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Fernsehen im SWR

Autoindustrie in der Klemme?

aus der Sendung vom Donnerstag, 18.9.2008 | 22.00 Uhr | SWR Fernsehen

Die deutsche Autoindustrie hat es bis heute nicht geschafft, ein sparsames und zugleich kostengünstiges Auto zu bauen. Nachdem man in den Konzernzentralen vieles verschlafen hat, sind die deutschen Autohersteller inzwischen unter Druck, echte Spritspar-Alternativen zu entwickeln.

Professor Rudolf J. Menne von Ford ist stolz: „Was Sie hier sehen ist ein Wasserstoff-Hybrid-Fahrzeug. Also mit Elektroantrieb. Was hier das Besondere ist: Wir haben hier nicht nur den Tank für Wasserstoff, sondern zusätzlich können Sie auch Ihre Batterien, die Sie im Kofferraum haben, über die Steckdose ebenfalls aufladen.“

Doch unter der Motorhaube erwartet den Motorfan eine herbe Enttäuschung: Der Motorraum ist fast leer. Nur ein paar nichtssagende Kästen. Denn der Ford-Mann zeigt uns ein bisher einzigartiges Antriebskonzept: Das Hybridauto mit Brennstoffzelle und Steckdose als Energielieferanten. Der Haken: Die Serienreife ist noch lange nicht in Sicht. Und: Das Auto kostet zur Zeit noch eine Million Euro. Die kompletten Entwicklungskosten gehen ins Vielfache.

Angesichts solcher Gelder stellt sich die Frage, ob den Autoentwicklern da nicht ein bisschen schummerig wird. Prof. Menne ist erst etwas irritiert, doch dann gibt er zu: „Schummrig? Natürlich - wenn Sie daran denken, dass Sie größere Gelder für Forschung ausgeben. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch nicht, dass man darauf verzichten darf, weil eben ein großes Unternehmen die Verpflichtung hat, die verschiedenen neuen Technologien, die Richtungen, die sich abzeichnen könnten, auch wirklich mit Nachdruck zu untersuchen.“

Stochern im Nebel

Was Fords Direktor für Verkehrspolitik, Regierungs- und Universitätsangelegenheiten da so unumwunden zugibt, ist: Keiner weiß so recht in welche Richtung sich die Autoindustrie bewegen soll. Deswegen wird alles versucht - Hauptsache man ist auch in Zukunft noch dabei. Dabei gibt es ein Problem: Die Automobiltechnik ist heutzutage so weit, dass es schwer ist, etwas wirklich Neues zu erfinden. Trotzdem kostet die Entwicklung eines Automodells gut eine Milliarde Euro. Kein Wunder, dass trotz aller Anstrengungen in der Forschung kein Hersteller etwas parat hat, um den steigenden Spritpreisen zu trotzen. Denn den Autokonzernen sitzt immer auch die Angst vor Misserfolgen im Nacken.

Kaum einer weiß das besser als der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer: „Bei den Automobilherstellern muss man das richtige Tempo haben. Zu schnell mit Innovationen in den Markt zu gehen ist ein Risiko. Zu langsam zu gehen ist ein Risiko. Zu schnell kann bedeuten, dass die Qualität von Fahrzeugen beeinträchtigt wird. Eines der großen Beispiel ist die Mercedes E-Klasse, die zu schnell zu viele Innovationen ins Fahrzeug gebracht hat und deshalb sehr kostspielig nachgebessert werden musste.“

Mit Innovationen nicht zu schnell auf den Markt

Schlimmer erging es da NSU. Die Neckarsulmer Autofirma brachte 1968 den Ro 80 heraus. Technisch und optisch war die Limousine ihrer Zeit weit voraus. Doch die komplexe Technik des Wankelmotors überforderte die Autofahrer. Die Folge: häufige Pannen. Der Ro80 bekam schnell einen schlechten Ruf. Der hohe Anschaffungspreis und ein hoher Verbrauch taten den Rest. Der Ro80 war das letzte Auto der Marke NSU.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Bemühungen von Volkswagen um den 3-Liter-Lupo besonders verwegen. Das erste echte Sparauto in Serienproduktion kam 1999 auf den Markt - und scheiterte. Nur sechs Jahre später verschwand der Lupo wieder. Dudenhöffer sieht als Grund für das schnelle Scheitern des Sparwunders vor allem technologischen Ehrgeiz: „Beim 3-Liter-Lupo war sicherlich der Ehrgeiz des damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Piech, zuerst diese Technologiegrenze überschreiten zu können. Man war zu ehrgeizig, das technisch Machbare zu realisieren, da hat man nicht so genau auf die Kosten und auf Marktbedingungen geachtet.“

Kein Wunder also, dass beim Plug-In-Brennstoffzellen-Hybrid von Ford ein bisschen auch die Sorge mitfährt. Schließlich weiß niemand, ob sich Wasserstoff als Energieträger durchsetzen kann. Deshalb sei, so Ford-Mann Menne, der Druck sehr hoch: „Weil - Sie nehmen ja sehr, sehr viel Geld in die Hand. Dieses Geld soll natürlich dann auch sinnvoll eingesetzt werden.“

Träge Europäer?

Wie das geht, zeigen gerade die Japaner. Schon 1997 führten sie den Hybridantrieb ein. Der Toyota Prius führt zwar Anfangs gerade in Europa ein Schattendasein, doch der lange Atem der Japaner zahlt sich jetzt aus. Denn mit ihrer technischen Erfahrung sind sie den Deutschen um Jahre voraus. Um solche Schlappen zu vermeiden, setzen die Autokonzerne neuerdings auf Zukunftsforscher. Die versuchen den Autoherstellern Innovationsfreude beizubringen. Doch das ist nicht so einfach, schildert Klaus Burmeister: „Jede Industrie die erfolgreich ist, und erfolgreich ist man mit dem Verkauf von Verbrennungsmotoren, kann sich kaum eine andere Zukunft denken. Das ist ein grundsätzliches Problem von Innovationen. Wie bringt man ein Unternehmen, das ein bestimmtes Erfolgsmodell gewohnt ist, zu einem anderen? Da muss man eine ganze Kultur umkrempeln. Insofern geht es nicht nur um eine technische Innovation, ein neues Antriebssystem, sondern es geht auch um einen kulturellen Wandel.“

Die weltweite Konkurrenz wird härter

Und von dem ist man in Deutschland noch weit entfernt. Porsche, Synonym für deutsche Technik auf höchstem Niveau, schickt tatsächlich seinen tonnenschweren Geländeboliden ins Rennen, um den Spritpreisen zu trotzen. Verbrauch des Wunderwerks: knapp 10 Liter. Für Burmeister ist klar, dass der Kampf um Marktanteile auf dem Mobilitätsmarkt jetzt neue Formen annehmen wird, und nicht jeder als Gewinner rausgeht: „In dieser ganzen Entwicklung werden Einige auf der Strecke bleiben. Es deuten sich ja schon Verwerfungen an. Das betrifft die Autoindustrie in Europa, aber auch in den Vereinigten Staaten. Es gibt ja auch Tiger - ob das Tata ist aus Indien oder chinesische Automobilfirmen - die versuchen werden, hier Fuß zu fassen. Insofern sind wir in einem Prozess, der uns eine neue, veränderte Automobilindustrie mit Sicherheit in 20, 15 Jahren zeigen wird.“

Die Entscheidung Steckdose oder Wasserstoff, Elektro oder Hybrid will also gut überlegt sein. Wer aber zu lange nachdenkt, kann diesmal richtig verlieren.

Hilmar Liebsch

Letzte Änderung am: 18.09.2008, 00.37 Uhr