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Fernsehen im SWR

Gequälte Haustiere

aus der Sendung vom Donnerstag, 22.1.2009 | 22.15 Uhr | SWR Fernsehen

Tiere sind putzig, und vor allem für Kinder unglaublich anziehend. Doch der Kontakt zwischen Kindern und Haustieren kann zur Quälerei werden. Denn allzu oft werden die Vierbeiner kurzerhand zu Spielzeugen umfunktioniert und müssen dann unter der Unvernunft der jungen Zweibeiner leiden.

Professor Ingo Nolte behandelt an der Tierärztlichen Hochschule Hannover Opfer solcher Übergriffe. Er weiß: „So kann es passieren, dass Kinder ein Gummi nehmen und mit dem dann ein Bein oder dergleichen umschlingen, oder die Tiere mit Gegenständen peinigen. So was kommt leider schon öfter mal vor.“

Vorsicht vor Gegenwehr

Jedes Haustier erfordert einen professionellen Umgang. Wird es anders behandelt, kann es sich leicht mit seinen ganz eigenen Waffen zur Wehr setzen. Ein Hund etwa sollte deshalb vor allem einen Erwachsenen als Begleiter haben, der die Einsicht in die Bedürfnisse des Tieres eher mitbringt als ein Kind. Denn, so der Experte: „Kinder können nicht entscheiden, was einem Tier Verletzungen zufügt und was ihm gut tut. Sie haben manchmal eher das Gefühl ein Stofftier vor sich zu haben, und nicht ein echtes Lebewesen. Eine Einstellung, durch deren Auswirkungen ein Tier verletzt werden kann.“

Dunkelziffer im Kinderzimmer

Doch im Kinderzimmer regiert die spielerische Fantasie, nicht die Vernunft - was für die unfreiwilligen „Spielzeuge“ nicht selten mit schwersten Verletzungen enden kann. Wie viele Tiere durch Kinder zu Schaden - wenn nicht gar zu Tode - kommen, kann niemand sagen. Und so arbeitet Ingo Nolte im Graubereich der Statistik. Denn allzu oft bleibt unbeantwortet, was für den Tierarzt eigentlich die wichtigsten Fragen zur Krankengeschichte seiner Patienten sind: „Wie ist es denn passiert, kommt das überhaupt raus, was da passiert ist? Diese Frage muss ich nur allzu oft mit ‚nein’ beantworten. Aber im Gespräch gibt es dann manchmal doch schon Dinge, die geäußert werden oder eben auch Verletzungen, wo man merkt, das ist jetzt etwas, das nicht einfach nur so passiert ist.“

Weniger kann mehr sein

Bilder von Katzenbeinen die mit Holzschutzmittel behandelt wurden, oder ein Hund, der mehrfach mit kochendem Wasser überschüttet wurde, sprechen eine deutliche Sprache. Solche Aufnahmen aus der Praxis von Ingo Nolte zeigen: In Kinderhänden können Tiere zu Opfern werden. Durch bloße Neugier - oder durch Spieltrieb. In seiner Klinik macht Ingo Nolte immer wieder die Beobachtung, dass Kinder die Tiere nur in extrem seltenen Ausnahmefällen ganz bewusst quälen, denn Kinder handeln in der Regel unvernünftig.

Vielmehr führt oft zuviel Zuneigung zu den Übergriffen. Die Vermenschlichung spielt dabei eine große Rolle. Der „Knuddelhund“ als sozialer Partner etwa muss stundenlange Schmuseorgien über sich ergehen lassen, statt genügend Auslauf zu erhalten. Auch das ist Quälerei. Und das Hygienebedürfnis des Menschen teilen Tiere, die für ihr Herrchen immer wieder unter die Dusche müssen, nicht. Die meisten solcher Zuneigungs-Schäden aber entstehen durch den Sturz vom Arm.

Bestaunen oder Besitzen

Doch auch zu wenig Zuwendung kann den Tieren zum Verhängnis werden. Denn auf mangelnde Pflege reagieren die Lieblinge mit Krankheiten. Ohne das Einschreiten der Eltern werden so die Grenze des Tierschutzes schnell erreicht, denn Tierpflege ist den meisten Kindern ein verhasster Job. „Es muss selbstverständlich sein, dass ein Tier immer unter der Verantwortung der Eltern des Kindes steht. Es geht auf keinen Fall, dass man die Verantwortung für ein Haustier dem Kind überlässt“, betont Ingo Nolte.

Ein tierischer Mitbewohner bedeutet Arbeit. Nicht nur für Kinder ist diese Einsicht eine wichtige Entscheidungshilfe. Dann nämlich, wenn es darum geht, ob man wirklich besitzen muss, oder vielleicht doch das Bestaunen ausreicht.

Axel Wagner

Letzte Änderung am: 22.01.2009, 12.59 Uhr