie, weniger Rohstoffe verbrauchen. Das ist gut für die Umwelt und gut fürs Geschäft. Eine attraktive Mischung, welche die Teilnehmer zu schätzen wissen.
In ganz Deutschland beteiligen sich schon über 50 Städte an Ökoprofit. Das hat im Laufe der Jahre einen beeindruckenden Öko-Erfolg und Profit gebracht, weiß Jörn Peter, dessen Agentur die meisten Ökoprofit-Projekte in Deutschland betreut: „Wenn man alles zusammennimmt, was die 2.000 Firmen, die bei Ökoprofit mitgemacht haben, alle zusammen eingespart haben, dann ist es beim Stromverbrauch so viel wie etwa 450.000 Vier-Personen-Haushalte im Jahr verbrauchen. Außerdem soviel wie 180.000 Haushalte pro Jahr an Wärmeenergie verbrauchen. Und es sind etwa 280.000 Tonnen CO2, die eingespart wurden. Für die Firmen hat es sich gerechnet: Es sind etwa 450 Millionen Euro eingespart worden, bei den Unternehmen.“
Ein Beispiel: Jaudt Dosiertechnik. Bei dem mittelständischen Metallverarbeiter dreht sich alles um Ventile, Klappen und Schleusen. Maschinenelemente, die in der Industrie in vielen Bereichen zum Einsatz kommen. Geschäftsführer Penthaler und seine Mitarbeiter sind seit Jahren dabei, die Prinzipien von Ökoprofit in ihrem Unternehmen umzusetzen. Horst Penthaler sieht es so: „Die Ökologie gibt einem das gute Gefühl, etwas getan zu haben, ohne sich groß echauffieren zu müssen.“
Die Sandstrahlanlagen in seinem Betrieb werden jetzt beispielsweise mit weniger Luftdruck betrieben. Funktioniert bestens und spart Energie. Geheizt werden die Fertigungshallen mit Infrarot. Das gibt eine angenehme Strahlungswärme, senkt die Kosten und den CO2-Ausstoß. Besonders stolz ist Geschäftsführer Penthaler über seine neuste Schleuse für Heizkraftwerke, die mit Restholz betrieben werden. Geld mit Umwelttechnik verdienen, sagt er, ist eine saubere Sache: „Bei Ökoprofit war zunächst für mich die Betonung auf Profit gelegt. Das Öko kam später. Aber mit der Zeit gewinnt man echt eine Begeisterung für diese Sachen, denn es lässt sich wunderbar beides miteinander verbinden. Und man darf eines nicht vergessen: Diese Effekte sind nicht nur im ersten Jahr da, sondern die gibt es jedes Jahr. Sie bauen sich auf wie ein Berg. Und das wird, glaube ich, sehr unterschätzt.“
Doch das Bewusstsein für diese Zusammenhänge wächst. Das zeigt auch die starke Bürgerbeteiligung an Augsburger Klima- und Umweltinitiativen. Organisiert in 16 Bürgerforen kümmern sich Augsburger um die verschiedensten Öko-Projekte in der Stadt und im Kreis. Etwa auf der Immobilienmesse, wo Energiesparen ein wichtiges Thema ist.
Helmut Beyer ist Mitglied im Bürgerforum Energie. Er berät Besucher der Messe ehrenamtlich über aktuelle Wärmedämmtechniken und wie sich damit der Energiebedarf senken lässt. Das Potential, so Beyer, ist riesig: „Wenn man sich jetzt vorstellt, dass man 1970 vielleicht bei 27 Liter Öl pro Quadratmeter war, und heute sieht, dass man bei sieben Litern ist. Aber man geht grundsätzlich davon aus, dass ein gut gedämmtes oder saniertes Gebäude ungefähr bei drei Litern liegen sollte, weil ich will ja nur einmal dämmen in 20, 25 Jahren, damit es zukunftsfähig ist.“
Die Arbeit von Hans Peter Koch und seinen Mitstreitern trägt endlich Früchte. Jahrelang war der CO2-Ausstoß in Augburg trotz verschiedener Initiativen weiter gestiegen. Jedoch: „Seit 2001 in der letzten Bilanzierungsphase haben wir es durch die Initiativen und die viele Arbeit wirklich geschafft, hier eine Trendwende einzuleiten. Das heißt, wir haben hier in bestimmten Verursacherbereichen wirklich weniger CO2-Ausstoß als früher. Darüber sind wir glücklich. Das macht uns Mut und wir haben das Gefühl, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.
CO2 sparen heißt verantwortungsvoll mit der Erde umgehen. Und das ist sicher kein Fehler. Denn schließlich ist sie doch der einzig bewohnbare Planet weit und breit.
Letzte Änderung am: 05.03.2009, 17.51 Uhr