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Fernsehen im SWR

Subventionswahnsinn Solarenergie?

aus der Sendung vom Donnerstag, 25.9.2008 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Immer mehr Hausbesitzer nutzen das Energiepotential der Sonne. Das ist nicht nur umweltfreundlich, es spart auch Energiekosten und die Einspeisung von Solarstrom in das öffentliche Stromnetz wird den Eigentümern vergütet. Wie teuer diese Vergütung ist, wird seit einiger Zeit stark kritisiert, denn die zusätzlichen Kosten für den Solarstrom bezahlt nicht der Staat, sondern jeder Stromkunde über seine monatliche Rechnung. Hinter vorgehaltener Hand sagen selbst die Hersteller von Solarzellen, dass die Förderung für Solarstrom zu hoch sei. Es gäbe kaum einen Anreiz, die Produktionskosten der Zellen zu senken. Wir sind der Sache nachgegangen.

Familie Pospischol nutzt die Sonnenenergie: Seit ein paar Tagen erzeugt ihre die Photovoltaikanlage Strom. Doch wer glaubt dass hier Ökospinner am Werk sind, irrt. Die Investition ist gut überlegt. Pospischols hatten etwas Geld gespart, und wollten es in etwas sinnvolles investieren. Und so haben sie sich für eine Photovoltaikanlage entschieden. Denn für den Solarstrom gibt es Bares.

Wenn der Sonnenrubel rollt

Fast fünfzig Cent pro Kilowattstunde müssen die Stromkonzerne den Sonnenstromproduzenten zahlen. Gesetzlich garantiert, 20 Jahre lang. Nach etwa zehn Jahren sind so die Investitionskosten wieder eingespielt. Danach rollt der Sonnenrubel. Kein Wunder also, dass die Solarbranche boomt. Ganze Felder werden von findigen Investoren mit den Solarpanels zugekleistert. Das ruft Spielverderber auf den Plan. Wie etwa das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

Der Umweltökonom Manuel Frondel hat die Einspeisevergütung für Solarstrom unter die Wirtschaftslupe genommen: „Die grundlegende Kritik ist nämlich die enorme Höhe der Einspeisevergütung von derzeit 47 Cent pro Kilowattstunde. Der Strom an der Börse kostet umgerechnet sieben bis acht Cent pro Kilowattstunde“, rechnet er vor. „Man sieht die enorme Differenz zwischen Solarstromförderung und den konventionellen Strompreisen.“

Solarstrom belastet alle Stromkunden

Das heißt, jede installierte Anlage kostet die Stromversorger gutes Geld. Denn die müssen den Strom ja zu dem einmal festgelegten Tarif abnehmen. Und da jedes Jahr immer mehr Photovoltaikanlagen installiert werden, kommt einiges zusammen. Bis 2015 sollen es nach Berechnungen des RWI insgesamt 100 Milliarden Euro werden. Das entspricht etwa dem jährlichen Bruttosozialprodukt Chiles. “Diese Kosten müssen die privaten Haushalte, und auch die industriellen, mit ihrer Stromrechnung bezahlen“,  fasst Frondel zusammen. Frau Pospischol weiß das, sieht aber ihre kleine Finanzanlage vor allem auch als eine Investition für eine bessere Umwelt: „Ich kann damit ganz gut leben, weil wir was für unsere Umwelt tun.“

Investition für die Zukunft

Am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg unterstützt man diese Haltung gerne. Institutsleiter Professor Eike Weber sieht langfristig sogar wirtschaftliche Vorteile für die Stromverbraucher: „Je mehr wir heute an erneuerbaren Energien installieren, um so günstiger werden die selben Leute, die heute diese Bürde zu tragen haben, davon profitieren, dass uns die Strompreise nicht durch die Decke gehen.“ Denn eines sei klar: Die konventionellen Energien werden teurer. Außerdem sei man von den Rohstoff-Lieferanten abhängig - egal ob bei Erdgas, Steinkohle oder Atomkraft.

Das lässt die sonnenbetriebenen Vergütungsfresser in einem anderem Licht erscheinen. Sie werden nämlich immer billiger. Und ihre Stromproduktion ist unabhängig von Rohstoffpreisen. „Das heißt, wir haben in Deutschland das Richtige getan“, erklärt der Physiker Weber zufrieden: „Wir haben das richtige Instrument zur Einführung dieser Technologie gefunden, und wir werden zum Schluss auch den Profit zweierlei haben. Auf der einen Seite durch die installierten Solaranlagen, auf der anderen Seite durch die Technologieführerschaft des deutschen Maschinenbaus in diesem Bereich.“ Denn selbst wenn langfristig ein Großteil der Produktion ins Ausland wandern wird, sei da immer noch das Know-how in der Fertigungstechnik.

Solarstrom wird jährlich billiger

So sieht es auch einer der Großen der Branche. Frank H. Asbeck, der Geschäftsführer von Solarworld in Bonn, schildert begeistert die Perspektiven. Weltweit sei man interessiert an deutscher Solartechnik. Der erfolgreiche Unternehmer sieht sich und seine Branche als Menschenfreunde: „Letztendlich profitiert der Verbraucher. Wir haben endlich eine Energieform, die tendenziell jedes Jahr billiger wird.“ Der Grund dafür: aus der Nischentechnologie ist eine profitable Industrie geworden.

Solaranlagen zu teuer

Allerdings sind die Preise für die Anlagen nicht so stark gefallen wie es möglich gewesen wäre. Deshalb gibt es nach Meinung der Essener Wirtschaftforscher vor allem einen Profiteur: „Momentan gibt es eine Gruppe, die davon profitiert. Nämlich die Anlagenhersteller in Deutschland“, erklärt Ökonom Frondel. „Denn aufgrund der hohen Einspeisevergütung ist die Nachfrage derart hoch, dass die Preise in den letzten Jahren stagnierten, also nicht gesunken sind.“

Die Folge: Senkung der Einspeisevergütung

Auf diesen Zustand hat die Politik Mitte 2008 reagiert. Das Ergebnis: Die im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) festgeschriebene jährliche Senkung der Einspeisevergütung nimmt stärker ab als zuvor. Im Klartext heißt das: Je später eine Photovoltaik-Anlage ans Netz geht, desto weniger Geld gibt es für deren Strom. Wollen die Photovoltaikproduzenten das ausgleichen, müssen sie jährlich zehn Prozent billiger werden. Sonst rechnen sich ihre Anlagen nicht mehr. Kein Problem, findet der Solarworld Chef: „Das ist eine große Herausforderung. Schafft kaum eine andere deutsche Industrie. Die Photovoltaik-Industrie schafft das.“ Und wird weiterhin Gewinne machen. Denn der Solarboom bleibt so ungebrochen.

Fazit

Die Vorteile wie Umweltfreundlichkeit und Unabhängigkeit sprechen für den Strom aus Sonnenenergie, auch wenn die Förderungskosten insgesamt sehr hoch sind. Rechnet man das Ganze allerdings für einen Haushalt aus, werden diese Kosten überschaubar. Dann kostet der Solarspaß gerade einmal einen Euro im Monat.

Hilmar Liebsch

Letzte Änderung am: 23.09.2008, 18.15 Uhr