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Fernsehen im SWR

Fleisch oder Fleischlos?

aus der Sendung vom Donnerstag, 18.12.2008 | 22.40 Uhr | SWR Fernsehen

Lange Zeit haben Wissenschaftler vor allem die Risiken der vegetarischen Ernährung untersucht. Doch viele Studien zeigen inzwischen, dass Vegetarier tatsächlich oft gesünder sind als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Forscher gehen davon aus, dass Vegetarier, die Milch trinken und Eier essen, genauso gut mit Nährstoffen versorgt sind wie Fleischesser. Auf jeden Fall ist ihr Krebsrisiko, und ihr Risiko für viele ernährungsbedingte Krankheiten, geringer. Doch wie sehen die individuellen Unterschiede aus? Wir wollten wissen, ob Ernährungswissenschaftler und Ärzte beide Ernährungstypen an ihren medizinischen Werten wie Blutdruck, Gewicht oder Blutbild erkennen können.

Wir haben deshalb die eineiigen Zwillingsschwestern Janah und Sarah um Mithilfe gebeten. Die Gene der eineiigen Zwillinge unterscheiden sich nicht, und daher sollte ihr Stoffwechsel grundsätzlich sehr ähnlich ablaufen. Darüber hinaus haben sie ähnliche Lebensgewohnheiten und Hobbys. Einen Unterschied gibt es allerdings: Janah ist seit ihrem zehnten Lebensjahr Vegetarierin, Sarah isst dagegen regelmäßig Fleisch.

Die Expertinnen

Die Ernährungsmedizinerin Dr. Ute Gola und die Ernährungswissenschaftlerin Christiane Schulz haben einen Tag Zeit, um herauszufinden, welche der Schwestern die Vegetarierin ist.

Der Testablauf

Dazu haben die Expertinnen die verschiedenen medizinischen Untersuchungen in vier Kategorien eingeteilt. Nach jedem Test bringen sie ihre Einschätzung mit Symbolen an einer Tafel zum Ausdruck: eine Magnet-Karotte für die mutmaßliche Vegetarierin, eine Magnet-Wurst für die mögliche Fleischesserin.

Die erste Kategorie: Blutdruck

Bei großen Reihenuntersuchungen haben Fleischesser tendenziell einen erhöhten Blutdruck. Bei den Zwillingen ist es jedoch umgekehrt. Janah – die Vegetarierin – hat den höheren Blutdruck. Die Ernährungswissenschaftlerinnen liegen bei ihrer ersten Einschätzung daneben.

Die zweite Kategorie: Körperfett und Muskelmasse

Beim nächsten Punkt – Größe und Gewicht – wissen die Expertinnen aus Erfahrung, dass Menschen, die Fleisch essen, meist schwerer sind und mehr Körperfett haben. Um das an den Zwillingen zu testen, errechnet Christiane Schulz aus Körpergewicht und Größe den so genannten Body-Maß-Index. Anschließend bestimmt ihre Teamkollegin Fett-, Wasser- und Muskelanteil der Zwillinge. Und tatsächlich hat Janah, die Vegetarierin, einen BMI von 22,6. Ihre Fleisch essende Schwester kommt auf einen BMI von 25,3. Bei Sarah ist auch der Körperfettanteil größer, dafür besitzt sie aber auch mehr Muskelmasse. Die Expertinnen vergeben an sie eine Wurst – und liegen diesmal richtig.

Die dritte Kategorie: Blutwerte

Auch das Blut ist verräterisch: an einer genauen Blutuntersuchung sehen die Wissenschaftlerinnen, wie es bei den Zwillingen mit verschiedenen Nährstoffen aussieht. Beispiel Vitamine: beide Expertinnen erwarten, dass bei der Vegetarierin die Werte für Vitamin C, Vitamin E sowie Beta-Carotin, Lycopin und Folsäure höher sind. Diese Stoffe kommen in Obst, Gemüse und Vollkorngetreide vor und Vegetarier essen davon erfahrungsgemäß mehr. Sie gleichen damit die Kalorien aus, die ihnen fehlen, wenn sie das Fleisch weglassen. Ein anderes Vitamin, das Vitamin B12, kommt dagegen fast nur in tierischen Lebensmitteln vor. Zum Beispiel in Fleisch, vor allem in der Leber, aber auch in Fisch, Käse oder Eiern.

Das Ergebnis ist für die Wissenschaftlerinnen eindeutig. Der Zwilling im rosa T-Shirt hat die höheren Werte bei den meisten Vitaminen. Die Ausnahmen: Vitamin E und Vitamin B12. Dass die Verhältnisse bei Vitamin B12 umgedreht sind, hatten sie erwartet. Daher passen nur die Werte des Vitamin E nicht ins Bild. Insgesamt sind sich die Expertinnen bei ihrem Votum für Janah als Vegetarierin sicher.

Die vierte Kategorie: Nährstoffe in den Zellen

Mit einem neuartigen Test haben es die Ernährungswissenschaftlerinnen auf die Zellen der Mundschleimhaut abgesehen. Damit können sie herausfinden, welche Nährstoffe tatsächlich in den Körperzellen ankommen. Zum Beispiel Vitamin C, das bei der Vegetarierin vermehrt vorhanden sein sollte. Die Unterschiede zwischen den Zwillingen sind diesmal extrem klein. Der Messwert bei Sarah, der Fleischesserin, liegt nur minimal unter dem ihrer Schwester. Trotzdem werden Karotte und Wurst auch diesmal richtig vergeben.

Das Ergebnis

Nach Abschluss der Untersuchungen haben die Ernährungsexpertinnen Bei Janah eine Wurst und drei Karotten vergeben. Damit haben die Wissenschaftlerin anhand winziger Unterschiede im Ernährungszustand tatsächlich die Vegetarierin erkannt.

Ulrich Grünewald, Silke Uebelstädt

Letzte Änderung am: 18.12.2008, 20.11 Uhr